| Chips und Bier rollen durch die Nacht | ||||||
20.30 Uhr im Studentenwohnheim Meitnerweg. Eigentlich wollten sich Norbert, Christoph und Dennis nur vor den Fernseher hauen und Fußball gucken. „Zweitligatheorien“ nennen die drei das. Aber diesmal sind noch ein paar Leute mehr gekommen. Aus der Drei-Mann-Runde ist eine kleine Party geworden. Unerwartet. Und unvorbereitet – vor allem, was die Verpflegung angeht: Die letzten vollen Flaschen aus dem Pilskasten reichen nicht für alle, die angebrochene Chipstüte erst recht nicht. Was also tun? Das Dortmunder Trinkhallen-Netz hat ausgerechnet rund um das Studentenwohnheim eine deutliche Lücke und die nächste Tankstelle ist auch weit.
Für solche Probleme gibt es in Dortmund ab sofort eine Lösung: das Night-Tax. „Nachtlieferservice“ nennt sich der Dienst, der im Prinzip ein Kiosk auf Rädern ist. Wie beim Pizzataxi bestellen Sie per Telefon und ein bis zwei Stunden später kommen Chips und Bier ins Haus. Das Angebot reicht dabei von den üblichen Kioskartikeln Zigaretten, Spirituosen und Knabberzeugs bis hin zu Tütensuppen und CD-Rohlingen. Die Preise sind zwar ein bisschen höher als im Supermarkt, bewegen sich aber auf Kiosk- oder Tankstellenniveau. Für Partys hat Chefin Marisa Lutter auch komplette Pakete geschnürt: Tequila gibt es beispielsweise samt Zitrone und Salz, auch für Cocktails gibt es die Zutaten passend. Jetzt in der Adventszeit liefert das Night-Tax sogar Mehl und Schlagsahne – für spontane Plätzchenbäcker. Wichtig ist Lutter vor allem, dass die Kunden ihre Autos stehen lassen. Auf der Firmenhomepage wirbt sie für „Don’t drink, when you drive“. Außerdem gibt es da Ausgehtipps und einen Veranstaltungskalender.
Hauptzielgruppe Studierende
Hauptsächlich soll das Kiosk-Taxi Studierende ansprechen. „Die sind im Moment allerdings noch ein bisschen zurückhaltend“, sagt die 25-jährige Night-Tax-Erfinderin. „Insgesamt haben wir aber schon viele Aufträge.“ Seit knapp zwei Wochen rollen die weißen Kastenwagen der Firma jetzt durch die Dortmunder Nacht. Immer von 21 bis 1.30 Uhr, am Wochenende bis 4.30 Uhr. Ein Service, der hier völlig neu ist, in Berlin und München aber schon erfolgreich läuft. Die Idee kam Marisa Lutter selbst auf einer Party. „Die Getränke gingen aus und keiner konnte mehr fahren.“ Das Night-Tax war geboren. Im Moment bedeutet das für die Erfinderin vor allem viel Arbeit. Manchmal hat sie einen 17-Stunden-Tag, generell die Sieben-Tage-Woche. „Ich sehe das so: Ich arbeite tagsüber und wenn andere in der Disco sind, arbeite ich einfach weiter.“ Selbst Heiligabend und Silvester kommt sie nicht zur Ruhe – an beiden Tagen liefert das Night-Tax.
In der Marktlücke zum Erfolg
Jetzt hofft Lutter, die sich nach ihrem Fernstudium schon immer selbstständig machen wollte, auf den Erfolg in der Marktlücke. Expansion nicht ausgeschlossen: Nach und nach könnten in Dortmund mehrere Lager entstehen, um die Lieferungen zu beschleunigen. Wenn es überdurchschnittlich gut laufe, sei auch ein bundesweiter Service nicht ausgeschlossen. Lutter denkt auch über Kooperationen mit Restaurants nach, um warmes Essen an die Haustür bringen zu können. In Ausnahmefällen gibt es den Service schon jetzt: „Wir haben auch mal was von McDonalds mitgebracht, als jemand danach gefragt hat.“
Fotos: Daniel Hambüchen | ||||||
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VON DANIEL HAMBÜCHEN |
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