| Die üblichen Verdächtigen? | ||||||||||
Hügel auf den Uni-Wiesen. Überall Hügel. Irgendjemand scheint unter der Erde eifrig zu buddeln. Wer da am Werk ist, ist schnell beantwortet - mag man meinen. Maulwürfe. Die üblichen Verdächtigen in Sachen Erdhaufen. Doch das ist möglicherweise nicht des Rätsels einzige Lösung.
Wendet man sich beispielsweise mit der Frage, mit was für Untertagewesen man es an der Uni denn zu tun habe, an Birgit Königs, Biologin und Pressesprecherin des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in NRW, so bekommt man zunächst eine Gegenfrage gestellt: "Wie sehen die Hügel denn aus?" Hm. Wie Erdhügel eben aussehen, stammelt man dann und Birgit Königs sagt: "Das könnten Maulwürfe sein, aber auch Wühlmäuse." Ach so.
Maulwurf oder Wühlmaus?
Höchste Zeit jemanden zu Rate zu ziehen, der sich mit den Wiesen der Uni Dortmund auskennt. Friedrich Wilhelm Schmidt zum Beispiel, Gärtnermeister und Leiter der Bau- und Gartengruppe der Uni. Und richtig, der 55-Jährige kann über diese Frage nur milde lächeln. "Ich bin im nächsten Jahr 30 Jahre hier", sagt er und dass die Erdhaufen zweifelsfrei von Maulwürfen seien. "Wühlmäuse sind das nicht, die hinterlassen eher Gänge als Hügel."
Womit fest zu stehen scheint, mit wem sich die Dortmunder Studenten das Uni-Gelände teilen müssen und wir uns zudem bereits mitten in der nüchternen Geschichte befinden. Wer sich nun gar nicht für Maulwürfe interessiert, der kann direkt zur bedenklichen Geschichte wechseln, die eine "andere" Sicht darauf bietet, wer für die Hügel auf den Uni-Wiesen verantwortlich ist und welchem Zweck sie dienen. Einfach bis zum Ende des Artikels scrollen und auf den Link klicken. Aber STOPP, nicht so schnell. Weiterlesen lohnt sich, das Maulwurfsleben an der Uni ist höchst interessant und die Gänsehaut läuft ja nicht weg...
Was den Dortmunder Studenten zu Maulwürfen einfällt ... (74s/579kB)
Es könnten Hunderte sein
Zurück zu den Maulwürfen. Zurück zu Gärtnermeister Schmidt, der gemeinsam mit drei Kollegen für rund 102.000 Quadratmeter Rasenfläche auf dem Campus zuständig ist. Legt man zugrunde, dass jeder Maulwurf ein Gang-System von etwa 200 Metern Länge sein Revier nennt, kommt man zu dem Schluss, dass im Untergrund der Uni Hunderte Maulwürfe hausen könnten. Damit konfrontiert lacht Friedrich Wilhelm Schmidt. "Die sind ja nicht überall, aber in den letzten fünf bis zehn Jahren ist das schon extrem geworden." Warum weiß er nicht genau, irgendwann sei wohl mal einer von "denen" zufällig vorbei gekommen und geblieben. "Und die vermehren sich." Offensichtlich.
Töten verboten – vergrämen erlaubt
"Wir haben sogar welche, die das Pflaster angehoben haben - am Brunnen am Martin-Schmeißer-Platz hat uns einer jahrelang geärgert", sagt Friedrich Wilhelm Schmidt mit empört-amüsiertem Unterton. Ganz schön dreist die Untertagetiere, doch das weiche, dunkle Fell über die Ohren ziehen, dürfen der Gärtnermeister und seine Kollegen ihnen nicht. "Maulwürfe gehören zwar in Nordrhein-Westfalen nicht zu den gefährdeten Arten laut Roter Liste, sie sind aber gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenverordnung eine besonders geschützte Art", erklärt NABU-Pressesprecherin Birgit Königs. "Das bedeutet, man darf sie weder verfolgen, noch töten." Wenn es gar nicht anders gehe, sei es jedoch erlaubt sie zu "vergrämen". Deshalb dürfen die Uni-Gärtner auf dem Sportplatz auch "Duftsteine" eingraben, um ihn von Hügeln zu befreien. "Früher hat man dafür Toilettensteine genommen, das mögen die nicht", sagt Gärtnermeister Schmidt grinsend. "Aber wirklich los wird man die so nicht und von selbst gehen die schon gar nicht."
"Die meisten sind da, wo auch die Studenten sind"
Warum auch, wenn sie sich im Uni-Untergrund wohlfühlen und das tun sie offenbar. "Die meisten sind da, wo auch die Studenten sind, am Martin-Schmeißer-Platz, vor dem Sonnendeck und so weiter", sagt Friedrich Wilhelm Schmidt. "Das liegt aber nicht an den Studenten - da ist viel angefüllter Boden, das mögen die." Der Boden der Uni Dortmund scheine generell in gutem Zustand zu sein, meint Birgit Königs. "Bestimmt gibt es viele Regenwürmer, die sind die absolute Lieblingsspeise der Maulwürfe."
Super Boden. Viele Würmer. 1a-Maulwurf-Biotop die Uni-Wiesen. "Schön", sagt die Biologin fröhlich, "aus Naturschutzsicht sollten die Uni-Gärtner sich freuen, denn die Maulwürfe durchlüften mit ihren Gängen den Boden und vertilgen Unmengen von Schädlingen". So richtig glücklich sieht Gärtnermeister Schmidt nicht aus, wenn er über "die" spricht. "Hier habe ich mich mit denen abgefunden, aber Zuhause würde ich die nicht im Garten haben wollen."
Maulwurf und Gärtner Auge in Auge
Die Studenten dürften sich bereits daran gewöhnt haben, um-die-Hügel-herum zu liegen. Kommen sie mal früh zur Uni, oder bleiben lange, könnten sie dafür belohnt werden - mit einem Besuch der kleinen Wiesen-WG-Mitbewohner. "In der Dämmerung kann man mit etwas Glück beobachten, wie die Maulwürfe ihre Hügel ausheben", sagt Birgit Königs.
Friedrich Wilhelm Schmidt hatte das Vergnügen bereits. Mehrfach. "Früher, während der Lehre, mussten wir die fangen", erzählt er, "wir mussten mit Spaten auf der Lauer liegen und warten bis die schmeißen und dann musste man schnell sein, den richtigen Moment abpassen und immer gegen den Wind stehen - das sind flotte, empfindliche Viecher". Waren die "Viecher" mal nicht flott genug, wurden sie mit dem Spaten "kaputtgemacht". Heutzutage muss der Gärtnermeister "die" dulden. Er nimmts locker. Und ein klein wenig froh darüber ist er vielleicht doch. "An für sich sind die schön", sagt er zum Abschied, "das Fell ist wie Samt".
Hier geht's zur bedenklichen Geschichte...
FOTOS: Viktoria Simshäuser | ||||||||||
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