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Höflichkeitsbesuch bei den Bayern

BvB-Hoffnungsträger: Dr. Reinhard Rauball

Am 14. November 2004 hat Dr. Reinhard Rauball (58) das Ruder beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund übernommen - bereits zum dritten Mal nach 1979 und 1984. Rauball löste den langjährigen Präsidenten Dr. Gerd Niebaum ab. Seine Aufgabe: Die Borussia aus der sportlichen und finanziellen Krise führen.

Kurz vor dem Rückrundenstart hat donews mit dem neuen Präsidenten gesprochen:

 

donews: Herr Dr. Rauball, Samstag beginnt die Rückrunde. Mit welchem Gefühl fahren Sie nach Wolfsburg?

 

Mit dem Gefühl, dass die Mannschaft in der Vorbereitung sehr engagiert trainiert hat, sich unter idealen Bedingungen in der Türkei vorbereiten konnte und das die Mannschaft auch den Willen hat in der Bundesliga-Rückrunde zu bestehen. Die Vorbereitungsspiele waren durchwachsen. Wir haben aber gegen Galatasaray Istanbul, Spartak Moskau und gegen De Graafschap unentschieden gespielt in 90 Minuten und gegen eine Landesliga-Auswahl gewonnen, so dass ich glaube, dass die Mannschaft auf dem richtigen Weg ist.

 

donews: Entschuldigungen gibt es also keine mehr in der Rückrunde…

 

Entschuldigungen hat es noch nie gegeben! Die Mannschaft muss sich auf ihren Job konzentrieren, wird das auch tun und Entschuldigungen würden wir auch nicht gelten lassen.

 

donews: Sie haben die Mannschaft nach dem Ausfall von Ewerthon kurzfristig verstärkt. Ebi Smolarek (24) kommt zumindest bis Saisonende von Feyenoord Rotterdam. Kann er der Mannschaft sofort helfen?

 

Er ist ein guter Spieler, der uns von unserem Trainer empfohlen worden ist, weil er ihn kennt und mit ihm bei Feyenoord Rotterdam gearbeitet hat. Er hat drei A-Länderspiele für Polen bestritten, spricht außerordentlich gut deutsch und kann der Mannschaft helfen, weil der Trainer ja erklärt hat, dass er ein 4-3-3-System spielt. Dieser Typ Außenstürmer ist bei den meisten Vereinen so schon gar nicht mehr da, da diese Position im 4-4-2-System nicht so gefragt ist.

 

donews: Wird Ebi schon am Samstag gegen Wolfsburg spielen?

 

Das überlasse ich dem Trainer, aber da er erst morgen in das Training einsteigt ist es eher unwahrscheinlich, dass er anfängt.

 

 

Ebi Smolarek (r.) soll die BvB-Fans glücklich machen (Foto: Bongarts)

donews: Themenwechsel. In dieser für den BvB finanziell schwierigen Situation hat Rekordmeister Bayern München Hilfe in Aussicht gestellt und Sie haben sich mit den Bayern-Bossen getroffen. Wie könnte diese Hilfe aussehen?

 

Die Bayern haben das anonciert. Das ist etwas, was wir als angenehm zur Kenntnis genommen haben. Diese Form ist uns sehr viel lieber, als das was andere Vereine im Moment machen. Es hat aber bisher lediglich ein Orientierungsgespräch gegeben. Mehr als dieses 25-Minuten-Gespräch hat es nicht gegeben.

 

 

donews: Gibt es schon Ergebnisse?

 

Aus solch` einem Gespräch gibt man nichts bekannt. Es hat keine Beschlüsse gegeben und es wurde auch zu keinem Zeitpunkt wegen finanzieller Hilfe angefragt. Es war eine reine Orientierung. Es war ein Höflichkeitsbesuch.

 

donews: Sie sind jetzt über zwei Monate offiziell im Amt. Macht Ihnen der Job noch Spaß?

 

Ich habe diese Funktion übernommen, weil ich um Hilfe gebeten worden bin und diese Hilfe bin ich bereit zu geben, soweit es in meiner Macht steht. Es ist eine schwierige Aufgabe, die nicht nach Spaß oder nicht Spaß einzuteilen ist, sondern die nach dem Schwierigkeitsgrad zu beurteilen ist und ob man bereit ist diese Verantwortung zu übernehmen. Das bin ich.

 

donews: Wie fällt ihre Zwischenbilanz aus?

 

Dazu ist es zu früh.

 

donews: Ihre ersten beiden Amtszeiten als BvB-Präsident sind nach etwas über drei, beziehungsweise knapp zwei Jahren zuende gegangen. Wie lange wollen sie diesmal Präsident bleiben?

 

Ich habe gerade angefangen und mir über das Ende wirklich noch keine Gedanken gemacht. Die Amtszeiten damals hingen damit zusammen, dass ich immer noch ein relativ junger Mann war mit 32 Jahren (Anm. der Red.: jüngster Bundesliga-Präsident aller Zeiten) und mir parallel dazu eine berufliche Existenz aufbauen musste. Da muss man irgendwann Prioritäten setzen und sich fragen, wie lange man so etwas machen kann und was man ansonsten noch vom Leben erwarten kann. Deswegen habe ich diese Entscheidung damals so getroffen.

 

donews: Welche Ziele haben Sie heute mit dem BvB?

 

Wir müssen sehen, dass wir unser Kerngeschäft, den Fußball, wieder eindeutig in den Fokus stellen und das wir die Aufgaben erfüllen, die uns im sportlichen Bereich gestellt werden. Ansonsten ist es wichtig, dass der BvB insgesamt wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommt.

 

donews: Den Anfang könnte die Mannschaft am Samstag in Wolfsburg machen – was ist Ihr Tipp?

 

Ich bin jemand, der grundsätzlich jedes Spiel gewinnen will und das sage ich bei allem Respekt vor dem Gegner, der eine blendende Vorrunde gespielt hat…

 

donews: Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Fotos: Hebing; Bongarts (genehmigt)

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VON DAVID HEBING

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