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donews sagt "Tschüss"


 

Das vierte "Baby" des Instituts für Journalistik.

Am Anfang war ein blaues Baby: Als donews im Juni 2000 online ging, lächelte den Usern ein freches Säuglingsgesicht entgegen - eine Idee des Journalistik-Studenten Roman Mischel, der das Design der Seite gestaltet hatte. Das "Baby donews" war das vierte Kind des Instituts für Journalistik, das bereits drei Lehrredaktionen (Zeitung, Hörfunk und Fernsehen) besaß. "Ein weiterer Schritt zu einer praxisorientierten Hochschulausbildung" solle donews sein, zitierte die Lokalpresse den ersten Redaktionsleiter Albrecht Kolthoff. Und: donews war die erste Online-Lehrredaktion in Deutschland. Sechs Jahre lang hat das Magazin Maßstäbe in der Journalisten-Ausbildung gesetzt - dann stellte das Institut die Redaktion ein. 

 

Presseartikel zum donews-Start

 

Von Anfang an arbeiteten die 13 donews-Redakteure tagesaktuell - bereits  vor dem offiziellen Start, am 31. Mai 2000, schrieb Christian Gerstenberger über einen Brand im Studentenwohnheim. Von da an informierte donews seine Nutzer kontinuierlich in den Ressorts Campus, Stadt und Lebensart. Besonders wichtig war dem Magazin von Beginn an der Kontakt zu seinen Lesern. So machte die Redaktion durch Aktionen wie die Wahl zum "Sommerbauch 2001" auf sich aufmerksam. Seinem journalistischen Anspruch kam donews natürlich auch von Anfang an nach: Mit wachem Auge beobachtete die Redaktion zum Beispiel Ã¼ber die Jahre den verstärkt aufkeimenden Rechtsextremismus in der Stadt.

 

 

Unser Dortmund

Dortmund verändert sich, donews hatte immer ein Auge auf seine "Dauerbaustellen". Eine Auswahl...

Erste Schritte

 

Geburtshelfer der neuen Redaktion war die Stadtsparkasse Dortmund, mit deren Drittmitteln die Redaktion finanziert wurde, die zunächst mitten auf dem Campus im CDI-Gebäude residierte. Zu den donews-Pionieren zählte auch Michael Karalus, der bis zum Ende im September 2006 als Administrator über die Redaktionstechnik wachte, die Studierenden trainierte, diesen mit Rat und Tat zur Seite stand - und seine Diplomarbeit über donews geschrieben hat.

 

donews wird erwachsen

 

Zum Wintersemester 2002/2003 änderte donews sein Gesicht: Das Institut für Journalistik übernahm die Finanzierung, Roland Schröder wurde neuer Redaktionsleiter und die Redaktion zog in den Martin-Schmeißer-Weg 13, also unter ein Dach mit den beiden anderen Campusmedien Indopendent und eldoradio. Wichtigste Änderung aber war der Relaunch - donews änderte Design und Technik komplett. Zugleich änderten Redaktionsleiter Roland Schröder und der verantwortliche Lehrstuhlinhaber Prof. Gerd G. Kopper gemeinsam mit den Studierenden das Ausbildungskonzept: Künftig sollten alle Grundstudierenden Beiträge für donews liefern, um auf diese Weise praktische Online-Kompetenz zu erwerben. Wegen der Umstellung ruhte die aktuelle Produktion ein Jahr lang.

 

 

donews hilft 

Brand in der Kehle oder Wissens-durst? Lebens- und Unternehmungs-Tipps aus sechs Jahren donews-Geschichte gibt's hier.

Ab November 2003 bekamen die Nutzer auf einer völlig neu gestalteten, aber immer noch blauen donews-Seite "Alles auf den ersten Click". Durch die lange "Sendepause" musste donews sich beim Publikum erst wieder bekannt machen - durch journalistische Qualität, aber auch mit viel Humor. Jens Radü, heute bei Spiegel Online, erinnert sich: "Das wohl skurrilste Ereignis: Im Weihnachtsmann-Kostüm fremde Menschen überreden, sich für den donews-Adventskalender fotografieren zu lassen - mit Rauschebart. Urkomisch - und tolle Bilder."

