| Wer Angst hat, der verliert | ||
Die Klischees vorweg: "Randsportler" sehen anders aus. Keine glatt und sauber gegelten Fußballerköpfe. Der Eine hat Rasta-Locken auf dem Kopf, dem Anderen wehen die langen Haare durchs Gesicht. Das wirkt. Beim Fototermin mit donews laufen zwei Mädels vorbei. Die Blicke der Damen sind ihnen sicher.
Philipp Börner und Florian Wemmert fahren Mountain-Bike. Genau gesagt: Downhill. Sie stellen sich mit ihrem Rad oben auf einen Berg und wer am schnellsten unten ankommt, hat gewonnen. Wenn das so einfach wäre. Denn wer Angst hat, der verliert. Philipp und Florian sind Sieger. Philipp ist amtierender Downhill-Juniorenmeister in NRW, Florian landete bei den Titelkämpfen auf Platz drei.
Seit drei Jahren fahren die beiden Bergkamener von Dortmunder Team "Hotchili-Reuber Bike" Downhill-Rennen. Die abgelaufene Saison war ihre erfolgreichste. Beide sind mittlerweile aus der Hobby-Klasse heraus und fahren mit Lizenz. Das heißt: Sie können deutschlandweit an den jährlich vier bis fünf Bundesliga-Rennen teilnehmen und Punkte für die Endabrechnung sammeln. Also das gleiche Prinzip wie beim Radrennsport auf der Straße.
Die Saison läuft von Mai bis August. Jetzt stecken die beiden 18-Jährigen schon im Aufbautraining für den Rennzirkus 2004. "Man muss fit sein, denn das ist ein Leistungssport", erklärt Philipp. "Aber 100-prozentig", betont Florian das noch einmal. Kraft und Kondition sind unverzichtbar; wichtig auch ein Gefühl für Balance. Und im Rennen braucht es viel Mut. Die Beiden schaffen bis zum Frühjahr die konditionellen Grundlagen. Machen für die Ausdauer große Radtouren durch die Region, fahren die Bergkamener Bergehalde herauf und herunter, um das Downhill-Gefühl zu bekommen.
Gepolstert und geschützt: Florian Wemmert (l.) und Philipp Börner mit ihren Downhill-Rädern.
Erstmals kam dieses Gefühl vor rund fünf Jahren. Philipp und Florian, damals beide 13 Jahre jung, beobachteten daheim in Bergkamen einen "Trial"-Fahrer. Wer "Trial" fährt, versucht mit seinem Mountain-Bike Tricks und Kunststücke aufzuführen. Das macht Eindruck und bei Philipp und Florian war die Neugierde geweckt. Sie nahmen Kontakt zu einem Mountain-Bike-Fahrer aus Lünen auf - und schon steckten die Jungs im Rennzirkus. Beide beherrschen mittlerweile zwar sämtliche Mountain-Bike-Disziplinen, haben sich aber auf Downhill spezialisiert.
Und mittlerweile sind die 18-Jährigen professionell organisiert. Auf dem Trikot stehen die ersten Sponsoren-Namen, aus der Garage daheim wurde eine Rad-Werkstatt und neben einer Sporthalle in Bergkamen haben sie sich eine kleine Trainingsstrecke angelegt. Aber woher kommt dieses ganze Wissen über den Sport? In Zeitung und Fernsehen findet Downhill nicht statt. "Wir lesen viel in Fachmagazinen, holen Vieles aus dem Internet, aber das Meiste finden wir durch ausprobieren heraus", erklärt Philipp.
Mittlerweile geht's schon um Details. "Wir experimentieren am Luftdruck im Reifen, an der Gummimischung oder bei der Abstimmung des Fahrwerkes. Damit wird klar: Der Sport kostet 'was. "Allein ein gutes Downhill-Rad schon um die 7.000 Euro", weiß Philipp. Und die Beiden haben jeweils drei Räder! Hilfe gibt's von den Eltern. Nicht nur, um die eine oder andere Anschaffung zu finanzieren, sondern vor allem, um zu den Rennen in ganz Deutschland zu reisen.
Ein Downhill-Fahrer, der "Trial"-Tricks macht: Florian Wemmert
Dort geht's dann in den Abgrund. Drei bis vier Minuten nur bergab mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 80 km/h. Im Weg stehen natürliche Hindernisse: Steine, Baumwurzeln, Schlaglöcher. Die Strecke ist uneben, bei Regenwetter matschig und schwer berechenbar. Dementsprechend gut sind Downhill-Fahrer geschützt. "Bei der Tour de France fahren die ja fast nackt", vergleicht Philipp. Er und Florian tragen Brust- und Rückenpanzer, Motorcross-Hosen mit verstärkten Seiten und Knien, Ellenbogen- und Knieschützer, einen Vollvisierhelm, Handschuhe und Schutzbrillen. Manchmal passiert trotzdem etwas, aber bislang sind beide glimpflich davon gekommen. Nur ab und zu bringen sie einige Prellungen mit nach Hause.
Die wird es aber noch oft geben. Florian Wemmert wechselt diese Saison von der Junioren- in die Herrenklasse, Philipp Börner kommt eine Saison später hinzu. Und beide wollen weiter Bundesliga fahren. "Und wir wollen besser werden", grinst Philipp.
Fotos: Michael Schlösser
| ||
|
||
|
|
||
