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"Popkultur im weitesten Sinne"

DJ Larse bittet donews zu sich nach Hause.

Wer am Freitagabend gedenkt, auszugehen, um in der Disco zu schwofen, ist gut beraten, ab 20 Uhr Eins Live einzuschalten. Hier wird dem tanzwilligen Hörer vorab verraten, wo die besten Parties laufen werden, welcher Club derzeit am angesagtesten ist, und nebenbei werden ihm auch noch durch DJ Larse, dem man behind the wheels of steel, die neuesten Disco-Grooves nähergebracht. Grund genug, sich einmal mit dem 31-jährigen zum gemeinsamen Gespräch in Dortmund zu treffen. 

 

Das freilich gestaltet sich zunächst etwas kompliziert, da es zu einem Missverständnis zwischen den beiden Gesprächspartnern kommt. In der Annahme, für 14 Uhr im Café-Bistro "Cottons" am Alten Markt verabredet zu sein, wählt der donews-Redakteur gegen 13.30 Uhr die Mobilphon-Nummer von DJ Larse, um ihn zu fragen, ob er nicht schon eher ins "Cottons" kommen könne. "Ich sitz hier bereits seit einer halben Stunde", lautet die Antwort, die der donews-Redakteur erhält, und ziemlich schnell stellt sich heraus, dass das Gespräch für 13 Uhr anvisiert worden war. Statt also zu früh zu erscheinen, erscheint der donews-Redakteur zu spät - was wohl als ironische Wende bezeichnet werden darf.

 

Eine zweite Verabredung treffen

 

Nach einigen Minuten endlich im "Cottons" eingetroffen, entschuldigt sich der Redakteur bei DJ Larse. "Ist nicht weiter schlimm", sagt der zwei Meter große Mann darauf. "Ich hab jetzt nur nicht mehr soviel Zeit. Ich muss gleich nach Bochum, meinen neuen Laptop abholen." Aus dem Grunde verabreden sich die beiden Beteiligten sofort für den übernächsten Tag - diesmal in der Tat gegen 13 Uhr, das Ganze aber nicht wieder im "Cottons", sondern bei DJ Larse zuhause.

 

Die noch verbleibende Zeit nutzt der Redakteur, um zu erfragen, wo denn der vor ihm sitzenden Musikus zuletzt aufgelegt habe. Antwort: "Letzten Samstag war das, in Frankfurt, im Cocoon-Club." Woraufhin DJ Larse, der mit bürgerlichem Namen Lars Brodherr heißt, erzählt, dass der Cocoon-Club nicht nur derzeitig der beste Techno-Laden in Deutschland sei, sondern vielleicht sogar in ganz Europa.

 

Larse: "Das ist ein Riesending, was die dort aufgebaut haben. Allein das DJ-Pult, das einem zur Verfügung steht, ist schon Zucker. Passiert nicht oft, dass du zwischen fünf verschiedenen Plattenspielern frei wählen kannst."

 

donews: "Wieviel Leute waren da?"

 

Larse: "Um die dreitausend, würde ich sagen."

 

donews: "Und was hast du genau aufgelegt, welchen Stil?"

 

Larse: "Reduzierte, minimalistische Sachen zwischen Techno und Elektronik. Das intererssiert mich persönlich zurzeit am meisten."

 

Alsbald ist die Zeit vorbei, DJ Larse muss aus bekannten Gründen nach Bochum, es heißt Abschied nehmen: "Bis übermorgen."

 

 

Das DJ-Pult im Zentrum der Wohnung.

Die zweite Verabredung

 

Am übernächsten Tag trudelt der donews-Redakteur wie vereinbart um 13 Uhr bei DJ Larse in der Wohnung ein. Ähnlich reduziert und minimalistisch, wie es seinen temporären musikalischen Vorlieben zu eigen ist, präsentiert sich auch das 102 Quadratmeter große Zuhause, in dem DJ Larse lebt. Nicht, dass es bei ihm spartanisch zugeht; aber alles ist sehr übersichtlich eingerichtet und auf das Wesentliche beschränkt. Wozu freilich das in der Mitte seines Wohnzimmers stehende DJ-Equipment gehört, das er braucht, um sich u. a. für die Freitagabende bei Eins Live vorzubereiten.

 

Weil er ein ausgesprochen netter Mensch ist, hat Larse im voraus bereits Kaffee gekocht, und während die beiden Gesprächspartner auf einer schwarzen Ledergarnitur Platz nehmen, um den Inhalt ihrer gefüllten Tassen zu leeren, fängt allmählich das Interview an, wegen dem der donews-Redakteur erschienen ist.

 

donews: "Verrate doch mal, wie das so grundsätzlich angefangen hat mit dir und der Musik."

 

Larse: "Begonnen hat das, wie bei den meisten anderen auch, ganz normal im Elternhaus. Mein Vater hatte früher viele Platten besessen, und irgendwann hab ich die mir geschnappt, um die selber zu hören."

 

donews: "Was waren das für Platten?"

 

Larse: "Quer durch. Zwischen Roxy Music und Earth, Wind and Fire. Die Platten hab ich übrigens immer noch bei mir rumstehen, mein Vater hat die nie wiedergesehen."(Lacht)

 

donews: "Und wie ging es weiter?"

