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Die Welt zu Gast im Hafen

Schweizer in der WG von Pia (Mitte).

In einer WG im Dortmunder Hafen klingelt das Telefon. "Wie lang müssen wir rechnen, um von euch daheim ins Stadion zu kommen?", brüllt Sven, der Schweizer, panisch in den Hörer und kann sich nur knapp gegen die akustische Kulisse aus Fangesängen am Hauptbahnhof durchsetzen.

 

Sein Gepäck muss weg, denn in etwas weniger als einer Stunde beginnt das Spiel seiner Mannschaft gegen Togo und Hunderte Schweizer Fans strömen in Bussen und Bahnen dem Stadion entgegen.

 

Kanalblick inklusive

 

Für die Bewohner des "WM-Quartiers-mit-Kanalblick" war diese Erfahrung mit schweizerischer Pünktlichkeit nur eines von vielen Erlebnissen während der Weltmeisterschaft. Zwei Fans aus Schweden, angetrunken von zuviel Malzbier, und zwei Bänker aus Nürnberg, die für ihre WM-Tour den kompletten Jahresurlaub verbrauchten, waren ebenfalls während der Vorrundenspiele in der WG zu Gast.

 

 

Ricardo (links) aus Brasilien freute sich mit
WG-Bewohner Tim auf Ronaldo und Co.

www.hostafan.de ist eines der Internetportale, über die man den Fans und Freaks aus aller Welt  die eigenen vier Wände anbieten konnte. Die Ergebnisse belangloser Vorrundenspiele konnten so zwar zum entscheidenden Faktor für den Hausfrieden werden, doch den Hobby-Hoteliers bringt es Spaß ins Heim und Geld in die Kasse. Die Quadratmeterzahl der eigenen Wohnung sollte allerdings jeder der mitmacht im Hinterkopf behalten, denn eine der Grundregeln besagte, dass mehr als 15 Personen in einer Drei-Zimmer-Wohnung nicht unterzubringen sind.

 

30 Euro für Bett und Kaffee

 

 

Maike (links) und Carsten aus Hamburg
fühlten sich wohl bei Pia. 

Deutschlandweit sind in der Datenbank von "host a fan" mehr als 1.300 Vermieter gespeichert, davon über 100 allein in Dortmund. Wie für die meisten WM-Spielorte gilt jedoch auch hier: Große Nachfrage - kleines Angebot. Einen Schlafplatz in der Hafen-WG sichern, konnte sich auch Ricardo aus Brasilien. Wie die meisten der WM-Gäste verabschiedete er sich nach dem Sieg seiner Mannschaft gegen Ghana voller Zuversicht aus Dortmund. Er reiste der "Selecao" nach Frankfurt ins Viertelfinale hinterher.

 

Allerdings dürfte Ricardo dort einen ähnlichen Schock erlitten haben, wie Maike und Carsten aus Hamburg. Über die Last-Minute-Vermittlung hat das Paar zum Halbfinalspiel der deutschen Elf gegen Italien im Ruhrgebiet ein Quartier gefunden. Doch auch die beste Unterkunft konnte nicht über die Enttäuschung der Niederlage hinweg trösten.

 

FOTOS: Ingo Hinz

VON CHRISTINE VEENSTRA, INGO HINZ

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