Argumente für donews
Nach rund sechs Jahren wird www.donews.de eingestellt. Wir, die Macher von donews, halten gemeinsam mit der großen Mehrheit der Journalistik-Studierenden das geplante Ende von donews für einen schweren Fehler. Wir sind überzeugt, dass eine Medien-Lehrredaktion die bisherige Ausbildung bei donews nicht ersetzen kann:
1. Eine Online-Redaktion, die ausschließlich über Medienthemen berichtet, begrenzt die Möglichkeiten für den sinnvollen Einsatz multimedialer Elemente (Videos, Audios) und ist somit ein Rückschritt. Eine zukunftsweisende Online-Ausbildung müsste hingegen den Einsatz multimedialer Elemente verstärken.
2. Wenn die geplante Lehrredaktion hauptsächlich über Telefon und Internet recherchiert, vernachlässigt sie einen wesentlichen Aspekt hochwertiger journalistischer Arbeit. Qualitätsjournalismus kann auf Recherche vor Ort nicht verzichten.
3. Durch die Neuausrichtung der Lehrredaktion Online auf Medienthemen nimmt das Institut für Journalistik sich die große Chance der stärkeren Kooperation aller Instituts-Medien unter dem Dach einer etablierten Online-Redaktion.
4. Da die Grundstudierenden für die neue Lehrredaktion künftig keine Beiträge liefern werden, können sie die in Seminaren erworbene Online-Basiskompetenz nicht anwenden. Die Hauptstudierenden der neuen Lehrredaktion werden nicht mehr wie bisher Grundstudierende als Mentoren betreuen. Gerade diese Mentorentätigkeit fördert aber wichtige soziale Kompetenzen für das Berufsleben.
5. Chancen und Reiz einer Lehrredaktion liegen gerade in ihren vielfältigen Themenfeldern. Eine themenspezifische Lehrredaktion setzt der Kreativität der Studierenden enge Grenzen. Die Einengung auf den Bereich Medienjournalismus ist insbesondere deshalb unverständlich, weil das Institut umgekehrt Volontariate nur anerkennt, wenn sie die Arbeit in unterschiedlichen Ressorts umfassen.
6. donews hat sich in den vergangenen Jahren am Markt bewährt und ist inzwischen eine etablierte Marke. Im März 2006 lockte das Online-Magazin täglich durchschnittlich 2525 Besucher auf seine Seite - eine Steigerung auf ungefähr das Achtfache vom März 2003 (351 Besucher). Die drohende Schließung der Seite enttäuscht deshalb nicht nur viele Nutzer. Sie raubt dem Institut für Journalistik auch eine potentielle Einnahmequelle (durch Werbung oder Sponsoring), die in der Vergangenheit nicht ausgeschöpft wurde.
7. Weil donews eine etablierte Marke ist, können Studierende in der Lehrredaktion Online effektiv für die journalistische Arbeit im freien Markt vorbereitet werden. Nur ein etabliertes Online-Medium mit bestehendem Publikum bietet die Möglichkeit, neue innovative Formate unter realistischen Bedingungen auszuprobieren und in ein bestehendes Konzept zu integrieren. Das geplante Medienportal bietet diese Möglichkeiten nicht. Es hat noch keine Stammleserschaft und wendet sich überdies nur an ein sehr kleines und spezielles Fachpublikum. Ein solches Nischenangebot ist von der Realität auf dem Arbeitsmarkt weit entfernt.
Appell an die Verantwortlichen im Institut
Wir, das Redaktionsteam von donews, wenden uns nicht gegen jegliche Veränderung. Wir sind dafür, die Lehrredaktionen am Institut für Journalistik zu optimieren. Ein Medieportal führt aber in die entgegengesetzte Richtung. Es kann darum zwar ein interessantes Projekt sein, aber niemals die bestehende Lehrredaktion donews ersetzen.
Für uns, die Hauptstudierenden von donews, endet die Zeit in der Lehrredaktion Online regulär zum Ende dieses Semesters. Wir sind deshalb von den geplanten Änderungen nicht persönlich betroffen, sorgen uns allerdings um die Online-Ausbildung künftiger Studierender am Institut für Journalistik. Wir appellieren deshalb noch einmal nachdrücklich an die Vernunft der Professoren am Institut für Journalistik, die unseren Argumenten bisher kein Gehör geschenkt haben:
donews muss unbedingt als Lehrredaktion erhalten bleiben!
Autor: Stefan Dietrich