| Studiengebühren: Soviel zahlen die anderen | ||||||||||||||
(InDOpendent) Was bei uns neu ist, ist in anderen Ländern bereits eine Selbstverständlichkeit: Studiengebühren. Dabei gibt es von Land zu Land große Unterschiede. donews erklärt die verschiedenen Modelle anhand von sechs Beispielländern.
Niederlande: Vorbildliches Modell
In den Niederlanden gibt es rund 180.000 Studierende. Ein Studium kostet zwischen 1.500 und 1.600 Euro im Jahr. Der Staat ist hier nicht geizig: Jeder Studierende erhält eine vom Einkommen der Eltern unabhängige Unterstützung, eine Art Grundstipendium, von dem die Gebühren bezahlt werden können. Zusätzlich erhalten Studierende, die nicht mehr zu Hause leben, rund 230 Euro im Monat - also einen Zuschuss, der die Gebühren übersteigt.
Jeder Studierende kann außerdem einen Studienkredit aufnehmen. Die Rückzahlung des Kredites beginnt ab dem dritten Berufsjahr und ist vom eigenen Einkommen abhängig. Damit der Staat sicher sein kann, dass er das Geld nicht für Leute ausgibt, die eigentlich kein Interesse am Studium haben, werden die Förderungen inklusive Grundstipendium zunächst als Darlehen gewährt - und nur, wer mit dem Studium vorwärts kommt, muss das Grundstipendium nicht zurückzahlen.
Dieses Modell zahlt sich offenbar aus: Nachweislich ist die soziale Herkunft in den Niederlanden nicht so entscheidend für ein Studium wie in Deutschland. Es studieren mehr Menschen aus einkommensschwachen Familien als hierzulande. Das hängt aber vermutlich auch mit dem niederländischen Schulsystem zusammen, das nicht so sozial selektiv ist wie das deutsche. Die personelle und technische Ausstattung der niederländischen Hochschulen gilt als gut. Das ist auch daran zu erkennen, dass Holland nach den USA und Großbritannien das beliebteste Ziel der Deutschen für ein Auslandsstudium ist.
Italien: Wenig Hilfe vom Staat
In Italien leben rund 1,8 Millionen Studierende. Sie alle zahlen Studiengebühren, allerdings variiert die Höhe sehr: Die Studiengebühren unterscheiden sich von Uni zu Uni, von Fachbereich zu Fachbereich und sind zudem so gestaffelt, dass arm und reich unterschiedlich viel zahlen. So kann ein Medizinstudium in Rom, je nach Einkommen der Eltern, zwischen 430 und 1.300 Euro im Jahr kosten; in Bologna wiederum kostet es rund 3.000 Euro.
Die Gebühren werden direkt an die Unis gezahlt. Es gibt zwar eine Finanzierungshilfe. Diese ist allerdings nur für sehr arme oder sehr begabte Studierende reserviert. In diesem Fall werden die Gebühren erlassen und ihnen wird Geld für den Lebensunterhalt gezahlt. Allerdings ist die Bemessungsgrenze so niedrig, dass dieses System mit unserem BAföG nicht zu vergleichen ist. Insgesamt haben es italienische Studierende nicht leicht: Die Lebenshaltungskosten sind hoch, aber die staatliche Unterstützung ist kaum vorhanden. Nicht jeder kann es sich leisten, das zu studieren, was er möchte.
Trotz der hohen Gebühren sind die Zustände an italienischen Unis nicht optimal: Die Räumlichkeiten sind oft marode, die Literatur ist veraltet. Und obwohl viele italienische Unis ihre Gebühren in den letzten Jahren deutlich angehoben haben, sind die Zustände an den Hochschulen nicht merklich besser geworden.
Finnland: Studieren für lau
In Finnland gibt es wie in ganz Skandinavien keine Studiengebühren. Ein Studium soll jedem ermöglicht werden - unabhängig davon, ob man aus einer einkommensstarken oder -schwachen Familie kommt. In Finnland ist allerdings eine Mitgliedschaft in einer Studentenschaft – ähnlich dem Studentenwerk – obligatorisch. Der Mitgliedsbeitrag von 80 bis 100 Euro pro Jahr bietet umfangreiche soziale Leistungen und Versicherungsschutz.
Die Universitäten werden komplett vom Staat finanziert. Und der greift dabei ganz schön tief in die Tasche: Die Universitäten sind hochmodern ausgestattet und die Forschung wird besonders gefördert. Die Studierenden werden individuell und sehr intensiv bei ihrem Studium unterstützt. Darauf deuten schon die Zahlen hin: Auf ungefähr 170.000 Studierende kommen zirka 8.000 Professoren. Ein Professor betreut also durchschnittlich nicht mehr als 21 Studierende.
