| Was vom Bergbau übrig blieb | ||||
Auf den ersten Blick scheint es, als hätte jemand einfach noch einmal gründlich Ordnung hinein gebracht in all den alten Krempel. Säuberlich aufgereiht stehen da die Hacken und Schaufeln, akribisch sortiert sind Schrauben und Muttern, alte Schilder und ausgediente Telefonhörer. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass sich zwischen den rostigen Einzelteilen auch sorgsam arrangierte Skulpturen verstecken, kleine Kunstwerke aus Schrott und bergmännischen Fundstücken.
Rund 23 Jahre lang hat der Gelsenkirchener Fotograf, Zeichner und Installationskünstler Werner Thiel die Relikte des niedergehenden Ruhrgebietsbergbaus in beeindruckenden Mengen zusammengetragen und immer wieder zu neuen Installationen arrangiert. Drei Jahre nach dem Tod des Künstlers wird seine letzte Installation nun im nördlichen Maschinenhaus am Schacht 9 der ehemaligen Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck eröffnet – als dauerhafte Ausstellung "Sammlung Werner Thiel". Thiel selbst hatte noch an der Konzeption mitgewirkt, bevor er starb. Vollendet wurde sie schließlich von Helmut Bettenhausen und Lutz Kahnwald.
Nur die großen Objekte sind als Kunstwerke augenfällig: Die riesige Hand aus gebrauchten Arbeitshandschuhen an der Wand, die meterlangen Ketten voll mit Helmen, Schuhen und Arbeitsanzügen, die von der Decke hängen, das Ensemble von Skulpturen aus Kreissägeblättern. Alles andere ist eher dezent in einem Rundgang auf zwei Etagen rund um die ehemaligen Fördermaschinen arrangiert: als Galerie der Fundstücke, die von ausgewählten Fotografien Thiels eingerahmt werden – Fotografien von Fördertürmen und -anlagen, die heute zum größten Teil abgerissen sind.
Nichts in dieser Sammlung ist kommentiert – keines der Fotos, keines der Fundstücke. Und damit unterscheidet sie sich grundlegend von den industriehistorischen Ausstellungen: Es geht nicht um exakte Zeugnisse der Vergangenheit, sondern um deren Ästhetik. Im ehemaligen Maschinenhaus, das einen perfekten Rahmen bildet, wird diese direkt greifbar, ohne dass man lange darüber theoretisieren müsste.
Sammlung Werner Thiel ist am Ende der Klarastraße in Gelsenkirchen-Bismarck zu finden. Geöffnet ist sie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
FOTOS: Karsten Mark | ||||
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