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Schlafsaal für WM-Fans

Westfalenhallen warten auf Fan-Ansturm

Es riecht nach Schweißfüßen und Bierfahnen, lautes Schnarchen vermischt sich mit Husten, Flüchen und Fangesängen. Es ist warm, es ist eng, es ist stickig: Über 100.000 Gäste aus aller Welt sollen während der WM in den Westfalenhallen in provisorischen Schlafkojen friedlich nebeneinander schlummern.

 

Das scheint wenig komfortabel, dafür aber ist man direkt am Zentrum des Geschehens: Vom Feldbett fallen die Fans fast direkt ins Westfalenstadion. "Die Planungen für das Camp laufen natürlich schon auf Hochtouren, aufgebaut wird aber erst im kommenden Frühjahr", sagt Andreas Weber, Sprecher der Westfalenhallen. Noch deutet in den Westfalenhallen nichts darauf hin, dass sie sich bald in eine überdimensionale Jugendherberge verwandeln werden. Denn bevor das erste der knapp 4000 Doppelstockbetten aufgebaut wird, gibt am 23. Mai noch Eros Ramazotti italienische Liebeschansons in der Westfalenhalle zum Besten. "Da die WM am 9. Juni beginnt, werden wir in den anderen Messehallen schon etwas früher mit dem Aufbau beginnen", so Weber. Und aufzubauen gibt es eine Menge: 1000 Nischen sollen jeweils vier Personen einen Schlafplatz geben und damit die Gäste nicht frieren sind 120.000 Stück Einmal-Bettwäsche bestellt.

 

 

35 Euro inklusive Fahrausweis

"Man kann immer nur drei Übernachtungen hintereinander buchen", erklärt Weber. Mit der Buchung erhielten die Fans gleichzeitig einen Fahrausweis für den Nahverkehr, "da sollen sie sich ruhig ein bisschen hier im Ruhrgebiet umschauen", so Weber. Auch andere Stadien seien von Dortmund aus erreichbar. 35 Euro kostet eine Nacht im Bettenlager. "Wir lassen natürlich auch die Fans nicht hängen, die hier aus dem Zug fallen und nicht wissen, wo sie bleiben sollen", sagt Weber. In Ausnahmefällen könne von der Drei-Nächte-Regel auch mal abgesehen werden. "Dann kostet die Übernachtung natürlich etwas mehr."

Auch die Hallen, in denen keine Feldbetten aufgeschlagen werden, stehen während der WM nicht leer: Auf einer Großleinwand werden die aktuellen Spiele übertragen, es gibt Konzerte und Lesungen. "Wenn wir den Anspruch haben, die Begegnung der Kulturen zu ermöglichen, müssen wir schließlich auch etwas bieten", sagt Weber. Wichtig ist ihm vor allem, dass "keine Ballermann-Atmosphäre herrscht". Ein hoher Anspruch, wenn man tausende Fußballfans beherbergen will.

 

 

Finanzierung gesichert

Insgesamt 5 Millionen Euro werden von der Westfalenhallen GmbH in das "Fan Camp" investiert. "Wir hoffen, dass das Projekt am Ende kostendeckend läuft", sagt Weber.

 

 

Eine Nacht im Fancamp: Nicht besonders komfortabel, aber unvergesslich

Einziges Problem dabei: Für die Hauptsponsoren der WM wurde rund um die Spielstätten ein werbefreier Raum eingerichtet und die Westfalenhallen liegen in eben diesem. Eine Finanzierung des Camps durch Sponsorengelder schien so zunächst nicht möglich. Doch nach einer Besprechung mit dem WM-Organisations- Komitees in Frankfurt gab Gerd Kolbe, der Stadtbeauftragte für die Weltmeisterschaft, grünes Licht: Die Völkerverständigungsidee der Westfalenhallen habe eine "positive Resonanz" bei den Frankfurter Organisatoren gefunden.

Auch die Polizei sieht in dem Fan-Camp eine Bereicherung: Es unterstreiche die Gastfreundlichkeit der Stadt trage so zur Verständigung rivalisierender Fangruppen bei.

Da sich die offizielle Fan Camp-Internetseite derzeit noch im Aufbau befindet, hat der Ansturm auf die Betten noch nicht begonnen. "Wer jetzt schon eine Übernachtung buchen will,  läuft aber nicht ins Leere", versichert Weber. Bereits heute gibt es eine Hotline, über die man einen Schlafplatz buchen kann. Weber ist optimistisch: "Irgendwie wird schon jeder sein Plätzchen finden."

 

Fotos: Westfalenhallen

 Mehr zum Thema 

   Fancamp (Seite noch im Aufbau)  


VON MAIKE JANSEN

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