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Chrom, Lack und viel Bass!

Aufgemotzt und ausgestellt.

Bei der Europa-Sieger-Tuning-Show in der Dortmunder Westfalenhalle zeigten Männer, womit sie ihre Freizeit ausfüllen: Mehrere hundert aufgemotze Karossen waren in der Westfalenhalle zu bewundern - die einen noch alltagstauglich, die anderen nicht. Otto-Normal-Fahrer kommt angesichts des Ideenreichtums jedenfall ins Staunen: Von der Playstation in den Rücksitzen bis zum Kofferaum aus Plüsch ist alles dabei.

 

 

Der 3er BMW von Thorsten Sassen
erinnert an MTV-"Pimp my Ride". 

 

In den Kopfstützen sind Monitore
eingebaut - für die Playstation.

Swarowski am Innenspiegel

 

Thorsten Sassen sitzt neben seinem blau-weißen 3er BMW auf einem Campingstuhl. "Mein ganzer Stolz. Oder mein ganzes Geld, wie man's nimmt", sagt er und lächelt. Gut 70 000 Euro sei der Wagen wert. Das Auto selbst hat er vor einem Jahr gebraucht für 8000 Euro gekauft. Die Sportsitze sind mit blau-weißem Leder bezogen, passend zur Karosserie. In den Kopfstützen sind kleine Monitore integriert, daran angeschlossen eine Playstation. Ein weiterer Blickfang im Innenraum ist der Innenspiegel: "Den hat meine Frau mit 250 Swarowski-Steinen besetzt", erzählt Thorsten stolz. Insgesamt erinnert der Wagen ein bisschen an die MTV-Show "Pimp my Ride". "Ja klar, nur das bei mir alles legal ist", betont der Krefelder. Trotz der gefürchteten Steinschläge fährt er mit seinem "Blue Dragon", so heißt der Liebling jetzt, jeden Tag zur Arbeit.

 

 

 

 Der mühevoll gestaltete Kofferaum
 von Enrico fängt Blicke.

 

 Die Motorhaube öffnet seitlich,
 der Kotflügel lässt sich aufklappen.

Fahren darf der Polo nicht mehr

 

Auf die Idee käme Enrico Lichtenberger nie. Früher, ja ganz am Anfang sei seine Frau sogar im Winter mit dem Polo III gefahren. Aber jetzt geht das nicht mehr. Erstens kommt sie wegen der nicht verstellbaren Sportsitze nicht mehr an die Pedale Und zweitens stehen die Reifen "so weit aus den Radkästen, dass das Kurvenverhalten nicht mehr so ganz doll ist", erklärt er. Fahren muss der Polo aber auch nicht, versichert er, soll das Prunkstück doch "nur" noch die Arbeit des Airbrushers präsentieren. Und zumindest diese Aufgabe erfüllt er mit Bravour: Die Besucher schauen sich die vielen filigranen Fantasy-Motive auf der lilafarbenen Karosse an, den mit weißem Samt und violettem Plüsch ausgekleideten Kofferraum und die aufklappbaren Kotflügel. Minutenlang zieht sie der Wagen in seinen Bann. Und das ohne die Hilfe einer leichtbekleideten Dame, die um ihn herumtänzelt. In keiner Halle gibt es Bikinimädchen. Nein, das wäre ja unprofessionell. Nichts soll von den Autos ablenken.

 

Jeder Fahrer hofft, in seiner Klasse einen Preis zu gewinnen. Je nach Hersteller oder Modell haben die Kölner Veranstalter Gruppen gebildet. Die Ersten aus allen Gruppen treten am Ende noch einmal gegeneinander an. Auch der Fahrer eines doch ziemlich protzigen schwarzen Golf IV will sein Glück versuchen. Er hat gute Chancen. Zumindest zeigen sich die Zuschauer beeindruckt von der Design-Anlage im Kofferraum und der tiefgezogenen Front.

 

Im Auto streikt Windows

 

Dann ist es soweit: Die Jury will den Wagen in Augenschein nehmen. Nebelschwaden steigen auf, werden von buntem Licht durchstrahlt. Bei heroischer Musik kommt er langsam zum Vorschein, der Golf mit der durch einen Lederbezug geschützten Motorhaube - nicht das da etwas dran kommt. Die zehnjährigen Jungs in den ersten Zuschauerreihen hält es kaum auf ihren Plätzen. Immer wieder: "Boah geil! Hast du das gesehen?" Einige wenige Minuten hat der Fahrer nun Zeit, die Jury von seinem besten Stück zu überzeugen. Doch seine Musikanlage streikt – Windows ist abgestürzt. Windows im Auto? Aber dann: Die Techno-Beats füllen die ganze Halle. Disco auf vier Rädern. Von den Juroren gibt es dafür ein Mal neun und zwei Mal zehn Punkte, die Bestnote. Höchst zufrieden stellt sich der Golffahrer wieder auf seinen Platz. Dann kommt das nächste Auto. Und noch eins und noch eins und immer so weiter. Zwei Tage lang.

 

 

Die Besucher bestaunen die gigantische Musikanlage im Kofferraum.

 

Nur einige Minuten haben die Fahrer Zeit, ihre Lieblinge zu präsentieren.

 

Eine Gruppe Jugendlicher, die sich gerade auf den Heimweg machen, fachsimpelt unentwegt über die bestaunten Karossen. "Mann, wenn ich endlich meinen eigenen Wagen habe…" Der junge Mann vollendet den Satz nicht. Doch die Tuning-Teile-Hersteller werden ihn trotzdem gern hören, sichert ihnen der "Pimp my Ride"-Nachwuchs doch die Zukunft.

 

Fotos: Jana Körte

VON JANA KÖRTE

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