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Beim Frisör gehört (3): Keine Lieder über Liebe

Aus Hamburg. Und auch sonst gut: Hansen Band.

Als ich die Kamera sehe, wird mir doch mulmig. Macht er jetzt auf Webcam? "Nicht reingucken", zischt mein Frisör, und er tanzt um mich herum und hält die Schere wie ein Mikrofon und ich denke: komisch.

 

Meine durch Mütze plattgedrückten Haare - interessieren ihn gar nicht mehr. "Ich mach' ne Doku", zischt er mir ins Ohr, bei einer Rechtsdrehung. Dann Linksdrehung. "Und 'ne Platte". Ausfallschritt. "Und ein Buch!" Es reicht. Mein Frisör schüttelt einen haarigen Besen wie einen Mikrofonständer, und ich denke, nächstes Mal cut and go.

 

 

 Lässt den Frisör rotieren: "Keine
 Lieder über Liebe".

Als mein Frisör sieht, dass ich ohne cut Anstalten zu go mache, drückt er auf seinen Discman, mir einen körperwarmen Stöpsel ins Ohr und mich zurück in den Sessel. Ich bleibe.

In meinem Ohr singt es "..wenn es morgen also morgen gibt, warum nicht heute schon?" Das war so: sagt mein Frisör, und er weiß, dass ich weiß, dass das jetzt dauert.

Jürgen Vogel, Schauspieler, will einen Musikfilm machen, will singen, mit richtiger Band. Geht nach Hamburg, findet Kettcar und Tomte und beide gut, es entstehen ein Film und eine Platte. Heike Makatsch ist auch dabei, die hat gleich noch ein Buch dazu geschrieben. "Keine Lieder über Liebe" heißt das Gesamtkunstwerk der für den Film extrafrisch gegründeten Hansen Band. Mein Frisör zieht bedeutungsvoll die Augenbrauen hoch und das könnte so was heißen wie "nicht unclever von einem armen Hamburger Indie-Label, auf allen Kanälen dermaßen auf die Pauke zu hauen". Könnte aber auch heißen: "Ein erdiger, spröder, schöner Film, raue und brüchige Musik, sensibel und echt, das alles." Weiß man nicht.

 

 

 Zu dritt ist nicht einfach. Vor allem
 für den Dritten.

Der Film erzählt die Geschichte von Tobias, angehender Filmemacher, der seinen Bruder Markus (Jürgen Vogel) auf Tour mit der Hansen Band begleitet, weil er befürchtet, dass der was mit Ellen (Heike Makatsch) hat. Die ja eigentlich zu Tobias gehört. Irgendwie. Mit Texten, die immer ein bisschen weiter zielen, als man denkt, spielt sich die Hansen Band währenddessen in meine Gehörgänge. Und mein Frisör hat seine Juli-, Helden- und Tocotronic-Platten mit dem Winterstiefel in den Haarhaufen geschoben. Vielleicht zieht er jetzt nach Hamburg. Vielleicht komm ich ja nach.

 

 

 

Fotos: Grand Hotel Van Cleef, Film1 GmbH

 

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VON SÖNKE KLUG

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