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"Ein Tennismatch habe ich nach 24 Stunden abgehakt"

Rainer Schüttler ist derzeit die Nummer sechs in der Welt.

Es ist typisch, dass man sich länger über verpatzte Chancen ärgert, als sich über Erfolge zu freuen. Geht es Ihnen ähnlich? Denken Sie auch, "was wäre, wenn ich bei den Australian Open oder beim Masters in Houston gegen Agassi gewonnen hätte"?

Ein Tennismatch habe ich nach 24 Stunden abgehakt. Und wenn man bei einem großen Turnier wie einem Grand Slam oder der ATP-Weltmeisterschaft ins Finale oder Halbfinale kommt, dann denkt man einen Tag danach eher an die gute Leistung, die man bis dahin gebracht hat als an die Niederlage.

 

Apropos Agassi: Ist der US-Amerikaner Ihr Angstgegner?

Agassi ist ein Ausnahmespieler. Und ich habe 2003 gegen ihn im Finale der Australien Open glatt verloren. Und acht Monate später beim Masters Turnier in Montreal in drei Sätzen gewonnen. Und auch beim Halbfinale in Houston habe ich ihm das Leben ganz schön schwer gemacht. Ich würde nicht sagen, er ist ein Angstgegner. Eher macht es unheimlich viel Spaß, gegen ihn in einem Top-Turnier anzutreten.

 

Sie gehören zu den besten zehn Tennisspielern der Welt. Dennoch hört die Tennisfangemeinde in Deutschland nicht auf zu jammern, dass es keine Topspieler wie Boris Becker oder Michael Stich mehr gibt. Macht Sie das wütend?

Das sehen Sie wohl falsch. Wenn man bei der "Wahl des Sportler des Jahres" in Deutschland Vierter wird, wenn fast zwei Millionen bei Eurosport mein Match gegen Andre Agassi einschalten, dann sind das eher die Medien, die dieses Klischee verbreiten. Ich bin den vielen Fans für ihre Unterstützung sehr dankbar.

 

Hält der Höhenflug an? Rainer Schüttler arbeitet

auf jeden Fall hart daran, sich stetig zu verbessern.

 

Denken Sie, dass ist typisch deutsch, dass man hierzulande lieber kritisiert als lobt?

Das wird oft gesagt.

 

Wie würden Sie sich einschätzen? Sind Sie typisch deutsch?

Es ist wohl sehr schwer, typisch deutsch zu definieren. Und ich rede und denke nicht gerne in Klischees.

 

Bisher haben Sie sich im Laufe Ihrer Karriere immer stetig auf der Rangliste verbessert. Bald geht es aber nicht mehr weiter bergauf. Eigentlich kann es ja nur noch schlechter werden...

Dass ich den Weltrekord habe, mich zehn Jahre als einziger Spieler jedes Jahr verbessert zu haben, ist Ansporn, keine Belastung. Ich setze mir Ziele, will die erreichen. Und ein Ziel ist jedes Jahr, mich zu verbessern. Ich messe das nicht nur an der Weltrangliste, sondern man merkt auch selber, ob man als Tennisspieler sich weiterentwickelt hat. Und noch sind ja fünf Spieler vor mir in der Weltrangliste.

 

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg? Ist vielleicht der "rote Blitz"schuld?

Wenn Sie mein Fila Hemd meinen, das hat mir schon gefallen. Das war ja auch schnell ausverkauft. Und mein neues Hemd ist auch ein Renner. Da melden sich schon jetzt viele auf meiner Homepage, die das neue Shirt haben wollen, obwohl es erst im Februar in den Handel kommt. Aber auf dem Platz muss ich schon noch selber gewinnen. Nicht das schönste Shirt gewinnt das Match. Aber mir gefällt es schon, dass Fila zur Zeit das beste Design hat.

 

Stichwort "roter Blitz": Wieweit würden Sie für einen Sponsor gehen? Wenn man Ihnen sagen würde, sie bekommen einen noch höher dotierten Vertrag, müssten dafür aber wie Roddick Ihr T-Shirt zerreißen und oder Späße á la Noah machen.

Späße a la Noah sind doch super. Aber dazu muss man geboren sein. Ich habe nicht seine Entertainer-Fähigkeiten. Und mit Fila als Sponsor habe ich gar keine Probleme. Die wollen wohl eher nicht, dass ich ihre schönen Shirts zerreiße.

 

Ein Paar? Rainer Schüttler (5. v. l.) und Ex-Brosis-

Sängerin Indira (r.).

 

Was für private Ziele hat ein Rainer Schüttler? Im vergangenen Jahr wurden Sie ja häufiger mit der Ex-Brosis-Sängerin Indira gesehen. Gesellen Sie sich bald zu den Promi-Paaren?

Schlecht recherchiert.

 

Hat sich durch den großen Erfolg im vergangenen Jahr etwas für Sie verändert?

Privat nicht, da bin ich noch mit den gleichen Leuten zusammen, wie vor dem Jahr 2003. Aber die Öffentlichkeit nimmt mich schon mehr zur Kenntnis. Und das so viele Fans mich unterstützen, das ist schon ein großer Ansporn.

 

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Zuerst einmal Gesundheit.

 

Fotos: GERRY WEBER Management & Event GmbH (HalleWestfalen)

VON SIMONE ZETTIER

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