Sobald die Fußballsaison beendet ist, also wenn alle Mannschaften damit beschäftigt sind, die im Laufe des Jahres gewonnenen Millionen auszugeben, um sich für die kommende Saison zu verstärken, ist der Moment für eine Bilanz gekommen – in diesem Fall vom spanischen Fußball.
Im Großen und Ganzen fällt das Resultat wie in den vergangenen Jahren aus. Es schmeckt bittersüß, vor allem nach dem Auftreten der spanischen Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland. Denn es gab zunächst zwei Siege von spanischen Mannschaften in den zwei wichtigsten Turnieren Europas. Der FC Barcelona gewann die Champions League, den wichtigsten Titel für europäische Fußballvereine, nach dem Sieg über die englische Mannschaft Arsenal. Und das nach einer ausgezeichneten Saison, in der der FC Barcelona die spanische Liga im zweiten Jahr nacheinander gewonnen hatte. Eine andere spanische Mannschaft, der andalusische Sevilla FC, gewann den UEFA Cup im Finale gegen eine ebenfalls englische Mannschaft, Middlesborough. Dieser Doppelerfolg ist beispiellos in der Welt der europäischen Fußballvereine. Er deutete auf eine sehr interessante WM der spanischen Nationalmannschaft hin. Trotzdem ist das nicht so gewesen, und die Spanier haben im Achtelfinale gegen eine sehr alte französische Mannschaft verloren. Die später die Überraschung des Turniers wurde, weil sie gegen Brasilien gewann und ins Finale einzog.
So wird in Spanien immer wieder die Debatte geführt, warum die Nationalmannschaft unfähig ist, genau so wie in den Vereinen zu arbeiten.
Die Fußballvereine
Gründe für diese unterschiedlichen Resultate gibt es viele. Die spanischen Mannschaften, die immer gute Ergebnisse erzielen, wie Real Madrid, FC Barcelona oder Valencia FC, sind große Organisationen, deren Geschäftsführer auch in großen Firmen anderer Sektoren tätig sind, etwa in der Bau- oder Finanzbranche. Diese Mannschaften haben millionenschwere Werbeverträge mit Konzernen unterschrieben, von Sportartikelherstellern bis zu Kinoproduzenten. Zusätzlich haben die wichtigsten Vereine der Liga seit dem Auftauchen des Bezahlfernsehens (Pay per view) große Verträge unterschrieben, die enorme Mengen Geld bringen, auf das sie vorher nicht zählen konnten. So können die Mannschaften überraschend viel Geld zahlen, um große Stars des internationalen Fußballs zu kaufen - Spieler, die zusätzlich zur Qualität auf dem Platz noch viel Image einbringen.
Zu dieser Situation kommt das Bosman-Gesetz hinzu, nachdem Spieler aus der EU nicht als Ausländer gelten – und die erstaunliche Leichtigkeit, mit der Spieler aus dem Rest der Welt die Nationalität eines EU-Staates erlangen. So kommt es, dass die "spanischen" Mannschaften selten mehr als vier oder fünf angestammte spanische Spieler in ihrer A-Mannschaft haben. So, mit dem Scheckheft, können die Vereine große, konkurrenzfähige Aufstellungen erreichen, aber kaum den Fußball des eigenen Landes darstellen. Für die meisten Vereine ist es viel einfacher, fremde Spieler mit hohem Niveau zu kaufen, als auf Spieler zu setzen, die aus der B-Mannschaft oder von anderen spanischen Vereinen kommen.
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Die spanischen Vereine siegen, doch bei der Nationalmannschaft ist die Luft raus. |
Die Nationalmannschaft
Aus dieser Situation leiten sich psychologische Probleme ab. Die spanischen Spieler sind normalerweise nicht die Stars ihres jeweiligen Teams. Normalerweise besetzen sie Sekundärpositionen, sind bloße Assistenten der großen Medienstars. Wenn dann der Nationaltrainer seine Männer suchen muss, findet er zwar große Spieler, aber sie sind es nicht gewöhnt, die Last der Verantwortung zu tragen Und sie unterliegen dem Druck, eine gewinnende Fußballmannschaft zu führen. Deshalb spielt die spanische Nationalmannschaft immer gut gegen kleinere Rivalen und klassifiziert sich ohne Probleme für alle wichtigen Turniere wie die WM oder die EM. Aber sie verlieren, wenn sie gegen starke Mannschaften antreten müssen. Tatsächlich hat es Spanien nie ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft geschafft, was man in Spanien das "Viertelfinal-Syndrom" nennt. Außerdem, obwohl das wohl weniger Bedeutung hat, ist Spanien nie ein Ausfuhrland für Spieler gewesen. Man sagt, der Mangel an Erfahrung in anderen Ligen, etwa der englischen oder der italienischen, fehlt der Mannschaft. Dennoch: In diesem Jahr kamen einige der wichtigsten Spieler von großen ausländischen Mannschaften wie Chelsea, Liverpool oder Arsenal.
Der bittere Schluss
Auf diese Weise kommen wir wieder zum Thema Mentalität zurück, zum Mangel an Gewinner-Mentalität. Spanien wird nie eine Welt- oder Europameisterschaft gewinnen. So lange, bis sich diese Situation ändert.
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