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Die Stadt zu Füßen

Nicht zu übersehen: das Wahrzeichen der Stadt.

Die Individualität des Ruhrpott-Ortes Dortmund lässt sich besonders aus luftiger Höhe einmalig empfinden. Denn dann verschmelzen Wohnblöcke und Ruhrpott-Reste mit Flüssen und Grünflächen zu einer einmaligen Landschaft.

 

Der Wunsch nach einem Fernmeldeturm entwickelte sich aus der Suche nach einer Attraktion für die erste Bundesgartenschau (Buga) 1959. Seitdem hat die Stadt ihr Gesicht deutlich verändert, auch durch den Strukturwandel. Und von wo könnte man den Überblick besser behalten als von oben?

 

Hobby-Stadtführer Stefan Kolsk (7s/184kB)

 

Der Dortmunder Architekt Will Schwarz kombinierte damals einen Aussichtsturm mit einer rotierenden Café-Plattform - und erhielt den Zuschlag, Der Entwurf konnte realisiert werden, da die Deutsche Bundespost Interesse an einem geeigneten Sendemast hatte und sich an den Baukosten beteiligte. Zudem stellte die Firma Hoesch Zement und Stahl bereit, so dass der erste Spatenstich am 22. Mai 1958 erfolgen konnte. Innerhalb eines knappen Jahres Bauzeit entstand im Westfalenpark der - mit 220 Metern - zeitweise höchste Turm Deutschlands. 

 

 

 Einmal Rundumblick, bitte!

Auf 133 Metern liegt eine Plattform für Wirtschafts- und Maschinenräume, direkt darüber in 137,46 Metern das Turmrestaurant. Die atemberaubende Aussicht für schwindelfreie Touristen gibt es auf 141,88 Metern. Darüber die Räume der Post in 151,55 Metern.

 

Weniger als eine halbe Minute braucht der Aufzug vom Erdgeschoss bis hoch zur Panorama-Galerie. Statt Stockwerken werden hier Höhenmeter gezählt. Eine Ablenkung, die die Angestellten des Westfalenparks nicht mehr wahrnehmen. An ruhigen Tagen übernehmen sie rund 150 Mal die Rolle des Liftboys und begleiten die Gäste hinauf und wieder hinunter. 

 

Turmfräulein Claudia über Höhenkranke (18s/440kB)

 

Bei der Namensgebung des 1998/99 renovierten und daraufhin als Baudenkmal geschützten Turmes war man sich nicht sofort einig. Kumpel Anton und Emscherspargel blieben Florian dann ebenso erspart wie Dortmunder Zeigefinger und Langer Lulatsch. Der Suche setzten dann einige Studenten ein Ende, die 1959 auf einem Werbeplakat die Bundesgartenschau durch einen Bergmann mit einer Blume in der Hand präsentierten. Da der Schutzpatron der Gärtner "Florian" heißt, hat sich in der Bevölkerung dieser Name für den Turm verselbstständigt.

 

 

Seit 2003 springt hier keiner mehr.

Nach der Renovierung schaffte es Florian sogar ins Guiness-Buch der Rekorde: Das Westfalenparkbüro hängte, zur Neueröffnung am 19. September 1999, eine 58m lange und 11m breite Krawatte, mit einem Gewicht von 500kg, an den Turm. Seit dem Umbau wartet der Florianturm zudem mit Adrenalin-Spezialitäten für seine Besucher auf. So sind zum Beispiel Eheschließungen auf dem Turm möglich. Seit einem Unfall im Jahr 2003 ist die Bungeesprunganlage allerdings geschlossen.

 

Ein Ostfriese im Ruhrpott (11s/278kB)

 

Wem es nur nach der schönen Aussicht dürstet, der kann täglich zwischen 10 und 23 Uhr für zwei Euro Park- und 1,70 Euro Turm-Eintritt in die Luft gehen. Kinderwagen und Hunde müssen dabei draußen bleiben. Auch für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer verbieten die Sicherheitsvorschriften die Turmreise. Alter ist jedoch kein Hindernis und so zieht es Dortmunder vom Kindergarten bis zum Ruhestand immer wieder hinauf.

 

Wiederholungstäterin live (12s/289kB)

 

 

 

 Das Gästebuch.

Von der sicheren Panorama-Galerie mit Gitter und mehreren Ferngläsern (einmal Durchblick für 50 Cent) führt eine blaue Wendeltreppe aus Metall noch ein paar Meter höher. Auf diesem Rundgang bläst der Wind noch ein paar Stärken mächtiger. Wer dort etwas länger verweilt, entdeckt die gekritzelten Botschaften auf dem Beton der Turmwand. Liebespaare und Heimkehrer haben sich da verewigt. Und freuen sich mitunter schon auf das nächste Treffen in luftiger Höhe.

 

Puls: 132 Schläge pro Minute beim Blick hinab

Herz: Mit Weitblick lassen sich hier Beziehungen planen und Nerven kitzeln.

Schwindelfreiheit: 100 Prozent

 

Ein Platz zum Verlieben

 

 

 Der Gedenkturm.

Wer es lieblich-romantisch und weniger schwindelerregend mag, der sollte anstelle des Florian die Fahrt zur Ruine Hohensyburg auf sich nehmen. Es findet sich eine minder-städtische Facette samt wildromantischer Reste einer mittelalterlichen Steinburg der Herren von Sieberg auf dem Gelände einer ehemaligen sächsischen Flieburg, die 775 von den Franken unter Karl dem Großen erobert wurde. Um 1100 wurde eine rechteckige Burg aus Ruhrsandstein innerhalb der Wallburg zur Sicherung des Reichshofes Westhofen erbaut. Heute sind von der einst stattlichen Trutze nur noch Bergfried, Palas (Wohnhaus), ein zweiter Wehrturm, der Mauerring und die vorgelagerten Wälle um die Hofanlage zu erkennen, da die Anlage Ende des 13. Jahrhunderts durch Graf Eberhard I. von der Mark teilzerstört wurde. Die Burg war seit 1300 kaiserliches Lehen der Grafen von der Mark. Dieses Lehnsrecht ging 1609 an Brandenburg, später an Preussen über. Von 1810 bis 1844 im Besitz des Freiherrn Ludwig von Vincke, dann der Provinz Westfalen, ging die Burg 1945 ins Eigentum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe über und zeigt ein Kriegerdenkmal von Fritz Bagdons (1930).

 

 

 Weitblick übers Land.

Die Burgruine liegt in einem Naherholungsgebiet mit Park, Minigolfplatz und Spielcasino. Auf dem Hengstey-See unterhalb der Burg kann man Bootfahren. Die zauberhafte Landschaft ist dabei nicht nur heute beliebt. Ist doch der Erhalt der Ruine nicht zuletzt Ludwig Freiherr von Vincke, dem ersten Oberpräsident der Provinz Westfalen im 19. Jahrhundert, zu verdanken. Von Vincke legte im Bereich der Ruine weitläufige Gartenanlagen an, da die Burgruine zu seinen bevorzugten Aufenthaltsorten zählte. Ein architektonisch ans Mittelalter angepasster Gedenktum nahe der Ruine erinnert noch heute an den feingeistigen Freiherrn, auf dessen Spuren nicht nur im Herbst ausgiebig flaniert werden kann. 

 

Puls: 80 Schläge pro Minute nach gemütlichem Aufstieg

Herz: Romantischer geht's kaum, bei Regen eben unterm Schirm.

Schwindelfreiheit: 20 Prozent

 

Fotos: Lis Kannenberg

VON LARISSA BEU, LIS KANNENBERG, OYINDAMOLA ALASHE

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