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Wenn's an Halloween ganz still wird...

Tradition der Stillen Feiertage

 "Allerheiligen hat doch was mit den Heiligen drei Königen zu tun - war doch so, oder?", mutmaßen Marlene und Katrin, beide 21 Jahre und Studentinnen der Rehabilitationswissenschaften. Das seien ja "alles sehr christliche Sachen" und damit hätten sie es beide nicht so. Tatsächlich sind die meisten stillen Feiertage im weiteren Sinn Gedenktage für Verstorbene.

 

Stille Feiertage sind in Deutschland neben Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November) auch der Toten- bzw. Ewigkeitssonntag (Letzter Sonntag vor dem 1. Advent) sowie der Volkstrauertag (11. November). Allerheiligen und Allerseelen entsprechen dabei vor allem katholischem Brauchtum, der Ewigkeitssonntag wird auch in der reformierten Kirche offiziell begangen.

 

 

 

 "Seelenlichter" an Allerheiligen

Auf dem Campus herrscht in Sachen stille Feiertage die schönste Verwirrung.  Anna (Sozialarbeit) und Inga (Sonderpädagogik), beide 24 Jahre, rätselten: "Stille Feiertage könnten sowas wie Halloween sein. Also keine richtigen Feiertage, sondern unauffällige." John Sebastian (24) aus dem Studiengang Kulturwissenschaften definiert sie so, dass an ihnen Diskotheken und Kneipen geschlossen bleiben. Das sei zum Beispiel an Allerheiligen der Fall, den er auch als kirchlichen Feiertag im Gedächtnis habe: "Meine Eltern gehen da an die Gräber." Tatsächlich ist es so, dass stille Feiertage als besonders schützenswert gelten.

Journalistikstudentin Daniela (20) tut sich nach eigenen Angaben auch schwer, Allerheiligen nicht mit den "drei Königen zu verwechseln". Einmal auf die richtige Spur gebracht, wusste sie aber, "dass es ein katholischer Feiertag ist und man dann zu den Heiligen und Schutzpatronen betet." "Totensonntag? Noch nie gehört", erklärt dagegen die 26-jährige Katja. Allerseelen sagt ihr schon mehr, "denn da gedenkt man denen, die gestorben sind".

 

 

 

 Gedenken an Verstorbene

Gedenken mit langer Tradition

 

Gedenktage für Verstorbene - seien es Märtyrer, Heilige oder "Normalsterbliche" - gab es schon im antiken Christentum. Bereits seit dem neunten Jahrhundert hat dieses Gedenken ein festes Datum: Allerheiligen wird am 1. November gefeiert. Anno 998 legte dann Odilo von Cluny die Allerseelenfeier für den 2. November fest, die Mönche von Cluny verbreiteten das Fest im 11. Jahrhundert, in Rom wurde es erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt.

Zu Allerheiligen stehen alle Heiligen (Märtyrer) im Mittelpunkt. Im Jahre 835 wurde Allerheiligen von Papst Gregor IV. eingeführt. Heute werden an Allerheiligen auch die Gräber von den Angehörigen geschmückt, bei Katholiken wird das so genannte "Seelenlicht" entzündet, das auch noch am darauffolgenden Allerseelentag leuchtet. In vielen Familien wird ein "Seelenlicht" auf dem Friedhof und eins zuhause bei den Hinterbliebenen entzündet. So leitet Allerheiligen zu Allerseelen über.

An diesem Feiertag geht es dann um die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen. Zurückführen lässt sich dies auf den Armseelenkult. Diese Tradition wurde durch die von einigen Kirchenvätern vertretene Meinung gestützt, die Seelen Verstorbener, die vor Gottes Gericht bestanden hätten, verweilten vor ihrer Aufnahme in den Himmel im reinigenden Fegefeuer. Die Lebenden könnten den Toten durch Armseelenspenden helfen. Dabei durften diese Weggaben vielfältig sein (zum Beispiel Messopfer, Gebete und Fasten). 

