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So ein Theater

Das Plakat haben die Schüler mitentworfen.

Zufrieden beobachtet Henry Schopp, wie sich seine Schüler streiten. Schopp ist Pädagoge und inszeniert eine Theateraufführung mit Schülern der Hauptschule in Aplerbeck. Es läuft genau nach Plan: Mit vor Aufregung funkelnden Augen gehen zwei Mädchen aufeinander los. Das eine ist verliebt. Der Mann ihrer Wahl macht sich aber an ihre Freundin ran.  

 

 Hermia will Helena am liebsten die Augen auskratzen (30s/370kB) 

 

Viel Glück haben sie ihm gewünscht: Theater-AG an einer Hauptschule. Dann auch noch Shakespeares Sommernachtstraum in der Originalübersetzung. "Ich solle nicht traurig sein, wenn keiner mitmachen will oder alle wieder abspringen", erinnert sich Henry Schopp an die Bedenken in der Planungsphase. Heute ist er höchstens traurig darüber, dass "eine der besten Schülergruppen", die er je ans Schauspielern heran geführt hat, auseinander geht. Die Aufführungen waren Mitte Mai.

 

Schüler lauschen Schopps Tipps. 

Schopp ist Diplom-Sozialarbeiter und Theaterpädagoge. Er spielte und tanzte selbst 15 Jahre als Musical-Darsteller und Schauspieler an verschiedenen Bühnen im In- und Ausland. Seit fünf Jahren arbeitet er als Regisseur und Choreograph mit Kindern und Jugendlichen. 

 

Statt Casting Klinkenputzen 

 

Durch alle Klassen der Hauptschule Aplerbeck ist Henry Schopp getourt und hat für seine Idee geworben. Dabei hat er von Liebe erzählt und klar gestellt, dass er nicht Sex meint. Erst wurde viel gekichert, dann viel diskutiert - über Liebe zu den Eltern, zur Natur und dem Haustier.

 

Was Schauspiel ist, hat Schopp die Schüler selbst erfahren lassen. Robert hat er so geködert. Der entscheidende Moment war eine Übung, für die der Pädagoge einen Stuhl in die Mitte des Raumes gestellt hatte. Er bat einen Freiwilligen, durch den Raum zu gehen, sich zu setzen und ruhig sitzen zu bleiben. Der 17-Jährige meldete sich. "Eigentlich sind wir eine sehr laute Klasse. Aber in dem Moment waren alle still und alle schauten mich an. Das war ein bisschen verängstigend, aber auch richtig gut." Mit darstellender Kunst hatte er bis dahin noch nie zu tun gehabt. "Ich mag Herausforderungen", erzählt Robert selbstbewusst.

 

Robert in seiner Rolle als Lysander.

"Lysander ist ein Frauenheld"

 

Henry Schopp war von Anfang an klar, dass der Text in der Originalübersetzung gespielt wird - den Schülern nicht. Aber die meisten haben die notwendigen "Übersetzungsübungen" nicht abgeschreckt. Auch Robert störte das wenig. Ihm falle es leicht, Sachen auswendig zu lernen. "Und schließlich kommt es ja darauf an, sich seine eigene Figur zu machen. Ich habe mir vorgestellt, was das für ein Typ ist. Lysander ist charmant, liebenswürdig aber irgendwie auch ein Frauenheld. Also das Gegenteil von mir", grinst Robert.

 

Robert ist einer von 28 Schülern der Hauptschule Aplerbeck, die kamen, ihre Freizeit in der Schule verbrachten und bis zum Schluss dabei blieben. Seit Ende Februar haben die 14- bis 17-Jährigen zusammen unzählige Stunden verbracht. Erst haben sie zweimal pro Woche den ganzen Nachmittag geprobt, dann auch am Wochenende, während der Ferien und am Schluss jeden Tag.

 

Stück im Stück

 

Eine Szene hat es dem Team besonders angetan: Die Handwerker führen ihr Stück über Pyramus und Thisbe vor Theseus, dem Herzog von Athen auf. Dabei kommen sich Zettel und sein Freund Flaut, der die liebreizende Thisbe verkörpert, durch einen Spalt in der Wand näher.

 

 Thisbe und Pyramus turteln durch einen Wandspalt (1m18s/950kB)

 

"Für mich war das Schönste, den Prozess mitzuerleben und zu sehen, dass sie stolz auf sich sind. Jeder hat erkannt, dass er Großartiges leisten kann. Und sie gehen auch anders miteinander um, viel liebevoller", fasst Henry Schopp seine Erfahrungen mit der Gruppe zusammen. Gerade bei den Aufwärmübungen konnten sich die Jugendlichen anfangs oft das Lachen nicht verkneifen: Atemübungen, akzentuierte Aussprache, komische Bewegungen - und das vor zumeist fremden Mitschülern. Wenn jetzt jemand einen Fehler macht und ein anderer drüber lacht, entschuldigt er sich nachher dafür.

 

Aus Fremden wurden Freunde

 

"Ich kannte vorher eigentlich keinen von denen. Das sind jetzt so richtige Freunde geworden. Und die sind auch nicht eingebildet, so dass die nur an Theater denken",  sagt Robert. Die Schüler verbringen mittlerweile auch unabhängig von der Theater-AG die Nachmittage miteinander.

 

Die Kostüme wurden extra für die Inszenierung genäht.

Theater spielen wird Robert nach dem Ende des Projekts Sommernachtstraum erst mal nicht. Er will sich wieder seiner großen Leidenschaft widmen, die in der Probenzeit zu kurz kam: dem Fußballspielen.

 

Einige der anderen aus dem Team wollen aber weiter machen. "Vielleicht werden wir schon im Herbst ein neues Projekt machen", verrät Henry Schopp. Die Schüler freut das: "Oh ja, da spielen wir Romeo und Julia!"

 

 

Hier finden Sie alle Darsteller und Mitwirkenden . . .

 

FOTOS: Sandra Voglreiter

VON SANDRA VOGLREITER

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