Start

Stadt

Campus

Kultur

Sport

WM 2006

Service



 

Dortmunder Nachtgeschichten

Ein gutes Team in der Notaufnahme.

(InDOpendent) Wenn sich andere Menschen in den Feierabend verabschieden, fängt für Dirk Pfeil die Arbeit gerade erst an. Auch wir sind aufgeblieben und haben den Pfleger eine Nacht lang begleitet.

 

Notaufnahme Klinikum Nord, 21.20 Uhr

 

Nur wenige Menschen sitzen im Warteraum der Notaufnahme, als sich der Minutenzeiger der großen Wanduhr mit einem lauten Klacken ein kleines Stück weiter bewegt. Hinter einer Glastür, ein paar Meter weiter den Flur hinunter, tauscht die Spätschicht ihre blauen Kittel gegen warme Anoraks. "Eine ruhige Nacht", wünschen sie und klopfen Dirk Pfeil auf die Schulter. Der junge Mann im blauen Hemd, dessen Augen hinter der eckigen Brille schon jetzt ziemlich klein wirken, hat heute Nachtschicht. Er ist vom Pflegepersonal und das bedeutet: Aufbleiben, bis der Hahn kräht und der Morgen dämmert. Patienten aufnehmen, Wunden versorgen, Ärzte wecken: Denn während die sich zwischendurch mal aufs Ohr legen können, muss Dirk wach bleiben. "Es gibt Nächte, da merkst du das kaum, soviel ist zu tun", sagt Dirk. Schlimmer ist es, wenn nichts los ist. "Dann ziehen sich die Stunden wie Kaugummi."

 

Eine letzte Zigarette mit den Jungs von der Spätschicht, draußen, in der Halle, vor der die Krankenwagen in manchen Nächten Schlange stehen. Aus dem ganzen Sauerland bringen sie die Verletzten und Betrunkenen, und dann schafft es der Pfleger noch nicht einmal, ein Glas Wasser zu trinken oder zur Toilette zu gehen.

 

 

 

 Dirk Pfeil bereitet das Behandlungs-
 zimmer vor.

Notaufnahme Klinikum Nord, 23.10 Uhr

 

Das Tor der Krankenwagen-Garage öffnet sich mit einem rasselnden Geräusch. Ein Krankenwagen fährt in die Halle, dann noch einer. Die Türen öffnen sich, ein alter Mann stolpert aus dem Wagen. Ein Sanitäter fängt ihn auf, hievt ihn in einen Rollstuhl. "`n Abend Doktor", sagt der Mann zu Dirk Pfeil, ein Taschentuch klebt an seinem Hinterkopf. Am Bahnhof haben sie ihn gefunden, die Sanitäter. Einer von ihnen trägt zwei Plastiktüten hinter dem Obdachlosen her. "Na, warst du einkaufen?", witzeln die Kollegen und schauen in die Tüte. Lebkuchen, Dominosteine, ein Schoko-Nikolaus.

 

Das Taschentuch am Hinterkopf des alten Mannes ist gegen ein Pflaster eingetauscht worden, jetzt sitzt er im Flur der Notaufnahme und nagt zufrieden an einem Schokoweihnachtsmann. "Schmeckt’s?" fragt Dirk und sagt dann: "Das Taxi kommt gleich." Das Taxi, das sind die Sanitäter, die den Mann zu seinem Schlafplatz bringen werden. "Hier begegnest du täglich dem echten, harten Leben", sagt Dirk und erzählt von Verkehrstoten und Vergewaltigungsopfern, von Betrunkenen und Verwahrlosten und solchen, die nachts auf dem Weg zum Bad einfach unglücklich gefallen sind und deshalb hier her kommen. "Viel los ist vor allem am Wochenende, wenn die Leute feiern gehen", sagt er. Oder dann, wenn die Arbeitslosenhilfe gezahlt wurde.

 

Notaufnahme Klinikum Nord, 4.00 Uhr

 

"Eine Tasse Kaffee nur 30 Cent" heißt es auf einem Schild über dem Kaffeeautomaten, auf dem Tisch verteilt liegen eine Menge leerer und halbleerer Tassen. Dirk Pfeil greift zum Telefon. Die Frühschicht muss geweckt werden, das machen sie häufig um diese Zeit. "Es gibt einfach Leute, die stellen sich fünf Wecker und schlafen trotzdem weiter", sagt Dirk Pfeil. Und wenn man sich um 6.20 Uhr auf sein Bett freut, dann will man nicht noch eine halbe Stunde länger darauf warten müssen.

 

FOTOS: Maike Jansen

 Mehr zum Thema 

  Klinikum Dortmund  


VON MAIKE JANSEN

« Zurück


 
   

  Start    Stadt    Campus    Kultur    Sport    WM 2006    Service  

Copyright © 2000 - 2006 donews.de