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Chaotische Zustände

Bio-Studenten drängen sich in einen Laborraum.

(InDOpendent) Die Umstellung auf BA/MA sorgt weiter für Probleme. Auch im Sommersemester kämpften die meisten Lehramts-Studierenden noch immer mit konfusen Zuständen.

 

 

"Es ist alles zum Kotzen." Die Worte von Irina Rebbe-Stein fassen die Laune vieler Lehramts-Studierender, die im Wintersemester angefangen haben, zusammen. Irina studiert Germanistik und nimmt an dem Modellversuch "Gestufte Studiengänge in der Lehrerbildung" teil, besser bekannt als Bachelor und Master (BA/MA). Sie erzählt von überfüllten Seminarräumen, Planungsfehlern und fehlenden Ansprechpartnern. Das Chaos aus dem Wintersemester wiederholte sich.

 

 

Der Grund ist simpel: Es wurden in manchen Fächern einfach zu viele Studierende zugelassen. Und das, obwohl sich zunächst zu wenige eingeschrieben hatten. Um die freien Plätze dann doch noch zu füllen, wurde der Numerus Clausus gelockert. Nun gab es plötzlich zu viele Studierende.

 

Im Sommersemester ist es logischerweise nicht weniger geworden. Die enorme Anzahl von Studierenden erklärt auch die anderen Probleme: Platzmangel, längere Studienzeiten, weil Kurse wiederholt werden müssen und fehlende Ansprechpartner.

 

"Nicht alles klappt von Anfang an"

 

 

Thomas Goll, Berater für BA/MA-Studierende im Bereich Sozialwissenschaften auf Lehramt, findet allerdings, dass die Studierenden übertreiben. In seinen Augen ist die Situation gar nicht so schlimm. Außerdem meint er, dass jeder Studierende mitbekommen haben sollte, dass er sich für einen Modellversuch eingeschrieben hat. Seiner Ansicht nach ist so etwas immer mit Problemen verbunden: "Der Sinn eines Modellversuches ist es auszuprobieren. Da klappt nicht alles von Anfang an."

 

 

Der Weg künftiger Lehrer zum Beruf. 

Dennoch: Die Probleme müssen auch bei einem Modellversuch behoben werden. Deshalb bemühen sich viele Dozenten darum, den Studierenden auf eigene Faust zu helfen. Sie bieten Kurse doppelt an, heben die Teilnehmerzahl an und machen aus den Seminaren Vorlesungen.

 

 

 

Außerdem gibt es ein neues System, das die Anmeldung zu Kursen erleichtern soll: das Informationssystem LSF. Dort können sich die Studierende im Internet für Seminare und Vorlesungen anmelden und sind nicht auf überfüllte Listen angewiesen. Obwohl technische Probleme inzwischen behoben sind, funktioniert das System organisatorisch immer nicht nicht: Manche Dozenten nutzen es, manche nicht, manche nur für einzelne Veranstaltungen. Und für Studierende ist es oft schwierig herauszufinden, wie sie sich für welches Seminar anmelden können.

 

Proteste der Biologiestudierenden

 

 

Den Studierenden der Biologie reichte es. Deshalb haben sie ihrem Ärger Luft gemacht und am 27. April auf der Senatssitzung ihre Probleme vorgetragen. Die Professoren versprachen zwar Hilfe, konkrete Lösungen hatten sie aber nicht parat.

 

 

Also ging der Protest weiter: Am 3. Mai versuchten mehr als 100 Studenten, sich in einen Laborraum zu quetschen. Das rief die komplette örtliche Presse und damit auch den Uni-Kanzler auf den Plan. Und es hat etwas gebracht: Mitte Mai trafen sich Verantwortliche und Studierende. Der Umbau der Räumlichkeiten für die Chemie ist erst für 2011 geplant, doch bereits jetzt sollen provisorische Umbaumaßnahmen vorgenommen werden. Daran beteiligen sich Studierende eifrig: sie bringen Vorschläge ein und gestalten den Umbau mit. Noch dauert der Prozess des Umbaus jedoch an.

 

 

"Niemand kann einem weiterhelfen": Die Wut der Studierenden wächst...

 

Janina Boeckmann und Agnes Görlich:

"Unsere Kurse waren am Anfang viel zu groß. Damit nicht so viele ohne Veranstaltung dastehen, wurden wir in Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hat nun statt zwei Stunden Seminar pro Woche nur noch eine halbe."

Anne Uvermann und Mira Rausche:

"Wir müssen für ein Praktikum einen Vorbereitungskurs machen. Den konnten wir aber nicht belegen. Wir wissen nicht, ob wir das Praktikum trotzdem machen können. Und niemand kann einem weiterhelfen."

 

 

Jessica Krekenbaum:

"Studium und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist eh schwierig. Aber so habe ich noch weniger Zeit für meinen Sohn und mich. Freizeit habe ich kaum noch. Ich war so gefrustet, als ich in den ersten Tagen nach Hause kam."

Nina Di Nunzio:

"Ich werde meinen Job schmeißen müssen, weil sich wegen der Teilungen und Blockseminare mein ganzer Stundenplan geändert hat. Ich muss meinem Chef immer wieder absagen. Das wir nicht lange gut gehen."

 

FOTOS: Sebastian Rothe

VON SEBASTIAN ROTHE

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