 

 

 

 Totengedenken im Herbst

Die Reformatoren taten sich mit beiden Ansätzen schwer. Mit der Heiligenverehrung im Speziellen, und mit dem Totenkult im Allgemeinen. So wurde weder Allerheiligen noch Allerseelen in den protestantischen Festtagskalender aufgenommen. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es aber auch in protestantischen Gebieten gegenläufige Bewegungen. Es entwickelte sich die Tradition des Totensonntags. Häufig werden im Gottesdienst die Namen aller Gemeindeglieder verlesen, die im Verlaufe des (Kirchen-)Jahrs gestorben sind.

 

 

 

 Ewig, wie Efeu, soll das Opfergedenken sein

Nicht nur kirchliche Feiertage rätselhaft

 

Auf dem Campus zieht sich die Verunsicherung nicht nur durch die kirchlichen "stillen Tage". Auch die Bedeutung des staatlichen Feiertags der Volkstrauer ist den meisten nicht ganz klar. So vermutet Lehramtstudentin Natalie (24), dass "es ganz still wird, weil die Leute den Opfern der Nationalsozialisten gedenken". In Religion sei sie sowieso ganz schwach und müsse mal was aufholen. Bors, 23-jähriger Sonderpädagoge, hält das gleich schlichtweg "alles für eh egal". Wohingegen John Sebastian auch hier grübelt, beim "Gedenken an die Nazis" aber keinen direkten Treffer landen kann. Inga schätzt "es hängt mit dem Krieg zusammen, als das Volk in Trauer war." Andrew (25/Informatik) rät: "War das nicht als die Mauer fiel - nee, im Ernst, keine Ahnung."

 

Den Volkstrauertag gab es schon vor dem Mauerfall und auch vor den Zeiten des Naziregimes. Anno 1919 schlug der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Volkstrauertag als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vor. Die erste Gedenkstunde fand dann 1922 im Reichstag statt. Den Volkstrauertag regelmäßig am fünfter Sonntag vor Ostern zu begehen wurde dann 1926 entschieden. Gegen den Wunsch des Volksbundes wurde der Volkstrauertag in der Weimarer Republik aber nie ein gesetzlicher Feiertag. Unter anderem scheiterte dies an der Termindiskussion. Denn beide Kirchen hatten bereits ihre Totengedenktage (Allerheiligen/Allerseelen und den Totensonntag wie oben erläutert) im November.

 

 

 

In den Herbst wurde der
Volkstrauertag verlegt

Wechselhafte Geschichte des Volkstrauertags

 

Zunächst ein Gedenktag geblieben, wurde der Volkstrauertag von den Nationalsozialisten übernommen und dann als staatlicher Feiertag verankert. Namenänderung inklusive: Ab 1934 gab es den Heldengedenktag. So stand nicht mehr das Totengedenken im Mittelpunkt, sondern eine Heldenidealisierung. Flaggen wurden nicht mehr wie bislang auf Halbmast sondern komplett gehisst. Der letzte Heldengedenktag wurde 1945 vollzogen.

Erst 1948 wurde die Tradition des Volkstrauertages wieder in der alten Form aufgenommen. Die erste zentrale Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge fand dann zwei Jahre später im Bonner Bundestag statt. In Abgrenzung zur Tradition des nationalsozialistischen Heldengedenktages wurde 1952 der Volkstrauertag an das Ende des Kirchenjahres - in den November - verlegt. 

 

Jedes Jahr spricht nun der Bundespräsident im Bundestag in Anwesenheit von BundeskanzlerIn, Kabinett und Diplomatischem Korps zum Opfergedenken. Angelehnt an die Form der zentralen Feier werden in allen Bundesländern und den meisten Städten und Gemeinden ebenfalls Gedenkfeiern mit Kranzniederlegungen durchgeführt. Häufig unterstützen hierbei Bundeswehreinheiten die oft an Denk- oder Mahnmälern vollzogene Zeremonie.

 

VON LARISSA BEU, LARS SCHALL

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