Start

Stadt

Campus

Kultur

Sport

WM 2006

Service



 

Im Sammelzug

Statt an der Bahnstation wird jetzt im Zug musiziert.

Was in anderen Großstädten längst Gang und Gebe ist, sorgt jetzt auch in Dortmund für Gesprächsstoff: Mit Folklore unterhalten "Musiker" derzeit Bahnreisende. Gruppen von drei bis fünf Personen steigen kurz vor Abfahrt der Züge zu und spielen auf, sobald sich die Bahn in Bewegung setzt. Nach den zumeist etwas schrägen Ständchen werden die Fahrgäste dann um einen kleinen Obulus gebeten. Manchmal ziemlich eindringlich.

 

"Wir haben das nicht angeleiert", sagt Peter Grundmann, Pressesprecher der NRW-Regionalstelle Deutsche Bahn. Die fahrenden Musikanten seien weder ein Gag der Bahn noch im Auftrag des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) unterwegs.

 

Gemischte Reaktionen auf Multikulti-Darbietungen

 

Gehört haben die Kunden die "Bahnmusikanten" bislang in den Zügen S2 (Duisburg/Dortmund), S3 (Oberhausen/Hattingen), S4 (Dortmund/Unna) und S6 (Düsseldorf/Essen). Die Reaktionen darauf seien, so Grundmann, unterschiedlich: "Einige loben die Multikulti-Darbietungen, den meisten sind sie allerdings zu laut." Schriftliche Beschwerden gebe es eigentlich nicht, aber zahlreiche Anrufe von den blau-roten Rufsäulen aus, die an jedem Bahnsteig zu finden sind. Ein kurzer Klick auf die Info-Taste und man kann seine Probleme, sein Lob oder seine Kritik dort anonym loswerden.

 

"Lautstärke stört beim Zeitunglesen"

 

Susanne Dahlmann, treue Bahnkundin, fährt täglich mit der S1 von Bochum nach Dortmund zur Arbeit. Die Bankkauffrau "kann mit der Musik im Zug leben. Morgens stört mich die Lautstärke beim Zeitunglesen. Aber nachmittags ist es ganz nett, um den Feierabend einzuläuten." So oder so ähnlich sehen das viele andere Reisende auch.

 

 

 

So gemütlich ist's im Zug nicht.

Kein Verstoß gegen das Hausrecht

 

Grundmann dazu: "Den Anrufen nach zu urteilen fahren die Musikanten gezielt zu den Stoßzeiten, steigen nach zwei, drei Stationen um oder wechseln das Abteil, sobald sich Zugbegleiter nähern." Der Bahn sind die Hände gebunden, selbst wenn die Gruppen anscheinend in Banden organisiert sind: Laut Hausrecht ist das Musizieren in den Zügen nicht verboten. Nur das Betteln ist untersagt. "Aber das tun sie ja nicht. Sie erbringen eine Leistung und bitten dafür um eine freiwillige Gegenleistung", sagt Grundmann. Aufforderungen, mit dem Spielen aufzuhören, kämen sie in der Regel sofort nach. Einzig mögliches Delikt: Wenn die Musikanten ohne Fahrschein unterwegs wären. Das hat aber noch keiner kontrolliert.

 

Grundmanns Tipp: Wer' s nicht mag, gibt kein Geld und ignoriert - am besten mit eigenem MP3-Player im Ohr - die Musiker. "Dann erledigt sich das Thema wohl von selbst."

 Mehr zum Thema 

  Kundenservice des VRR  


VON INA RETKOWITZ

« Zurück


 
   

  Start    Stadt    Campus    Kultur    Sport    WM 2006    Service  

Copyright © 2000 - 2006 donews.de