 

Larse: "Ach, als ich 16 war, fing ich an, in Clubs rauszugehen, wo Hip-Hop gespielt wurde. Das fand man cool damals, und da hab ich dann auch begonnen, selber Platten zu kaufen. Zur gleichen Zeit besuchte ich außerdem die Musikschule. Ich wollte Gitarre spielen lernen, und mit den andern Leuten dort, die in meinem Alter waren, gründeten wir eine eigene Band. Allerdings bestand die nicht lange - nach zwei Proben waren nur noch ein Kollege und ich übrig. Und da du schlecht eine Band aus zwei Leuten formieren kannst, jedenfalls eine, wo es darum geht, Instrumente zu spielen, blieb uns nur noch Hip-Hop."

 

The man behind the wheels of steel.

donews: "Wobei du dich dann entschlossen hattest, die Rolle des DJ's zu übernehmen?"

 

Larse: "Genau. Ich kaufte ja ohnehin schon Platten, da bot sich das praktisch an. Und seitdem ist das so geblieben, nur dass sich die Leute, für die ich auflegte, im Laufe der Jahre geändert haben."

 

donews: "Und wie bist du zum DJ-Job bei Eins Live gekommen?"

 

Larse: "Durch Glück und Zufall. 2000 lief das eher schlecht mit dem Auflegen, sodass ich schon darüber nachdachte, ob ich nicht vielleicht anfangen sollte, zu studieren. Im Sommer war ich dann mit meiner damaligen Freundin im Spanienurlaub. Und irgendwie bekam ich plötzlich am Strand eine SMS von Eins Live. Die suchten grade einen DJ für 'Klubbing', und Mike Litt, der die Sendung moderieren sollte, hatte von mir gehört, und mich dann eben per SMS am Strand kontaktiert. Als ich wieder zurück war aus Spanien, trafen wir uns zum Essen, und da erklärte er mir dann das Konzept von der Sendung. Das klang sehr interessant. Außerdem haben wir uns auf persönlicher Ebene gleich extrem gut verstanden, das ist ja auch wichtig."

 

donews: "Warst du der einzige DJ, der von Eins Live kontaktiert wurde?"

 

Larse: "Nein, da gab's noch ein paar andere. Aber die Demotapes, die ich aufgenommen habe, um mich offiziell zu bewerben, machten im Sender wohl den besten Eindruck. Jedenfalls bekam ich den Job, da kann es nicht so schlecht gewesen sein."

 

donews: "Wie würdest du die Sendung, die du seit 6 Jahren mit Mike Litt machst, beschreiben?"

 

Larse: "'Klubbing', würde ich sagen, beschäftigt sich mit Popkultur im weitesten Sinne: Musik, Literatur, Clubbesuche, alles miteinander auf einen Nenner gebracht. Wir verbinden Berichte aus den Clubs in NRW mit frischer Musik, die in Clubs gespielt wird, geben Veranstaltungstipps, machen ein paar Witze zwischendurch, und ab 23 Uhr beginnen dann die Lesungen vor Publikum im Eins-Live-Kultkomplex-Café."

 

donews: "Wer hat schon alles bei euch gelesen?"

 

Larse: "Fast jeder, der dafür in Frage kommt: Von Stuckrad-Barre über Helge Schneider bis Frank Schätzing waren sie alle da."

 

donews: "Zwischen den einzelnen Parts, die eure Gäste vortragen, spielst du immer wieder ein bisschen Musik. Wie triffst du die Auswahl dafür, liest du die Bücher, die bei euch präsentiert werden, vorher durch?"

 

Larse: "Ganz lese ich die Bücher nicht. Das macht Mike. Ich lese nur die Passagen, die er mir hinterher gibt, damit ich weiß, was in der Sendung vorkommt. Ich kenn dann also die Stimmung, um die es geht, und versuche, die musikalisch weiterfließen zu lassen, in gewisser Weise wie beim Film."

 

donews: "Abgesehen von deinen Aktivitäten bei Eins Live und dem Auflegen in Clubs - produzierst du auch eigene Musik?"

 

Larse: "Ja, aber derzeit nicht besonders viel für mich selber, sondern eher Remixe für andere Musiker. 'Babylon Robots' zum Beispiel, Ante Perry

DJ Larses Liste alter und neuer Favoriten.

oder letztens für Stephan Remmler, dem früheren Sänger von 'Trio'. Mit Jean Montreux arbeite ich außerdem an einem Projekt namens 'Targa', für das wir mittlerweile vier Singles rausgebracht haben."

 

donews: "Eine letzte Bitte, Larse. Hättest du vielleicht Spaß daran, mal aufzuschreiben, was deine Lieblingsplatten sind, aktuelle und von früher?"

 

Larse: "Kein Problem."

 

Woraufhin DJ Larse einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand nimmt, um die hiermit präsentierte Liste aufzustellen. Vielen Dank!

 

Wer Larses Handschrift nicht lesen kann, clickt hier.

 

FOTOS: LARS SCHALL

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  Aktuelle Infos zu DJ Larse.  


VON LARS SCHALL

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