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Bad und Meister

Kein Hauch von Malibu: Latschen in Wellinghofen

(InDOpendent) Das Wasser liegt ruhig da. Von der glatten Oberfläche steigt Dampf auf. Nichts bewegt sich, Windstille. In einer Großstadt ist dies ein Ort himmlischer Ruhe. Es ist Sonntag, sechs Uhr früh. Dortmund liegt im Schlaf. Der Wetterbericht hat für heute über 20 Grad und Sonne angekündigt. Es ist kalt. Keine Sonne.

 

Das Freibad Wellinghofen ist der Arbeitsplatz von Schwimmmeister Bernd Hoffmeister. Mit Pulli, Jeans und Turnschuhen steht er da. Er, ehemals aktiver Schwimmer, breites Kreuz, groß gewachsen, würde auch zu "Baywatch" passen. Doch morgens um sechs fehlen dazu nicht nur die rote Badehose und gutes Wetter, sondern auch das Malibu-Flair. Hoffmeister muss Becken säubern, Duschen aufschließen und die Wasserqualität prüfen. In einer Stunde öffnet das Bad. Lufttemperatur zehn Grad. Die Frühschwimmer kommen trotzdem. Jeden Tag, spätestens eine viertel Stunde vor Öffnung. Egal ob Sonne, Regen, Hagel oder Sturm. Manche kommen seit Jahrzehnten. "Sie behandeln das Bad wie ihr Eigentum", sagt Hoffmeister. Die frühen Gäste unterhalten sich, freundlich, unverbindlich, belanglos. Jeden Morgen eine viertel Stunde. Im Bad folgt ein Ritual: jeden Tag dieselbe Bank, dieselbe Dusche, dieselbe Bahn.

 

Volle Kraft voraus: Schwimmer in Wellinghofen

 

Vertrauensperson und Altenbetreuer

 

Bernd Hoffmeister ist im seinem Büro. Von dort hat er beide Becken im Blick. Er tut jetzt das, was Schwimmmeister in den Augen der Gäste ausschließlich tut: rumsitzen und zuschauen. Das ist für die kommenden sieben Stunden sein Job. "Es kann schon langweilig werden." Er blättert in seiner Motorradzeitschrift, lässt den Blick über die Becken schweifen, blättert wieder. Er produziere Sicherheit, sagt er. Nicht nur was das Schwimmen angehe, sondern in einem umfassenderen Sinn. Er sei Vertrauensperson, Kummerkasten und Altenbetreuer. Wenn Stammgäste in Urlaub fahren, melden sie sich bei ihm ab.

 

"Es gibt abwechslungsreichere Tage"

 

Allmählich übernehmen junge Familien das Becken. Die Szenerie belebt sich, Frühschwimmer sagen Tschüß, andere Stammgäste Hallo. Um kurz vor neun zeigt sich erstmals die Sonne, verschwindet aber bald wieder. Zwei unentwegte Sonnenanbeter hocken am Beckenrand. Noch immer weniger als 20 Grad. Die wenigen Leute verlieren sich fast im 50-Meter-Becken. Der Vormittag zieht sich in die Länge. "Es gibt", sagt Hoffmeister, "abwechslungsreichere Tage." Er gähnt. In den letzten zehn Jahren mussten die Schwimmmeister in Wellinghofen exakt drei Mal jemanden retten. Es ist jedes Mal glimpflich ausgegangen. Das Wetter wechselt mit dem Schwimmmeister. Heinrich Ueing, ebenfalls Schwimmmeister und Betriebsleiter des Freibades, tritt um 14 Uhr seinen Dienst an. Jetzt reißt der Himmel auf, eigentlich zu spät, die meisten Leute haben ihren Tag schon anderweitig verplant. Es ist angenehm warm.

 

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Blickrichtung Feierabend: Schwimmmeister Ueing

 

Kein Stress, keine Langeweile

 

Auch Ueing nimmt im Büro Platz. Er ist kein "Baywatch-Typ": eher feingliedrig und schmal, schon ergraut. Der 50-Jährige ist dafür eher gekleidet wie ein Schwimmmeister - Polohemd, Badelatschen, später auch kurze Hose und Sonnenbrille. Routiniert, fast teilnahmslos sieht Ueing auf die Becken. Er ist seit zehn Jahren Schwimmmeister, hat ursprünglich Geographie und Sport studiert. Ihm bietet sich ein veränderter Anblick. Die Sonne spiegelt sich im Wasser. Kinder spielen, rutschen, schreien. Jugendliche leben ihre Pubertät aus, beschimpfen sich und suchen gleichzeitig Körperkontakt. Pärchen schmusen im Wasser. Ueing hat Zeit, kurz in die Zeitung zu blicken, einen Kaffee zu trinken und sich mit den freiwilligen Helfern vom DLRG zu unterhalten. Das gute Wetter am Nachmittag lockt doch noch einige Leute an. "Solche Tage sind mir die liebsten", sagt Ueing. Zu wenige Gäste um gestresst zu sein, aber zu viele um sich zu langweilen. "Wenn sehr wenig los ist, ist das gefährlich, die Aufmerksamkeit leidet dann."

 

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Traumjob Schwimmmeister?

 

Viertel vor acht ertönt die Sirene. Um acht sollen alle draußen sein. Nun beginnt wieder Arbeit, die keiner wahrnimmt. Chloranlage ausschalten, Duschen säubern, Müll aufsammeln. "Obwohl man eigentlich wenig tut, ist man abends müde - die Sonne und die frische Luft." Um kurz nach neun ist Feierabend. Es gibt Jobs mit besseren Arbeitszeiten. 120 Überstunden pro Monat sind im Sommer normal. Etwas anderes machen will Ueing nicht. "Ich möchte nicht mit jemandem im Büro tauschen", sagt er, "oder in ein Hallenbad. Was soll ich in meinem Alter noch anderes tun?" Es war ein durchschnittlicher Tag. 300, 400 Gäste. Keine besonderen Vorkommnisse wie fast immer, alles völlig unspektakulär. Typisch eben. Das Wasser ist wieder ruhig - bis morgen um sieben, wenn die Frühschwimmer kommen.

 

Weiterführende Links:

 

Dortmunder Freibäder im Überblick

Hier schwimmen Dortmunder drinnen

Baderegeln der DLRG

 

Fotos: Benjamin Schulz

VON BENJAMIN SCHULZ

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