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Verletzte Ehre + Eifersucht = Mordmotiv?

Der Tatort eines schrecklichen Verbrechens

Es ist kurz vor 12. In etwa 20 Minuten wird ganz Deutschland auf das neue Jahr anstoßen, tanzen und feiern. Ein Pärchen aus Iserlohn-Letmathe verlässt die Silvesterparty. Die 32-jährige Katja und ihr 23-jähriger Freund Markus wollen sich kurz unterhalten. Vor einem Hochhaus an der Vom-Stein-Straße fallen plötzlich Schüsse auf offener Straße. Dem Mann und der Frau wird in den Kopf geschossen. Sie sterben noch am Tatort. Auch der 18-jährige Cousin der Frau wird von einem Schuss gestreift, kann aber fliehen und die Polizei rufen.

 

"Das ist einfach unglaublich!", "Wo leben wir denn?", "Und das bei uns, im kleinen Letmathe!" – Reaktionen der Anwohner aus der Vom-Stein-Straße. Fassungslosigkeit steht in den Gesichtern geschrieben. Einige haben Kerzen am Tatort aufgestellt, andere rote Rosen mit persönlichen Grüßen wie "Eine Antwort auf das Warum wird es wohl nie geben" niedergelegt. Dort sind auch Tage danach die Spuren des schrecklichen Verbrechens erkennbar:

 

 

Direkt vor dem Hochhaus fallen Schüsse

Blutflecken auf dem Boden und Kreidezeichnungen der Polizei, die die Stellen, an denen die beiden leblosen Körper des Paares lagen, markieren. Mitbekommen haben die wenigsten etwas. "Man denkt erstmal an einen Unfall von Krachern!". Darum gibt es auch so gut wie keine Zeugen, die etwas gesehen haben. Der 18-jährige Cousin der Frau kann sich offenbar lediglich an einen Mann erinnern, der geschossen hat.

 

 

Die Anwohner in Letmathe sind geschockt (22s/358KB)

 

Tatmotiv könnte Eifersucht gewesen sein. Die Polizei hatte einen Tag nach der Tat drei Männer festgenommen, drei Brüder aus der Türkei. Sie wurden aber bereits wieder freigelassen. Laut Zeugenaussagen waren sie zur Tatzeit auf einer Silvesterparty. Damit hatte die Staatsanwaltschaft keinen Grund mehr, sie länger festzuhalten. Sie sind für die Polizei aber noch immer verdächtig, denn es hatte schon im Vorfeld immer wieder Polizeieinsätze in diese Richtung gegeben. Einer der drei Brüder war vor einiger Zeit mit der getöteten Katja liiert gewesen. Sie haben einen zweijährigen Sohn zusammen. Nachdem die 32-Jährige sich von dem Vater ihres Kindes getrennt hatte, war es immer wieder zu massivem Streit, Bedrohungen und sogar Anzeigen bei der Polizei gekommen.

 

 

 

Eine ruhige Wohngegend in Letmathe

Filis musste offenbar wegen verletzter Ehre sterben

 

Verletzte Ehre, Eifersucht - Dieses Tatmotiv wäre nicht zum ersten Mal Auslöser einer Bluttat in unserer Region. So war zum Beispiel Pfingsten 2004 die 14-jährige Filis aus Lüdenscheid auf einem Hagener Parkplatz erstochen worden. Frank Schreiber, Richter am Hagener Landgericht, sagte bei der Urteilsverkündung, als Motiv wurde zugrunde gelegt, dass Filis dem Mann von ihrer Schwangerschaft erzählt habe. Der Täter hätte sie seinen Eltern nicht als Partnerin vorstellen können. Er wurde wegen Totschlags zu 10 Jahren Jugendhaft verurteilt.

 

Richter Frank Schreiber über das Tatmotiv (19s/300KB)

 

 

Eifersucht tötete Friseur

 

Ein weiterer Fall eines sogenannten Ehrenmordes: Im Februar 2005! Damals war ein Lüdenscheider Friseur mit 27 Messerstichen erstochen worden. Er musste sterben, weil der Täter ihn fälschlicherweise für den Liebhaber seiner Frau gehalten hatte. Auf den Friseur war er gekommen, weil die Ehefrau ständig zum Haare schneiden ging und sie ihn gefragt hatte, ob der Friseur ledig oder verheiratet sei. Der Mann aus Hagen wurde zu 10 Jahren Haftstrafe wegen Totschlags verurteilt.

 

 

Rechtsanwalt Heiko Kölz, der die Familie des Opfer vertreten hat (8s/130KB)

 

Verbrechen aus Dortmund, die in Richtung Ehrenmord gehen, konnte die Polizei nicht benennen. Weltweit werden tausende von sogenannten Ehrenmorden vermutet. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Ob es beim Letmather Mord in der Silvesternacht um verletzte Ehre ging, wird sich zeigen. Die Ermittlungen laufen in diese Richtung.

 

 

Fotos: Anna Sprenger

 

VON ANNA SPRENGER

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