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 Willkommen » Service » Österreich ist unser Vorbild


„Das Geld wird nicht ankommen, wo es hingehört.“



Viele Modelle, viele Möglichkeiten – an welchem Land hat sich unsere Landesregierung eigentlich orientiert? Bernhard Nagel ist Direktor des Instituts für Wirtschaftsrecht der Uni Kassel. Seit Jahren beschäftigt er sich mit weltweiten Studiengebühren-Modellen.

 

Herr Nagel, an welchem Studiengebühren-Modell hat sich die Landesregierung NRW bei ihrem Gesetzesentwurf eigentlich orientiert?

An Österreich. Dort sind die Studiengebühren allerdings ein ganzes Stück niedriger. Außerdem werden die Gebühren mit dem dortigen BAföG verrechnet, das geschieht hier in NRW nicht. Als Österreich vor sechs Jahren die Studiengebühren eingeführt hat, habe ich gedacht, dass es nicht oder kaum zur Abschreckung von Studienbewerber führt. Aber ich musste mich eines Besseren belehren lassen: Der Rückgang der Studentenzahlen dort ist erschreckend. Jetzt habe ich die Befürchtung, dass viele Abiturienten auf ein Studium verzichten, stattdessen eine Berufsausbildung machen und im Endeffekt die Schüler mit der geringsten Ausbildung auf der Strecke bleiben, weil sie keine Lehrstelle mehr finden.

 

Bleiben wir noch mal bei Österreich: Dort ist die Lehre an den Unis trotz Gebühren nicht besser geworden. Droht uns das auch?

Ich gebe Ihnen Brief und Siegel, dass das Geld, das die Hochschulen jetzt einnehmen, nicht dort ankommt, wo es hingehört. Davon werden die Studenten nichts merken. Der Staat wird sich immer mehr rausziehen, private Gelder werden wichtiger. Das sieht man übrigens nicht nur an Österreich. In allen Ländern, in denen Gebühren eingeführt wurden, sind die Zuweisungen vom Staat zurückgegangen.

 

Sie meinen also, dass Studiengebühren zu besserer Lehre führen, ist ein Trugschluss?

Ja. Nehmen wir die Niederlande: Dort hat die Lehre einen sehr guten Ruf. Das ist aber nicht erst so, seit es Gebühren gibt, das war schon immer so. Es hat etwas mit der Grundideologie eines Landes zu tun, ob man für eine gute Lehre sorgt oder nicht. Schauen Sie sich Skandinavien an: Dort gibt es keine Studiengebühren und trotzdem genießen die Hochschulen den besten Ruf. Wobei man sagen kann, dass sich hier in Deutschland langsam etwas ändert. Da wird die Lehre auch immer ernster genommen.

 

Australien wird ja immer als Paradebeispiel genannt, da dort die Gebühren erst im Nachhinein gezahlt werden müssen. Warum hat sich NRW nicht an diesem Modell orientiert?

In Australien werden die Studiengebühren nicht nach Kosten des Studiums berechnet sondern nach Ertrag. Das heißt, ein Jurist oder Mediziner, der später voraussichtlich viel Geld verdienen wird, zahlt höhere Studiengebühren, als ein Geisteswissenschaftler. Da kann zwangsläufig nicht jeder das studieren, was er möchte. Das ist der reine Markt. Die Uni als Industriebetrieb, das kann nur schief gehen.

 

FOTO & Interview: Anne Röpke

 

 




 
   

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