| Brummis bitte draußen bleiben | ||||
(do1) Es ist der Kampf David gegen Goliath. Nur dass Goliath in diesem Fall sehr klein und selbst bei genauem Hinsehen nicht zu erkennen ist. Die Rede ist von Feinstaub. Die Rolle des David hat das Umweltamt Dortmund übernommen.
Mit allen Mitteln wird der unsichtbare Feind gnadenlos bekämpft, doch der Sieg - oder wenigstens ein Teilerfolg - blieb aus. Weil eine Niederlage langfristig vom Schiedsrichter namens EU nicht akzeptiert wird, war das Amt zum Handeln gezwungen. Und machte kurzen Prozess.
Lkw-Sperre seit 11. Oktober
Die Leidtragenden sind die Brummifahrer, die täglich zu Hunderten die Brackeler Straße in Dortmund Mitte benutzen. Oder besser: benutzt haben. Denn am 11. Oktober stellte die Stadt Dortmund neue Schilder auf, die Lastwagen ab 3,5 Tonnen die Durchfahrt in Richtung Stadt verbieten, ohne dass eine Ausweichstrecke ausgeschildert wurde. Das Verbot war notwendig, um den Schiedsrichter EU nicht weiter zu verärgern.
Mess-Station kontrolliert die Belastung
In der Brackeler Straße steht eine grüne Mess-Station, die die Luftqualität überwacht. Quasi als Schiedsrichterassistent. 62 Mal hat der Gehilfe 2005 nun schon gemeldet, dass die Messwerte für Feinstaub um ein Vielfaches über den zulässigen Grenzwerten lagen, die die EU in ihrer Feinstaubrichtlinie seit dem 1.1.2005 vorgibt. Da eigentlich aber nur 35 Übertretungen im ganzen Jahr erlaubt sind, musste sich das Umweltamt etwas einfallen lassen.
Heinrich Bornkessel (Umweltamt Dortmund): So gehen wir gegen den Feinstaub vor (500kb, 11s)
Schon im April kam den Verantwortlichen der Stadt die Idee, alle LKW ab 7,5 Tonnen von der Mess-Station fernzuhalten, um so die Feinstaubbelastung zu senken. Das waren immerhin 1000 Fahrzeuge weniger pro Tag. Doch der Kasten meldete unverdrossen weiter Grenzwertüberschreitungen. Und so mussten Anfang Oktober auch die kleinen Lkw ab 3,5 Tonnen dran glauben. Immerhin wieder 600 Feinstaubproduzenten weniger in der Brackeler Straße.
Feinstaub wird nur umgeleitet
Doch um wenigstens kleine Erfolge in diesem ungleichen Kampf zu erzielen, wären laut ADAC Westfalen weitaus drastischere Maßnahmen vonnöten. Denn dass die Autos trotzdem fahren, und ihren Feinstaub dann eben in einer anderen Straße ablassen, hat wohl niemand bedacht.
Peter Meintz (ADAC Westfalen): Die Sperrung ist wirkungslos (300kb, 6s)
Bis in Dortmund keine Autos mehr fahren, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Bis dahin wird die Brackeler Straße jeden Tag vier Mal geduscht. Jeweils 9000 Kubikmeter Wasser sollen den Feinstaub binden und so helfen, die Belastung zu verringern, damit endlich die Grenzwerte eingehalten werden.
Aber die Lösung ist zu schön, um wahr zu sein. Denn Feinstaub liegt leider nicht auf der geduschten Straße, sondern schwebt, eben weil er so fein ist, in der Luft. Schade eigentlich. Und auch wenn es nichts nützt: Brummis müssen draußen bleiben.
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