Willi Droste ist ein bescheidener Mensch. Er sei nur Platzwart, sagt er, kein Greenkeeper. Dazu fehle ihm die Spezialausbildung: "Das ist wie ein Arzt, der keinen Doktor gemacht hat." Ein Spezialist ist er dennoch, und er kümmert sich zur Zeit nur um einen einzigen Patienten: den Fußballrasen im Dortmunder WM-Stadion.
Der hat gerade eine komplette Transplantation hinter sich. Als Rollrasen wird er seit Dienstagnachmittag mit großen LKW aus dem holländischen Heythuysen nach Dortmund gebracht und sofort verlegt. Es muss schnell gehen, denn der Patient ist empfindlich. Auf dem Transport haben ihn winddichte Planen vor Zugluft geschützt, in Dortmund angekommen gibt es die erste Erfrischung mit dem Rasensprenger. "Der braucht jetzt Ruhe und Pflege", sagt Droste, "wie nach einer Operation."
"Bei so was könnte ich verrückt werden"
Willi Droste mag diese Vergleiche, und er hegt auch Gefühle für das Lebewesen Fußballrasen. "Das hat weh getan", sagt er, wenn er von der Abschiedsfeier Julio Cesars erzählt, bei der die brasilianischen Samba-Tänzerinnen ihre hohen Absätze immer auf derselben Stelle in den Rasen bohrten: "Bei so was könnte ich verrückt werden."
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Verlegt wie ein Teppich: Rollrasen für die WM |
Zur WM drohen zwar keine Tänzerinnen, aber anderes Ungemach. Zwölf Trainingseinheiten muss der WM-Rasen zusätzlich zu den Spielen über sich ergehen lassen. "Nach anderthalb Stunden Torwarttraining und Antrittübungen ist der Rasen ruiniert", fürchtet der Platzwart. "Und wenn das Spiel schon am nächsten Tag stattfindet, kann kein neuer Rasen festwachsen."
Einsatz für das Rasen-Kompetenzteam
Immerhin wird Willi Droste seinen Kopf dann nicht alleine hinhalten müssen. Denn das Organisationskomitee der WM schickt sein eigenes Rasen-Kompetenzteam in die Stadien. Engelbert Lehmacher ist einer von zwei Landschaftsarchitekten, die beaufsichtigen, dass optimale Bedingungen auf den Spielfeldern herrschen. Mit kritischem Blick schreitet er die 1,20 Meter breiten und zwölf Meter langen Rollrasen-Bahnen ab und beanstandet jeden Abschnitt, der nicht gleichmäßig gewachsen ist, lässt ihn herausschneiden und ersetzen. Rund 8.000 Quadratmeter gilt es so zu kontrollieren.
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Eine erste Erfrischung für den grünen Patienten. |
Damit der Rasen unter den Stollenschuhen der Spieler nicht gleich in Stücke reißt, wurde er mit einer genau bemessenen Saatmischung gezüchtet: Drei Viertel der Samen besteht aus Wiesenrispe, die ein festes Geflecht bildet, ein weiteres Viertel aus robustem Weidelgras. Beim Rollrasen der holländischen Spezialfirma Hendriks, der in den nördlichen WM-Stadien verlegt wird, ist zusätzlich noch ein Kunststoffnetz zur Verstärkung eingearbeitet.
Bis zur WM wird Willi Droste den Rasen sorgsam aufbürsten und absaugen. Denn wenn nichts schief geht, wird das Gras bis dahin noch kräftig wachsen. "Das ist jetzt so voll mit Nährstoffen", sagt der Platzwart, "man kann fast sagen, das ist gedopt."
FOTOS: privat