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Lipperländer in Morawien

Heinz Fennekold kennt "sein" Land nicht nur von der Karte.

Dass Morawien nur ein anderer Name für Tschechiens Südosten ist und nichts mit der Republik Moldawien noch weiter in Osteuropa zutun hat, ist Heinz Fennekold bekannt.

 

"Viele wissen das aber nicht", sagt der Präsident der Auslandsgesellschaft NRW und sieht in der Aufklärungsarbeit nicht nur deshalb eine seiner Hauptaufgaben als künftiger Honorarkonsul der Tschechischen Republik. Dabei wollte er zunächst mit dem Amt in keiner, aber auch wirklich keiner, Weise in Verbindung gebracht werden.

 

Neutralität kennt keine Landesgrenzen

 

Das gehe doch nicht. Als Präsident der Auslandsgesellschaft müsse er doch neutral bleiben. Warum für Tschechien und nicht für Israel? Oder Polen? Oder Ungarn? Oder China? Der 60-Jährige hörte die Kritiker schon von den Dächern singen. "Doch man hörte nicht auf, mich anzusprechen." Heinz Fennekold hebt wie zur Entschuldigung beide Hände.

 

 

Im Sonnenenergieforum im Westfalenpark
arbeitet Heinz Fennekold.

Vor drei Jahren wurde bei der Auslandsgesellschaft ein Kreis gegründet, in dem sich Diplomaten und Konsuln aus NRW regelmäßig treffen, sich austauschen. In dieser Runde wurde Heinz Fennekold mit der Anfrage quasi überfallen. Zunächst bissen die Bittsteller auf Granit. "Ich brauche keine Titel, ich brauche den Kontakt zu vielen Ländern der Welt", lautet die Lebensdevise des ehemaligen Vorstandsmitgliedes der RWE. Damals wie heute.

Doch so ganz wollte er sich aus der Verantwortung stehlen und empfahl also einen anderen für den Job: Dr. Manfred Scholle. Der wurde aber "plötzlich Vorstandsvorsitzender von Gelsenwasser, und nun stand ich da". Aus "dieser Peinlichkeit heraus" willigte Heinz Fennekold schließlich doch ein. Aber "ich wusste nicht, auf was ich mich einlasse".

 

 

Pessimismus kennt
Heinz Fennekold nicht. 

Inzwischen kennt er sich auch bestens aus mit Tschechien, seinem Aufgabenbereich und den Landesproblemen. "Ich bin zwar noch dabei, das Land zu begreifen, aber ich weiß, dass es die gleichen Strukturprobleme hat, wie wir sie hier im Ruhrgebiet hatten."

 

Tschechisch in Einzelstunden

 

Heinz Fennekold bereitet sich intensiv auf sein Konsulat vor. Lernt sogar Tschechisch. "Aber nur Einzelstunden, ich will mich ja nicht blamieren." Einmal im Monat besucht der Wahl-Portugiese mit Zweitwohnsitz an der Algarve auch den jungen EU-Mitgliedsstaat. Die ersten Zuständigkeitsfelder sind schon abgesteckt. "Primär werde ich zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Umweltprojekte unterstützen. Ich denke da etwa an Oberschlesien."

Sehr am Herzen liegt dem designierten Honorarkonsul auch der kulturelle und wissenschaftliche Austausch sowie das Thema Europäische Union. "Es gibt immer noch eklatante Unterschidee zwischen West- und Osteuropa." Er hofft, dass sich ihm in diesem Punkt "als Konsul neue Türen öffnen".

 

Aufwertung für Dortmund

 

Für den Standort Dortmund bedeutet seine Wahl auf jden Fall einen Zugewinn. Die hier ansässige Industrie- und Handelskammer wird in Zukunft als einzige der 16 Kammern in NRW alleine für Tschechien zuständig sein.

 

Schon jetzt bekommen Tschechen
eine Sonderbehandlung. 

Etwaigen Kritikern begegnet der 60-Jährige schon im Vorfeld offensiv. "Meine Arbeit in der Auslandsgesellschaft zeigt doch, dass ich mich auch für andere Länder einsetze. Da mache ich keine Unterschiede."

Übrigens: Passenderweise fährt der gebürtige Lipperländer ein tschechisches Fabrikat als Dienstwagen. Einen Skoda Superb. "Das hat aber nichts mit dem Land zu tun, den fahre ich aus Überzeugung."

 

Fotos: Christoph Witte

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  Auswärtiges Amt  
  Auslandsgesellschaft NRW  


VON CHRISTOPH WITTE

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