| Vom Rasen auf den Spieltisch | ||||
(InDOpendent) Die WM 2006 bringt so einiges mit sich: Arbeitsplätze, viele Fans aus aller Welt, neue Stadien und Spiele. Sicher Fußballspiele, aber nicht auf dem Rasen, sondern auf dem Spielbrett oder auf Karten. Mit neuem Design und pfiffigen Ideen wollen die Spielhersteller Fußballfans für Gesellschaftsspiele begeistern.
"Fußballspiele sind jetzt vor der WM ein heißes Thema in Deutschland. Wir rechnen mit vielen Neuheiten", sagt Ernst Pohle, Vorsitzender der Fachgruppe Spiel. Seine Aussage bestätigt sich schon heute. Denn mit Deutschland als Austragungsort hoffen die Hersteller auf Millionen Euro Umsatz. Mit dem Weihnachtsgeschäft drängen viele Spiele auf den Markt. Allein auf der Essener Messe "Spiel 2005" im September präsentierten die Verlage sechs neue Fußballspiele. "Und auf der Spiel-Messe in Nürnberg im Frühjahr werden es noch mehr", sagt der Spiel-Lektor Uwe Mölter. Der Dortmunder bearbeitet Spiel-Ideen für die Firma Amigo, einen der zehn größten Spiel-Hersteller in Deutschland. Er beobachtet die Entwicklung auf dem Markt genau.
Drei verschiedene Spieltypen
Doch wie spielt man nun Fußball im Sitzen und ohne Ball? Uwe Mölter unterscheidet zwischen drei Spieltypen: Mit Karten oder auf dem Spielbrett stellt man das Geschehen auf dem Fußballplatz nach. Genauso verbindet das Brettspiel "Fußball Taktik 2006" des Verlages Stein-Thomson Strategie mit Emotion. Auf dem großformatigen Fußballfeld liefern sich die Spieler neunzig Minuten lang Zweikämpfe um die Ballkontrolle. Der Verlag Kosmos setzt auf den zweiten Spieltyp und simuliert mit ’Tooor’ einen Fußballverein. Mit geschickter Mannschaftsaufstellung oder Taktik-Karten können die Spieler am Spielbrett gewinnen. Schließlich bleibt noch das altbekannte ’Tipp-Kick’, welches der Hersteller Revell mit modellierten Spielfiguren modernisierte. In Barbiegröße überraschen Ballack, Kahn und Co. mit ihren vollbeweglichen Gelenken und den Original-Trikots.
Was sagt der Handel?
"Die Miniaturfußballer liegen nicht nur für kleine Fußballfans unterm Weihnachtsbaum", sagt Petra Klein. Als Mitarbeitern in der Dortmunder Spielzeughandlung Lütgenau auf dem Ostenhellweg führt sie zurzeit rund 15 verschiedene Fußballspiele und verkauft pro Woche durchschnittlich dreißig, oft auch an Fußballfans zwischen zwanzig und dreißig Jahren. "Zur Zeit wird der Boom der Fußballspiele künstlich hoch geputscht. Aber nach der WM werden die meisten Spiele wieder sang- und klanglos verschwinden", vermutet Petra Klein. "Kicker" und "Tipp-Kick" gibt es ganz sicher noch nach der WM. Vielleicht behauptet sich auch die ein oder andere Neuheit. Das liegt dann aber am Käufer: Will er ein Gesellschaftsspiel, das sich irgendwie um Fußball dreht? Ein Spiel, dessen Idee überzeugt, oder geht er doch lieber selbst auf den Rasen?
FOTOS: Caroline Lindekamp | ||||
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