| Kleine Filme machen großes Kino | ||||||
(do1) Im Wettbewerb traten junge Filmemacher aus ganz Deutschland an. Für 6 Euro konnten Kinofans einen ganzen Abend mit unterhaltsamen und überraschenden Produktionen angehender Filmprofis sehen. Über die Vergabe der Preise entschied eine unabhängige Fachjury, die mit namhaften Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten und Schauspielern besetzt war.
Den Filmpreis in Gold erhielt Sikander Goldau von der HFF in München mit "Fragile". Der Kurzspielfilm sei eine Parabel über das Abschiednehmen, den Tod und die Hoffnung auf ein Weiterleben danach, erklärt Goldau. Eine Frau kommt bei einem Autounfall ums Leben, sie kann aber in einer Art surrealer Rückblende von ihren Lieben - Kinder, Mutter und Ehemann - Abschied nehmen, ohne dass diese von ihrem Tod wissen. Das zwanzigminütige Debüt des Nachwuchs-Regisseurs überzeugte nicht nur die sechsköpfige Fachjury, sondern auch die Zuschauer, die den Publikumspreis ebenfalls an Goldau vergaben.
Jurymitglied Theo West spricht über seine Vergabekriterien (47s/599kB)
Den zweiten Preis (Silber) erhielt Lale Nalpantoglu für "Biyik-Schnurrbart": Kadir Mutlus glückliches Leben erfährt einen radikalen Bruch, als er eines Morgens entdeckt, dass sein Schnurrbart fehlt. In einer Welt, in der ausnahmslos alle einen Bart tragen, Frauen ebenso wie Kinder, und sogar Babys schon mit dem markanten spitzen Schnauzer geboren werden. Ein türkischer Film, der ohne jeden Dialog auskommt und auf eine amüsante Art eine verständliche Metapher für das Anderssein gibt.
Auch Lars Henning überzeugte die Jury. Mit seinem Kurzfilm "Koslowski" landete er am Ende auf dem dritten Platz (Bronze). Der Hauptdarsteller Koslowski arbeitet als kleiner Buchhalter in einer großen Firma. Als sein Chef herausfindet, dass er vertrauliche Informationen weitergibt, gerät er stark unter Druck. Er muss entscheiden, entweder einen Kollegen zu verraten oder seinen Job zu verlieren. Er stellt fest: Wenn alles, was man tun kann falsch ist, dann muss man es wenigstens richtig machen.
Das Kurzfilmfestival war für den Filmnachwuchs eine gute Möglichkeit, um sich mit anderen auszutauschen und Kontakte mit Vertretern der deutschen Filmindustrie aufzunehmen. Die Veranstaltung hat wieder einmal gezeigt: Kleine Filme machen großes Kino und sorgen beim Publikum für Begeisterung.
Fotos: Jenna Günnewig | ||||||
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