Jedoch denken momentan viele Hochschul-Rektoren über die Einführung von Studiengebühren für ausländische Studierende nach, die nicht aus einem der EU-Länder kommen. Viele Studierende befürchten, dass dies den Weg für allgemeine Studiengebühren frei machen könnte.
Großbritannien: Kosten steigen
Das Studiengebührensystem für etwa 1,1 Millionen Studierende in Großbritannien befindet sich seit 2004 im Umbruch. Momentan werden landesweit einheitliche Studiengebühren von 1.700 Euro erhoben. Demnächst wird sich die Situation in Großbritannien verändern: Ab Herbst diesen Jahres dürfen die Universitäten in England und Nordirland Studiengebühren von umgerechnet bis zu 4.500 Euro pro Studienjahr erheben, ab Herbst 2007 gilt das dann auch für Wales. Diese werden vorfinanziert und müssen erst nach Ende des Studiums zurückgezahlt werden. Und auch nur dann, wenn der Studienabsolvent ein jährliches Einkommen von mindestens 22.000 Euro erreicht. So lange er weniger verdient, muss er nicht für die Kosten seines Studiums aufkommen. Die Studiengebühren werden durch ein Darlehen vom Bildungsministerium vorfinanziert und jährlich an die jeweilige Hochschule überwiesen.
Sonderrolle Schottland: Dort ist die Einführung dieser so genannten "Top-up Fees" bisher nicht geplant. Das Studiengebührenmodell Schottlands hat sich schon immer vom Rest des Landes unterschieden. Die Studierenden dort müssen zunächst keine Studiengebühren zahlen. Aber dafür sind sie verpflichtet, am Ende des Studiums ein "graduate endowment" - eine Art Spende - in Höhe von 2.200 Pfund zu leisten. Davon werden die Absolventen nur in Ausnahmefällen befreit.
Österreich: Unis nicht besser, aber leerer
In Österreich gibt es rund 210.000 Studierende. Ein Studium, egal welches, egal wo, kostet hier 363 Euro pro Semester. Sozial Bedürftige können bis zu 7.800 Euro im Jahr Studienbeihilfe beantragen, die nach dem Einkommen der Eltern bemessen und vom Staat finanziert wird. Dennoch müssen rund zwei Drittel der Studierenden nebenbei arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Außerdem gibt es neben einigen privaten auch sechs staatliche Stipendien-Stellen, bei denen man sich um zusätzliche finanzielle Unterstützung bewerben kann.
Das österreichische Modell ist noch relativ neu, denn Studiengebühren wurden erst vor ungefähr sechs Jahren eingeführt. Das hatte Konsequenzen: Die Zahl der Studierenden ist damals schlagartig um 20 Prozent zurückgegangen, und erholt sich nur langsam. Seit dem Sommersemester 2004 können die jeweiligen Universitäten über die Verwendung der Gebühren bestimmen. Vorher hatte der Staat das Geld verteilt. Teilweise können inzwischen sogar die Studierenden selbst entscheiden, wofür das Geld ausgegeben werden soll.
Da die Kosten für Betrieb und Lehre steigen, das Land aber gleichzeitig das Hochschulbudget kürzt, haben die Unis unterm Strich allerdings nicht mehr Einnahmen - ihre Lage hat sich trotz Studiengebühren nicht verbessert.
USA: Elite-Unis und Stipendien
In den USA studieren zirka zwölf Millionen Menschen. Studiengebühren sind dort traditionell eine Selbstverständlichkeit. Der Staat hält sich weitgehend aus der Hochschulpolitik und der Finanzierung heraus, insbesondere weil es viele private Universitäten gibt, die eine gute Ausbildung garantieren. Sie kosten allerdings bis zu 26.200 Euro pro Jahr. Daneben gibt es aber auch staatlich finanzierte Universitäten. Und staatlich bedeutet nicht automatisch eine schlechtere Ausbildung. Auch hier gibt es hervorragende Unis. Im Vergleich zu den privaten Elite-Universitäten sind sie aber viel günstiger.
Sehr viele Studierende müssen ein Darlehen aufnehmen, um sich das Studium leisten zu können und starten hoch verschuldet ins Berufsleben. Das Darlehen muss allerdings erst ab einem bestimmten Mindesteinkommen zurückbezahlt werden. Außerdem gibt es in den USA ein ausgeprägtes Stipendienwesen und oft verringern sich die Gebühren nach dem ersten Studienjahr, wenn ein Studierender an einer Uni besonders erfolgreich studiert. Die Kosten des Stipendiums übernehmen die Universitäten, Unternehmen, private Förderer oder der Staat. Dadurch bekommen auch besonders begabte Schulabgänger, die sich solche Studiengebühren nie leisten könnten, die Chance auf ein Studium an einer der Top-Unis.
FOTOS: Daniel Gonzales, Roman Goncharenko
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