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Fans gucken in die Röhre

Daniel im Glück

(InDOpendent) In die Röhre gucken. Selten ist eine Redensart so treffend wie beim Ticket-Verkauf für die  Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Insgesamt 8,7 Millionen Ticket-Bestellungen gingen in der ersten Verkaufsphase bei der FIFA ein – davon 6,25 Millionen aus Deutschland und 95 Prozent per Internet.

 

Von den 900.000 Bestellern wurden 208.455 ausgelost, heißt es auf der offiziellen Website zur FIFA Fußball-WM 2006. Die Chancen, erfolgreich eine Karte zu bestellen, standen also 1:4,3. Die Highlights, Spiele der Klinsmann-Elf, die Halbfinals und das Endspiel, waren sogar bis zu 39-fach überbucht.

 

60 Teamserien vergriffen

 

Während in der ersten Verkaufsphase das Zufallsprinzip über die Zuteilung entschied, gilt in der zweiten, bis zum 15. November laufenden Phase der Modus „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Zur Auswahl stehen gegenwärtig ausschließlich teamspezifische Tickets (TST) für eine Reihe von Spielen einer bestimmten Nation. Und wieder gucken die deutschen Fans in die Röhre. Denn Einzeltickets und TST-Serien für Deutschland und zwölf weitere Nationen, darunter Brasilien, England und Italien, waren bereits nach Abschluss der ersten Verkaufsphase nicht mehr verfügbar. Sechs Stunden nach Beginn der zweiten Phase am 2. Mai waren 24, bei Redaktionsschluss sogar 60 von insgesamt 105 Teamserien nicht mehr erhältlich.

 

 

 Um diese Objekt dreht sich alles im Sommer 2006.

Warum 105, wenn an der 18. Fußball-WM doch nur 32 Nationen teilnehmen? Noch ist die Qualifikation nicht abgeschlossen und noch haben Länder wie Botswana, San Marino oder Trinidad und Tobago theoretische Chancen, an dem sportlichen Großereignis 2006 teilnehmen zu dürfen. Die Hoffnungen, über einen der 45 krassen Außenseiter an Karten zu gelangen, machen sich bezahlt – allerdings nur für die FIFA. Denn der Weltverband behält einen Teil des überwiesenen Geldes als Bearbeitungsgebühr, sollte sich das Land, für das man Teamserien erworben hat, nicht qualifizieren.

 

Gonzales hatte Glück

 

Einer der glücklichen WM-Ticket-Inhaber, die sich keine Gedanken mehr machen müssen, wie sie ins Stadion kommen, ist Daniel Gonzales. Der 26-jährige Wirtschaftsstudent hat eine Karte für das zweite Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft am 14. Juni 2006 im Dortmunder Westfalenstadion. Zwei Stunden lang saß er vor dem PC, um die umfangreiche  Bestellprozedur über sich ergehen zu lassen. „Ohne Erfolg. Allerdings erhielt ein guter Freund von mir den Zuschlag. Wir hatten mit einem vierköpfigen Freundeskreis unabhängig voneinander bestellt, aber jeweils die Namen der vier Leute angegeben“, sagt der stolze Besitzer, der für die Karte 60 Euro hinblättern muss. Auch in den weiteren Bestellphasen – die dritte beginnt am 1. Dezember – wird Gonzales noch einmal sein Glück versuchen. „Ich möchte so viele Spiele wie möglich sehen, am liebsten natürlich in NRW. Allerdings würde ich auch nach Berlin oder München fahren“, unterstreicht der Anhänger von Borussia Mönchengladbach.

 

 

 

  Stefan Rüter gehört nicht zu den Auserwählten.

„Dubioses Verteilprinzip“

 

Schalke-Fan Stefan Rüter würde selbst das Stadion des Erzrivalen BVB ohne Bedenken betreten, hätte er die Möglichkeit während der Weltmeisterschaft. „Die Höhe des Eintrittspreises wäre mir völlig egal“, sagt der 20-jährige Sportstudent, der am Ball bleiben und sich Ende des Jahres erneut als Ticketjäger versuchen wird. Als dubios bezeichnet er allerdings das Verteilprinzip der FIFA: „Der lokale Bezug geht verloren. Ein Spiel in Dortmund ,ohne` Dortmunder Publikum. Das ist doch Quatsch.“

 

Fotos: Kleineidam (2), privat. 

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VON MATTHIAS KLEINEIDAM

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