| Umwelt soll der Sieger sein | ||||||
Nach einem Stadionbesuch möchte kein Fußballfan freiwillig aufräumen: Müll, Essensreste, Bierlachen sollen andere wegputzen. Über den Stromverbrauch der Flutlichter macht sich der Sportbegeisterte wohl kaum Gedanken, auch nicht über die Abgase in der Luft auf der Heimfahrt mit dem Auto. Doch an die Umwelt muss gedacht werden, vor allem bei einem so großen Ereignis wie der WM.
Ein Arbeitskreis kümmert sich deshalb in Dortmund um "Green Goal". Ein Konzept, dass das Organisationskomitee der WM zusammen mit der Bundesregierung für alle zwölf WM-Städte abgestimmt hat - keine Verpflichtung allerdings, sondern eine Richtlinie. Dr. Rainer Mackenbach, stellvertretender Leiter des Umweltamtes der Stadt, hat den zweiten Platz im Vorstand übernommen und kümmert sich um Projekte vor Ort. Großes Ziel von "Green Goal": Wasserbedarf, Abfallmenge und Energieverbrauch vor allem im Stadion, aber auch die Treibhausgase durch den Verkehr um jeweils 20 Prozent herunterzuschrauben. Unterstützung leistet das Öko-Institut in Berlin. Um alle beteiligten Spielstätten zu vernetzen, soll es in einigen Wochen eine eigene Webseite zu "Green Goal" geben.
Werbung im WM-Globus für das Konzept
Vorher aber kommt der WM-Globus nach Dortmund. Zum Auftakt am 22. Februar will Mackenbach rund 100 Gäste einladen, die sich dort mit dem Konzept von "Green Goal" vertraut machen und Anregungen für den eigenen Betrieb holen sollen. Angedacht ist, Firmen oder beispielsweise Restaurantbetreibern, die während der WM Öko-Strom beziehen oder ausdrücklich regionale Produkte verwenden, mit einem offiziellen "Green Goal"-Siegel zu kennzeichnen. Werbung für die Unternehmer. Aber es spiegelt auch ihre Rolle als Multiplikator für Umweltbelange wider. "'Green Goal' geht drei Gruppen an: die Stadionbetreiber, die Stadt und auch die Bürger", sagt Mackenbach. Vor allem letztere sollen sich ausdrücklich in die Pflicht genommen und nicht ausgegrenzt sehen. "In den Globus passen nun mal nicht so viele, und das wird nicht die letzte Veranstaltung dieser Art sein", verspricht Mackenbach.
Jugend soll Ideeen liefern
In diesem Jahr ist die Jugend aufgerufen, ihren Beitrag zum Umweltschutz bei der Weltmeisterschaft zu leisten. Der jährliche Jugendumweltpreis läuft 2005 unter dem Motto "WM 2006 - mehr als grüner Rasen" und will Ideen sammeln, wie am besten gefeiert werden kann - umweltfreundlich natürlich. Bis Ende März können Kinder und Jugendliche ihre Vorschläge bei der nächsten Party möglichst gleich in die Tat umsetzen und dokumentieren. Der Preis wird dann im Juni vom Umweltamt vergeben. Mackenbach erhofft sich von der Aktion einige gute Einfälle, die dann noch bis 2006 im großen Maßstab umgesetzt werden könnten.
Die Sonne soll den Strom liefern
Statt auf dem Westfalenstadion wird eine geplante Photovoltaik-Anlage jetzt auf der neuen Messehalle 3b entstehen. Dazu kommt die Anlage auf der Eissporthalle, so dass zusammen im Jahr 500.000 Kilowattstunden aus Solarenergie gewonnen werden können. Die Strommenge für etwa 120 Vier-Personen-Haushalte. "Das muss man aber virtuell sehen", erläutert Mackenbach. Schließlich kann die WM nicht auf Sonnenschein warten. Der Solarstrom wird einfach mit ins Netz eingespeist. Trotzdem kann mit der zusätzlichen regenerativen Energie hauptsächlich das Stadion und das Pressezentrum für die sechs Spiele versorgt werden.
Regenwasser plätschert in die Emscher
Allein die Bewässerung des Fußballfeldes wird 40 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs ausmachen. Eine Zisterne, in der 25.000 Liter Regenwasser gesammelt werden können, soll an ein Kreislaufsystem angeschlossen werden. Doch im Gespräch ist auch ein Projekt mit dem Abwasserentsorger Emschergenossenschaft. Statt im Gulli zu verschwinden soll das Regenwasser über sichtbare Kanäle zum Beispiel am Rande der Wege vom Stadionumfeld in die Emscher geleitet werden. Ganz nebenbei könnte so ein natürlicher Hingucker entstehen. Die Finanzierung ist noch nicht geklärt, eine Entscheidung müsste laut Mackenbach aber bis zum Sommer fallen, damit das Ganze noch rechtzeitig umgesetzt werden kann.
Entscheidend ist aber nicht nur hier, dass ein Projekt eine längere Lebenszeit haben soll als ein paar Wochen Weltmeisterschaft. "Wir wollen das Ereignis als Aufhänger benutzen, um weitere Umweltkonzepte anzustoßen", sagt Mackenbach. Eben über alternative Wege für Regenwasser nachzudenken. Oder Betriebe auf Dauer für Öko-Strom und regionale Produkte zu begeistern. Denn die Fußballfans reisen wieder ab - die Umweltprobleme bleiben trotzdem.
Fotos: Fischborn/PR
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