| Palliativstation - Hoffnung auf ein gutes Ende | ||||||||
(do1) Auf dem hellen Parkettfußboden sind die Schritte mit den Birkenstocksandalen kaum zu hören. Aus dem Wohnzimmer dringt leise der Klang eines Klaviers und auf dem Balkon sitzen die Frühaufsteher bei ihrer ersten Zigarette. Das Thema Fußball WM ist auch hier allgegenwärtig - an der Decke hängen die Fahnen der teilnehmenden Nationen und die Schwester läuft mit Deutschlandfahnen an der Hose durch den Flur. Schon wenn sich die Tür öffnet, auf der in großen Lettern "PALLIATIVSTATION" steht, fällt auf, dass hier irgendetwas anders ist.
Palliativmedizin - was ist das überhaupt? Manche sind vielleicht schon damit in Berührung gekommen, haben dann aber lieber nicht weiter gefragt. Der Tod ist immer noch ein Tabuthema, über das man nicht spricht, schon gar nicht öffentlich. Dadurch entstehen Missverständnisse und Fehleinschätzungen - mit denen auch die Palliativstation im St. Johannes Hospital kämpfen muss.
Palliativstationen sind keine Sterbestationen
Austherapierten Tumorpatienten oder anderen Patienten, die keine hohe Lebenserwartung mehr haben, bleibt oft keine Alternative, als sich ihrem Schicksal und der schmerzvollen Zeit bis zum Tod zu stellen. Im hektischen Krankenhausalltag fehlt es jedoch oft an Zeit, um auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten einzugehen und vielen Ärzten gelingt keine genaue Einstellung der Medikamente, um die Schmerzen zu lindern. Für all diese Bereiche ist die Palliativstation zuständig.
Wie lange die Patienten dann noch leben, ist unterschiedlich. Manche sterben noch ehe sie nach Hause können, andere leben noch mehrere Monate. Doch die Palliativstation ist keine Sterbestation, kein Hospiz. Im besten Fall gelingt es der Medizin und der Betreuung, die Patienten so vorzubereiten, dass sie nach Hause gehen können. „Hoffnung haben heißt nicht hoffen, dass etwas gut ausgeht, sondern hoffen, dass etwas gut ist bis es ausgeht“, sagt Sabine Schulte, Psychoonkologin auf der Station.
Das Besondere an der Station
In der Palliativstation im St. Johannes Hospital sind insgesamt sieben Patienten auf zwei Doppel- und drei Einzelzimmer verteilt. Während jeder Schicht arbeiten zwei Kräfte des Pflegepersonals, was bedeutet, dass jede Schwester, jeder Pfleger, rund zwei Patienten betreut und somit Zeit und Raum für die Patienten hat, der auf anderen Stationen gar nicht möglich wäre.
Die wohnliche Einrichtung der Station soll nicht nur den Patienten, sondern auch den Angehörigen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. Eine Couch in jedem Zimmer bietet den Familienmitgliedern eine Schlafmöglichkeit und auch im Wohnzimmer der Station ist immer genug Platz. Vom Pflegepersonal über die medizinische Betreuung bis hin zum Reinigungspersonal wird erwartet, dass sie den richtigen Umgang mit Patienten und Angehörigen gelernt haben, damit diese sich auf der Station wohl fühlen können.
Rundum Betreuung
Nicht nur die äußeren Umstände machen die Palliativstation zu etwas ganz Besonderem. "Das ist hier wie eine große Familie", schildert eine Patientin, der vor Rührung die Tränen in den Augen stehen. "Hier wird einem so richtig geholfen."
Neben dem Pflegepersonal und der Stationsärztin sind eine Seelsorgerin und eine Psychoonkologin im Einsatz, deren Aufgabe die seelische Betreuung ist. Sie haben ein offenes Ohr für alle Ängste und Sorgen der Patienten und ihrer Angehörigen. Auf Anfrage erleichtern Physiotherapie, Logopädie und andere Therapien den Alltag der Schwerkranken. Zudem gibt es viele Ehrenamtliche, die den Patienten auf unterschiedliche Weise helfen.
Luxus Palliativmedizin?
Gerade in Zeiten leerer Kassen in den Krankenhäusern und höhere Beiträge bei den Krankenkassen kann eine Form der Medizin, die nicht auf Heilung setzt, schnell in die Kritik und ins Visier des Rotstifts geraten. In Deutschland gibt es rund 2160 Krankenhäuser und etwa 114 Palliativstationen. In NRW sind es 24 solcher Stationen und in Dortmund gibt es nur eine mit insgesamt sieben Betten. Ein Zustand, der die Landesregierung auf den Plan gerufen hat. Die hat zusammen mit den wichtigsten Institutionen und Verbänden des Gesundheitswesens ein Palliativkonzept entworfen, in dem künftig eine flächendeckende Versorgung von Schwerstkranken in Krankenhäuser und zu Hause möglich gemacht werden soll.
FOTOS/VIDEOS: Leonie Schulte | ||||||||
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