Start

Stadt

Campus

Kultur

Sport

WM 2006

Service



 

Orientalische Klänge im Figge-Keller

Rommel Ayoub spielt die arabische Laute Oud.

Durch eine dünne, blaue Gardine mit goldenen Sternen tönt die Musik in den Flur hinaus: Langsame, geschmeidige Melodien erzählen von alten Zeiten und fernen Ländern; komplizierte, gefühlvolle Trommelrhythmen zeichnen vor dem inneren Auge das Bild arabischer Tänze. Die Trommeln werden immer leiser, während die Geige zu einer lyrischen Erzählung ansetzt.

 

 

Das Singen und Klagen der Geige erfüllt den kleinen, von Teelichtern spärlich beleuchteten Raum, bis die anderen Instrumente zu einem ungewöhnlichen, aber melodischen Chorus einsetzen, der zum Schluss immer schneller und lauter wird. Wir scheinen in einer Erzählung aus tausendundeiner Nacht zu sein.

 

Doch wir sind weder in Scheherazades Palast noch auf dem Basar von Damaskus, sondern in einem kahlen Kellerraum der Emil-Figge-Straße 50. Auf der Bühne sitzen fast ausschließlich Europäer, die neben Trommeln auch ur-europäische Instrumente wie Saxophon, Querflöte oder Bass spielen. Und dennoch - wenn man die Augen schließt, kehrt die Illusion orientalischer Exotik zurück. Eine Illusion, die am Ende eines Semesters intensiver Proben steht: Die Interpreten, Dortmunder Musikstudierende, haben an einem Seminar über arabische Musik teilgenommen.

 

"Arabische Musik ist wie meine Muttersprache"

 

Arabische Rhythmen: Trommeln gehören
natürlich dazu.

Rommel Ayoub dirigiert die Musiker mit sparsamen Gesten und Blicken. Für ihn, den einzigen Araber auf der Bühne, sind die orientalischen Klänge "wie eine Muttersprache". Der gebürtige Jordanier hat in seinem Heimatland einen Bachelor in Musikwissenschaft gemacht, jahrelang als Musiklehrer gearbeitet und im jordanischen Rundfunkorchester Geige gespielt. Dann kam er nach Deutschland, um zu promovieren - inzwischen studiert er in Dortmund im 6. Semester Musik. In einem Seminar über "außereuropäische Musik" bei Prof. Günther Rötter kam ihm die Idee, anderen den kulturellen Reichtum der arabischen Welt näher zu bringen. "Prof. Rötter war sofort begeistert und hat mich unterstützt", berichtet Rommel Ayoub. So bot Rommel vor einem Jahr erstmals ein theoretisches und ein praktisches Seminar über arabische Musik an.

 

Das Konzept bewährte sich - und so gab es im vergangenen Semester eine Neuauflage. Die Teilnehmer des Praxisseminars bilden an diesem Abend das Ensemble, der Seminarleiter spielt Geige, Trommel und Oud (arabische Laute). Gemeinsam wollen sie das Publikum "ein Stück der arabischen Kultur hautnah erleben" lassen, wie es Rommel formuliert.

 

Rommel Ayoub über sein Verhältnis zur arabischen Musik (19s/156KB)

 

Die arabische Musik sei für europäische Ohren schwer zu verstehen, hat Rommel Ayoub sein überwiegend deutsches Publikum vorgewarnt. Seiner Sorge zum Trotz lassen sich die Zuhörer von den schwungvollen Rhythmen rasch mitreißen, und manche eingängige Melodie klingt beinahe vertraut. Sobald das anfängliche Fremdeln überwunden ist, erschließt sich ein völlig neues Klanguniversum voller Feingefühl und Schattierungen. Leise und laute Passagen wechseln sich ab, auf melancholische Solo-Improvisationen folgen leichtfüßige Melodien mit Ohrwurm-Qualitäten.

 

Sänger Sebastian Stockey mit Rommel
Ayoub (links) vor dem Ensemble.

Intro von "Zikrayat" mit Rommel Ayoub an der Oud-Laute (39s/305KB)

 

Phantasievolle Verzierungen, Synkopen, Temposchwankungen und die besondere Spielweise der Instrumente geben der Musik ihren einzigartigen Charakter. Geige und Flöten schmieren die Töne in butterweichen Glissandi hinunter, die Trommeln werden mal fest geschlagen, mal ganz zart mit den Fingern geklopft.

 

Langes Trommel-Intermezzo in "Longa Nahawand" (2:14min/1MB)

VON STEFAN DIETRICH

« Zurück


 
   

  Start    Stadt    Campus    Kultur    Sport    WM 2006    Service  

Copyright © 2000 - 2006 donews.de