| Jazz aus dem Stegreif | ||||||||
(InDOpendent) Bier, Zigaretten und jede Menge gute Musik - mitten in Dortmunds Innenstadt gibt es immer montags eine Jazz-Session. Mitmachen erwünscht. Auch Laien-Jazzer sind gern auf der Bühne gesehen.
Alexander Lex ist erst 16 und trotzdem bewegt er sich so selbstsicher im Raum, als gehöre er schon zu den alten Hasen. Er will am Abend auftreten, trotzdem wirkt er ruhig und entspannt. Alex ist seit acht Jahren Schlagzeuger. Sein erster Auftritt in einem Club liegt schon vier Jahre zurück. Er geht noch zur Schule, aber seine Leidenschaft gehört der Musik. Nichts ist ihm wichtiger, als spielen zu können.
Montags ist Jazz-Tag
Deshalb ist er heute im "domicil", einem Jazzclub in der Dortmunder Innenstadt. Immer montags ist dort Session. Ohne festes Programm, ohne eingeladene Band. Jeder kann kommen und mitspielen, egal ob Laie oder Profi. Der Eintritt ist frei. "Du weißt vorher nie genau, ob du dran kommst, oder nicht. Die Musiker auf der Bühne werden einfach wild zusammengewürfelt. Meistens hast du vorher noch nie mit ihnen gespielt", sagt Alex.
Um kurz nach neun eröffnet die Big Band der Musikschule Dortmund den Abend. Sie spielen Altbekanntes von Frank Sinatra und Co, während das Publikum zuhört, verhalten mitswingt, an der Bar steht und sich unterhält. Eingefleischte Jazzfans sind genauso unter den Besuchern, wie das ältere Ehepaar, das nach dem Einkaufsbummel einfach mal reinschaut.
"Förmlichkeiten gibt's hier nicht", sagt Alex. Und so ist die Stimmung in dem kleinen Club, der ungefähr 150 Personen fasst, entspannt und locker. Viele kommen, um einfach nur dabei zu sein: Musik hören, Freunde und Kollegen treffen, quatschen, Bier trinken und jede Menge Zigaretten rauchen.
Die Musik ist der Mittelpunkt
Während des ersten Auftritts ist es voller geworden und die Leute drängen näher zur Bühne. Spannung liegt in der Luft. Pablo Held, der Pianist und sein Trio aus Schlagzeug, Bass und Posaune kommen jetzt auf die Bühne, stimmen lässig ihre Instrumente, nippen ab und an an ihren Bier-Gläsern. Pablo schnipst mit den Fingern, er gibt den Takt vor, in der anderen Hand eine Zigarette. Die anderen nicken. Und los geht's - ohne Noten, ohne Absprache. Sie improvisieren, fantasieren und holen das Letzte aus ihren Instrumenten heraus. Jetzt steht die Musik im Mittelpunkt. Laut dringt sie auch in die hinterste Ecke und es gibt keinen, den der Beat und die Melodie nicht packen, der nicht mitwippt oder den Takt mit dem Fuß klopft. Spontaner Beifall zwischen den Soli. Der Posaunist spielt weiter mit geschlossenen Augen, völlig vertieft in seine Musik.
Als Musiker Geld verdienen
Alex hat leuchtende Augen. Ein wenig ist Pablo sein Vorbild. Pablo ist erst 19 und hat schon jede Menge Preise gewonnen. Seit einem Jahr studiert er in Köln an der Musikhochschule. Das will Alex auch. Seinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen. Deshalb nimmt er an der "Glen Buschmann Akademie" Unterricht und fährt dafür mehrmals in der Woche von Arnsberg nach Dortmund.
Jetzt ist die Bühne frei für alle. Ein Saxophonist und ein Gitarrist gesellen sich mit einem selbst komponierten Stück zu den Vieren auf die Bühne. Nach einem kurzen Blick auf die Noten haben die Musiker das Stück drauf. Und schon geht es weiter. Es ist spät geworden, aber die Warterei hat sich gelohnt. Jetzt darf auch Alex endlich spielen. Mit einem bunt gemischten Ensemble geht er auf die Bühne. Sogar ein Akkordeon ist dabei. Hansastr 7-11 Eintritt frei Der Pianist gibt die Tonart vor. Dann legen sie los. Einfach so. Ohne sich zu kennen. Amateure und Profis wild durcheinander gemischt.
Die Luft ist rauchig und verbraucht. Und heiß ist es, aber die Nacht ist noch nicht zu Ende. Und so lange die Stimmung gut ist, wird weitergespielt. Manchmal auch bis fünf Uhr früh. Nur Alex ist nicht zufrieden. "Wir waren zwar schlecht, aber es war 'ne Gelegenheit zu spielen." Und deshalb wird er auch nächsten Montag wieder ins domicil kommen. Um Musik zu machen und anderen zuzuhören.
FOTOS: Maike Freund | ||||||||
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