 

Ein Stück Dortmunder Zeitgeschichte

 

Natürlich vernachlässigte donews auch die ernsten Themen nicht, die Dortmund zu dieser Zeit beschäftigten: Auf dem Campus sorgte ein Sexualstraftäter für Angst, das Land NRW führte Langzeitstudiengebühren ein, der BVB geriet in Finanznöte und das Gebäude der Unions-Brauerei fiel der Abrissbirne zum Opfer. Und, um das Positive nicht zu vergessen, die Nachbarredaktion elDOradio feierte fünften Geburtstag.

 

 

 

donews unterwegs

Auch wenn das Fernweh die Redakteure gepackt hat - ganz ohne Arbeit konnten sie nicht. Hier gibts Geschichten von unterwegs.

Institut setzt donews ab

 

Im Oktober 2005 übernahm Ingo Uhlenbruch die Leitung der erfolgreichen Lehrredaktion. Er setzte auf Marketing-Maßnahmen und konnte mit den Redakteurinnen und Redakteuren die Zugriffszahlen in kürzester Zeit deutlich steigern. Dann kam die böse Nachricht: Im Januar 2006 beschloss der Institutsvorstand, die Stelle des Redaktionsleiters aus finanziellen Gründen zum Ende des Sommersemesters zu streichen und donews.de nicht mehr fortzuführen. Nach scharfen Protesten der Studierenden betonte der Vorstand, es solle weiterhin eine Online-Lehrredaktion unter Leitung von Prof. Pöttker geben, dann allerdings mit dem Schwerpunkt Medien statt regionaler Berichterstattung. Damit war klar: Das langjährige Projekt donews.de ist nicht mehr zu retten. Alle Proteste von Lesern und Studierenden blieben erfolglos.

 

Hintergrund-Artikel über die donews-Schließung

 

 

Arbeit unter nur fast normalen Bedingungen in der Redaktion.

Der lange geplante Umzug der Campusmedien in den Vogelpothsweg war deshalb für donews kein Grund zum Feiern. Die Online-Lehrredaktion arbeitete dennoch bis Ende September 2006 wie gewohnt weiter. Durch Aktionen wie den Adventskalender oder den Valentins-Gedichte-Wettbewerb gewann donews neue Leser hinzu. In die letzten zwei Semester fielen so bedeutende Ereignisse wie die Fußball-WM oder die Einführung von Studiengebühren, über die donews kontinuierlich aus Dortmunder Perspektive berichtete.

 

Auch die Vogelgrippe, die Flutkatastrophe in New Orleans oder Das Ende des Westfalenstadions waren Themen bei donews. Kritische Berichterstattung und kreative Ideen zahlten sich aus - im März 2006 schauten täglich 2525 Besucher die Seite www.donews.de an. Drei Jahre zuvor, kurz nach dem Relaunch, waren es nur 351.

 

Erfolg rettete donews nicht

 

 

Menschen auf donews.de

Sportler und Diplomaten, Aktivisten und Erfinder: Interviews und Porträts aus sechs Jahren donews sind hier

Nicht einmal dieser spektakuläre Erfolg konnte die Verantwortlichen im Institut für Journalistik umstimmen. Studierende fürchten nun, dass auch der Bestand der anderen Lehrredaktionen gefährdet ist. Dabei wäre es mit donews möglich gewesen, alle Redaktionen effizient unter dem Dach der Online-Redaktion zu vereinen. Ein solch zukunftsweisendes Konzept baut derzeit Ex-Redaktionsleiter Prof. Roland Schröder an der privaten Unternehmerhochschule BiTS (Iserlohn) auf. Dort entsteht eine multimediale Newsdesk-Redaktion - alle Lehrredaktionen sind in einem Raum.

 

Deutschlands erste Online-Lehrredaktion donews hat Maßstäbe gesetzt und vor allem Geschichte(n) geschrieben: donews-Reporter haben mit kleinen und großen Leuten gesprochen, haben Problemviertel und Szene-Kneipen besucht, waren unter Tage und in der Luft. Was sie in sechs Jahren in Dortmund und in der ganzen Welt gesehen und beschrieben haben, lädt auch künftig zum Surfen, Schmökern und Stöbern ein.

 

donews ist tot? Es lebe donews!

 

 

 

 

Autoren: Sandra Voglreiter und Stefan Dietrich

Informationen: Michael Karalus, Katrin Pepping, Sonja Stamm, Jens Radü.

FOTOS: donews




 
   

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