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So klingt die Welt

Mit Herzblut dabei: Cezmi, Paul Roos (r.)

Türken, Kurden und Russen gehören dazu. Auch Deutsche, Afrikaner und Asiaten. Sie spielen Keyboard und Gitarre, Saz, Oud und Bongos. Einer von ihnen ist der Saxophonist Paul Roos. donews sprach mit dem 45-Jährigen über seine amüsanten und lehrreichen Erlebnisse mit Ethnoah. Die Gruppe gründete sich vor  zwei Jahren im Dietrich-Keuning-Haus, mitten im sozialen Brennpunkt Nordtstadt. Sie war zunächst Teil des "Kontra"-Projekts gegen Fremdenfeindlichkeit. Daraus wurde eine multikulturelle und musikalische Institution.  

 

 

Wenn Ethnoah auftritt, stehen  bis zu 15 Musiker mit völlig verschiedenen Charakteren auf der Bühne. Geht das gut?

Wir alle stecken unser Herz in die Musik. Das unterscheidet uns von anderen Bands. Wir schaffen es, aus der kulturellen und menschlichen Vielfalt etwas Fruchtbares, Neues zu machen. Unsere Fans sagen, man sehe uns an, wieviel Spaß wir aneinander haben. Das stimmt. Es ist nicht nur die Musik, die uns verbindet, auch das Menschliche spielt eine wichtige Rolle. Trotzdem läuft nicht immer alles harmonisch. Manchmal fliegen sogar ganz schön die Fetzen.

 

Ethnoah live im "domicil" Dortmund (1:01min/956kB)

 

Wann denn das?

Wenn es zum Beispiel darum geht, wie wichtig es ist, pünktlich zum Soundcheck vor dem Konzert da zu sein. Oder auch um musikalische Feinheiten. Wir diskutieren aber immer alles aus. Dafür braucht man manchmal unglaublich viel Geduld. Das Schöne ist: Wir finden immer eine Lösung, die alle zufrieden stellt. Es ist nie ein fauler Kompromiss. Jeder kann sich auf den anderen verlassen.

 

 

Gilt das auch für den privaten Bereich?

 

 Handgemachter Sound

Es gibt Freundschaften, die neben der Band existieren. An meinem Geburtstag waren zum Beispiel fast alle da. Ein paar Musikerkollegen sind zu engen Freunden geworden. Ohne Ethnoah wären diese Kontakte wahrscheinlich nie entstanden. Das hat aber nichts mit Nationalitäten oder mit dem Geburtsort zu tun. Es kommt vielmehr darauf an, dass man jemanden sympathisch findet und dass es etwas gibt, das man zusammen macht. das einen verbindet. Egal ob Deutscher, Türke oder Russe.

 

 

Ein Sprichwort sagt: Andere Länder, andere Sitten. Was können die Musiker voneinander lernen?

Dass man den anderen so akzeptiert, wie er ist, mit seinen Stärken und seinen vermeintlichen Schwächen. Persönlich habe ich gelernt, die Dinge mehr auf mich zukommen zu lassen, statt immer zielstrebig und mit sturem Plan etwas Bestimmtes erreichen zu wollen. Wie Picasso gesagt hat: "Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer." Ich fühle mich erheblich gelassener, seit ich mit Ethnoah musiziere.

 

 

Ethnoah entstand in der Dortmunder Nordstadt aus einem Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit. Ist die Band ein Vorbild für ein friedliches Miteinander von Ausländern und Deutschen?

Richtig gute Vorbilder ernennen sich nicht selbst dazu, sondern werden von den Menschen gewählt. Wir treten nicht mit dem Anspruch auf, Vorbild zu sein. Das wäre sicherlich vermessen. Natürlich freuen wir uns, wenn unser Beispiel Schule macht.

 

 

Ist die Band mit den Bewohnern der Nordstadt besonders eng verbunden?

 

 Wie eine Familie: die Musiker von Ethnoah

Manche Musiker wohnen und arbeiten in der Nordstadt, ich selbst arbeite auch dort. Das Dietrich-Keuning-

Haus war bei unserem ersten Konzert mit 300 Zuhörern rappelvoll. Unsere Wurzeln befinden sich ganz klar im Keuning-Haus, wo uns Proberaum und Anlage kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dafür sind wir sehr dankbar.

 

 

 

Was war für Sie der schönste Augenblick mit Ethnoah?

Schwerz zu sagen, es gibt immer wieder tolle Momente. Neulich gaben wir ein Konzert in Kamen. Anlass waren 40 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Jerusalem. Bevor wir auftraten, hatten die Gäste schon ein anstrengendes Programm mit langen Reden hinter sich. Als wir dann auf der Bühne loslegten, waren wir uns erst nicht sicher, ob wir mit unserer Musik den Geschmack der Leute treffen. Viele waren zwischen 50 und 60 Jahre alt. Aber wir brachten sie zum Tanzen, das war ein unvergesslicher Abend.

 

 

Was ist für Sie das Wichtigste am Musik machen?

Musik ist eine universale, verbindende Sprache, die Kommunikation noch ermöglicht, wenn es mit Worten schwierig wird. Wir alle machen Musik aber vor allem, um die Herzen zu öffnen und Freude zu verbreiten. Klingt vielleicht banal, ist aber sooo wichtig!

 

 

Demnächst erscheint die erste CD, aufgenommen in einem Dortmunder Studio. Auf dem Cover ist von Weltmusik die Rede. Was bedeutet das?

 

 Unnachahmlich: die Jam-Session im "domicil"

Das ist unser Stil: weltoffen. Wobei unser Schwerpunkt auf orientalische Einflüsse zurückgeht, aber auch russische, mazedonische und andere Wurzeln hat. Wir komponieren gerne eigene Stücke, spielen aber auch Lieder aus verschiedenen Ländern nach. In fremde Werke bauen wir Rap, Jazz oder Soli-Einlagen ein, so dass immer etwas eigenes daraus entsteht. Improvisationen bekommen bei uns viel Platz, auch auf Konzerten. Und die Leute fragen uns immer ganz begeistert nach einer CD. Die Zeit war reif für ein kleines Album.

 

 

Hörprobe von der ersten Studio-CD (3:37min/4,13MB)

 

 

Längst spielt die Band außerhalb von Dortmunds Stadtgrenze. Wo führt die musikalische Reise hin?

Die Stadt Dersim in der Osttürkei will uns für einen Auftritt bei einem Festival engagieren. Von der türkischen Metropole Izmir liegt uns auch eine Anfrage vor. Aber natürlich müssen wir es erstmal hinkriegen, uns hier in der Region einen Namen zu machen. Ein Meilenstein wird hoffentlich der Auftritt auf dem Micro!-Festival im August in Dortmund.

 

 

Die nächsten

Auftritte von

Ethnoah:

 

 Traditionelle Instrumente kommen zum Einsatz

 

25. Mai und 22. Juni:

Offene Jam-Session im Jazzclub "domicil" Dortmund, Leopoldstr. 60

 

18. Juni:

Altstadtfest Kamen

 

1. Juli:

Dietrich-Keuning-

Haus, Leopoldstr. 50-58

 

19. August:

Mirco-Festival Dortmund

 

Fotos: Michael Schulte / PR

 

 

VON MICHAEL SCHULTE

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