| Die Welt zu Gast bei Julio | ||||||
Sind sie nun Lichtgestalten? Oder Legenden? Oder beides? Auf jeden Fall sind sie die Besten der Besten in Sachen Fußball. Und am Sonntagabend (18.15 Uhr) geben sich Diego Armando Maradona, Roger Milla, Bebeto und Co. noch einmal die Ehre, obwohl fast alle ihre Fußballschuhe längst an den Nagel gehängt haben. Zu verdanken ist dieses Staraufgebot Julio César.
Von 1994 bis 1999 trieb der Hüne im BVB-Trikot gegnerische Angreifer zur Verzweiflung. Seine größten Erfolge feierte er im Dress der Borussen: Champions League-Gewinn und Weltpokal 1997, Deutsche Meisterschaften 95 und 96. Jetzt kehrt er zurück: Der inzwischen 41-Jährige gibt sein Abschiedsspiel im Westfalenstadion. "Der BVB ist immer ein Teil meines Herzens geblieben", bekundet Julio César im Vorfeld seine Liebe zu seinem Ex-Klub. Für ihn stand es außer Frage, sein Abschiedsspiel in Deutschland, im Westfalenstadion, zu feiern. "Die Entscheidung fiel spontan."
Wie in besten Zeiten
Ohne zu zögern, sagten dem einstigen Weltklasse-Vorstopper Freunde aus der Fußballbranche zu. "Wir hatten innerhalb von sieben Stunden alle Spieler zusammen", sagt Christian Howaldt, Julios Manager. "Ich habe selten einen Leistungssportler mit so einer Reputation erlebt." Die Aufstellung lässt jedes Fanherz höher schlagen: Maradona (abgespeckt und clean), frühere Kollegen aus der brasilianischen Nationalmannschaft wie Dunga, Paulo Sergio oder Aldair, Begleiter aus der Bundesliga wie Elber, Andi Herzog und Thomas Häßler sowie viele weitere Stars bilden "Julios Freunde" - trainiert von Giovanni Trappatoni. Auf der anderen Seite steht die vielleicht beste Elf der Dortmunder Vereinsgeschichte: das Siegerteam von 1997. Mit dabei u.a. Jürgen Kohler, Matthias Sammer und Michael Zorc, der sich laut BVB-Pressesprecher Josef Schneck schon eifrig mit Waldläufen vorbereitet. Im Trenchcoat an der Seitenlinie wird wie zu besten Zeiten Ottmar Hitzfeld Regie führen.
In 19 Ländern live übertragen
Christian Howaldt betont, dass es für alle Spieler eine "Selbstverständlichkeit" war, ins Westfalenstadion zu kommen. "Das Wort Honorar ist nie gefallen." Selbst Diego Maradona folgte der Einladung zum Spiel, als ob er zum Mittagessen bei Julios Mutter verabredet sei. Der Argentinier schwört auf deren Kochkünste und ist vielleicht auch deshalb langjähriger Freund der Familie. Mindestens genauso gute Erinnerungen wie Maradona an den Eintopf hat Julio César an seine zweite Heimat Dortmund: "Eine wunderbare Zeit, wunderschöne Menschen, wunderschöne Stadt." Mit einem wunderschönen Stadion, von dessen WM-Tauglichkeit sich am Sonntag die Fußball-Fans in 19 Ländern weltweit - von Brasilien über Rumänien bis Kuwait - überzeugen können. Denn überall dort wird Julios letzter Auftritt live übertragen.
Wie viele Fans das Spiel vor Ort erleben werden, ist noch unklar. Bisher sind rund 18.000 Karten verkauft worden, seit Montag sind es täglich 1800 mehr. Mit 30.000 Besuchern wäre der Rekord von Jürgen Kohlers Abschiedsspiel getoppt. BVB-Fans dürfen sich zudem Hoffnungen machen, dass ihr Liebling den Schwarz-Gelben auch in Zukunft nahe stehen wird. Ob Julio César als Talentscout für die Borussen arbeiten wird, "wird die Zeit noch zeigen", orakelt der Brasilianer.
Als Andenken an den kommenden Sonntag bekommen alle teilnehmenden Spieler die ersten Stücke des original Fifa-Worldcup-Schmucks (Armband und Kette) überreicht. Der Beginn einer langfristigen Verkaufsaktion zu Gunsten von "Ein Herz für Kinder".
Fotos: Christoph Witte | ||||||
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