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Mehr Größe wider Willen

Noch gibt es kein Logo: ein Vorschlag für den Übergang.

NRW hat ein neues internationales Filmfestival. Im Oktober dieses Jahres geht das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund Köln an den Start. Doch so neu ist dieses Festival eigentlich gar nicht.

 

 

Schon seit zwanzig Jahren gibt es die Frauenfilmfestivals Feminale in Köln und femme totale in Dortmund. Nun wurden diese Festivals zu einem fusioniert. Zwar gegen den Willen der Macherinnen, doch trotzdem mit guten Ergebnissen.

 

Fusion aus finanziellen Gründen

 

Aus zwei mach eins, so das Patentrezept sparfreudiger Politiker in NRW. Noch unter der rot-grünen Regierung wurde die Fusion der Feminale und der femme totale beschlossen und vorangetrieben. Des Geldes wegen sollten die beiden einzigen internationalen Frauenfilmfestivals in Deutschland fusioniert werden. Diese Fusion, die auch von der neuen CDU Regierung weiter geführt wurde, ist nun abgeschlossen. Bei der Eröffnung der 52. Kurzfilmtage in Oberhausen gab Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff den Zusammenschluss bekannt.

 

So richtig gespart wurde bis jetzt allerdings nicht. Im Gegenteil, die Fusion kostete bisher mehr Geld. Schließlich war vor allem das Budget der Feminale in Köln seit 2000 so drastisch gekürzt worden, dass "viele ehrenamtlich bis zur Erschöpfung gearbeitet haben", erzählt Beate Preisler, die künstlerische Leiterin in Köln. Für sie war klar: "So können wir einfach nicht weiter machen." Nun hat das Festival ein jährliches Budget von rund 460.000 Euro und ist erstmal für die nächsten Jahre gesichert.

 

Neuer Name, neues Glück

 

 

Silke Räbiger freut sich auf
die Zusammarbeit mit Köln. 

Internationales Frauenfilmfestival Dortmund Köln oder kurz IFFF – so der Titel des neugeborenen Festivals. Die klangvollen Namen Feminale und femme totale sind Vergangenheit. Preisler trauert der Feminale hinterher, aber für einen Neustart war auch ein neuer Name unabdingbar. Auch Silke Räbiger, künstlerische Leiterin in Dortmund, ist die Umbenennung schwer gefallen. Trotzdem hat sie sich mit dem neuen Namen angefreundet: "Beide Namen hatten Vorteile, waren aber nicht eindeutig", so Räbiger. Das Internationale Frauenfilmfestival hingegen sei eher eine Bezeichnung, was passiert. Und das ist einiges.

 

Das IFFF zeigt hochkarätige Filme von, mit und für Frauen. Dabei geht es vor allem um die Förderung von Regisseurinnen und Kamerafrauen, die in der Filmbranche immer noch unterrepräsentiert sind. "Das Festival soll den jungen Regisseurinnen die Möglichkeit geben, sich zu treffen, sich untereinander auszutauschen", so Räbiger. Auch Preisler ist sich sicher: "Diese Filme sind einfach eine Entdeckungsreise wert."

 

Zögernd zum gemeinsamen Konzept

 

Sowohl Preisler als auch Räbiger berichten von Anlaufschwierigkeiten. Doch Räbiger sieht die Fusion mittlerweile auch als Chance, die Kräfte zu bündeln und das Konzept zu überarbeiten. Das Internationale Frauenfilmfstival soll nicht zwei Festivals in zwei Städten unter einem Namen vereinen, sondern ein Festival unter einem Namen sein und trotzdem in zwei Städten stattfinden.

 

Silke Räbiger schaut optimistisch in die Zukunft (25s/609Kb)

 

Besonderheiten bleiben sowohl in Köln als auch in Dortmund erhalten. Im Oktober dieses Jahres fällt in Köln der Startschuss. Dann geht es unter anderem um Filme von iranischen Regisseurinnen, außerdem wird der Debütfilmpreis verliehen. Wie der Name schon sagt, wird dieser Preis für das beste Erstlingswerk vergeben. Eine besondere Rolle spielt, für Köln typisch, die Sektion Querblick mit aktuellen Filmen aus der Lesben- und Transgenderszene.

 

Beate Preisler über die Besonderheiten in Köln (42s/999Kb)

 

In Dortmund findet das Filmfestival immer unter einem bestimmten Thema statt. In 2007 ist das das Thema Musik. Interessant für Filmemacherinnen sind hier außerdem die Preise für Regie eines Spielfilms und der Nachwuchskamerapreis. Auch für den Nachwuchs soll das Festival etwas tun und Jugendliche, vor allem Mädchen, für das Filme machen begeistern. Deshalb gibt es Workshops und Programme für Schulklassen.

 

Silke Räbiger freut sich über das Konzept in Dortmund (39s/932Kb)

 

Es steht noch viel Arbeit bevor

 

 

Beate Preisler ist gespannt auf das erste
IFFF im Oktober.

Trotz der Vorfreude auf die neuen Festivals: Zunächst steht den Organisatorinnen in Dortmund und Köln viel Arbeit bevor. Im Moment müssen sie schließlich zwei Festivals parallel vorbereiten, wo sie sich sonst nur um eines sorgen mussten. Auf diese Weise soll in Zukunft dann auch Geld gespart werden. Anstatt immer wieder Kräfte anzuheuern, soll kontinuierlich durchgearbeitet werden. So fallen die Einarbeitungszeit und wahrscheinlich auch einige Arbeitsplätze weg. Volle Stellen gibt es ohnehin nur drei. Neben Silke Räbiger und Beate Preisler ist nur noch Geschäftsführerin Anne Schallenberg fest angestellt.

 

Nicht nur für Frauen wichtig

 

Obwohl die Fusion für Silke Räbiger mittlerweile durchaus positiv ist, ärgert sie sich, dass ausgerechnet zwei Frauenfilmfestivals fusionieren mussten, während andere nicht dazu aufgefordert wurden. "In gewisser Weise ist das nicht untypisch", so Räbiger. "Die Belange der Frauen standen in den letzten Jahren einfach nicht mehr so im Mittelpunkt, weil alle dachten, alles ist erreicht für Frauen. Aber ich glaube, da ist nach wie vor noch eine Menge zu tun." Und dazu will das IFFF seinen Beitrag leisten.

 

Offen ist das Frauenfilmfestival übrigens nicht nur für Frauen. Beate Preisler erzählt, dass sie jedes Mal gefragt werde, ob denn auch Männer kommen dürften. Ihre Antwort: "Natürlich!"

 

FOTOS: femme totale / Feminale

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VON SARAH KUMPF

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