| Kick it like Anna | ||||
(do1) Energischer Kick, dynamischer Schlag, Entschlossenheit in den Augen, Rhythmus im Blut, der Wille zum Sieg und die innere Ruhe. Darauf kommt es beim Taekwon-Do im Tul-Wettbewerb ganz besonders an. Diese Kriterien erfüllt die Dortmunderin Anna Anastassiadou perfekt. Nach ihrem ersten WM-Titel 2003 wurde die 31-jährige Sportlerin auch bei den Welttitelkämpfen in Dortmund Erste. "Ich bin einfach nur überglücklich", strahlte Anna Anastassiadou nach dem gewonnen Weltmeisterschafts-Finale in der Klasse bis zum vierten Dan. Ihre Gegnerin war die Argentinierin Carina Wassermann.
Bei Taekwon-Do denkt der Unwissende erst einmal an den normalen Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau. Aber die Sportart Taekwon-Do bietet noch eine zweite Wettkampfart. Den Tul-Wettbewerb. "Beim Tul kämpft man gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner", erklärt die amtierende Weltmeisterin ihre Lieblingsdisziplin kurz und einfach. Eingeteilt werden die Sportlerinnen in verschiedene Klassen. Beim Tul können sie je nach Stärke in den Klassen vom ersten (niedrigster) bis zum vierten (höchster) Dan starten.
Mit ihrer Größe von 1,52m ragt die kleine Person mit griechischen Eltern im normalen Leben nicht aus der Masse heraus. Geht es aber in die Halle und auf die Wettkampfmatten, so wächst Anna Anastassiadou immer wieder über sich hinaus und zeigt ihre wahre Größe. "Anna ist ein absolutes Vorbild. Im Tul-Wettbewerb kann ihr niemand das Wasser reichen", zeigt Mannschaftskollegin Hosnya Karim großen Respekt.
Neben dem Sieg im Einzel-Tul sackte Anna Anastassiadou noch zwei weitere Medaillen ein. Silber im Mannschafts-Tul und Bronze im Mannschafts-Kampf. Vor allem über den zweiten Platz im Mannschafts-Tul war sie begeistert, obwohl das Finale gegen Polen verloren ging. "Unsere Gegnerinnen hatten in der entscheidenden Tul einfach die besseren Variationen, aber unser zweiter Platz ist einfach super", war die 31-Jährige nach dem Finale eine faire und fröhliche Verliererin.
Die einzige Enttäuschung erlebte die Tul-Weltmeisterin im Einzel-Kampf. Hier werden die Klassen nach Gewicht eingeteilt. Anna startet in der Klasse bis 52 Kilogramm. "Aber hier sind meine Gegnerinnen immer viel größer. Da habe ich echte Probleme", macht sich der Größennachteil im Kampf stark bemerkbar. So schied die Deutsche schon in der ersten Runde aus. Dementsprechend sauer war sie nach dem Kampf auch, denn "ich und mein Trainer haben nach dem Kampfverlauf mindestens mit einem Unentschieden gerechnet."
Neben den Medaillen von Anna Anastassiadou sorgten weitere Frauen aus der Deutschen Nationalmannschaft für große Erfolge. Hosnya Karim holte im Einzel-Kampf die Silbermedaille, Krycia Lopez gewann Gold im Einzel-Tul bis zum ersten Dan, im Kampf-Finale bis 58 Kilogramm unterlag sie nur knapp und landete auf Platz zwei. "Schade, dass Hosnya im Kampf nur Zweite geworden ist. Das war eine sehr knappe Entscheidung. Aber sie ist noch jung und wird ihren Weg gehen", ist Anna Anastassiadou um die Taekwon-Do-Zukunft nicht bange.
Ihre eigene Zukunft soll sich nun erst einmal nicht mehr so sehr auf ihre Sportart Taekwon-Do beziehen. Die Ärztin für den Bereich Radiologie will nun ihre Doktorarbeit schreiben. Aber auch sportlich hat sie natürlich noch weitere Ziele. 2007 will sie in Kanada den dritten Weltmeistertitel in Folge erringen. Eins kann man wohl jetzt schon sagen: Egal ob Doktorarbeit oder WM 2007. Anna Anastassiadou wird mit Sicherheit über ihre 152 Zentimeter hinauswachsen.
Fotos: Henning Engelage
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