| Wachkoma - ein Leben zwischen den Welten | ||||||
(do1) Man lebt sein Leben sehr selbstverständlich, doch es kann sich von der einen auf die andere Sekunde dramatisch ändern. Der eine Mensch wird in einen schweren Unfall verwickelt, der andere erleidet einen Hirninfarkt und wieder ein anderer einen Medikamentenschock. Durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen kann es passieren, dass das Gehirn zu lange ohne Sauerstoff bleibt und schwer geschädigt wird. Der Patient, der das überlebt, ist ein sogenannter Wachkomapatient.
Bei einem schwerst hirnverletzten Menschen ist es wichtig zu unterscheiden, ob er sich noch im Wachkoma oder bereits in einer Übergangsphase zur Wachheit befindet. Die Diagnose Wachkoma — auch Apallisches Syndrom genannt — beschreibt den Zustand, bei dem sich ein Patient in einem Stadium tiefer Bewusstlosigkeit befindet und die Verbindungen zwischen Mittel- und Großhirn unterbrochen sind. Das zentrale Nervensystem funktioniert im wesentlichen, doch die Region des Großhirns — in der sich das Zentrum des Denkens, Fühlens und der Persönlichkeit befindet — scheint in einem tiefen Schlaf zu sein.
Ist der Patient dagegen schon in einer Übergangsphase zur Wachheit, dann spricht man von dem Zustand Minimal Consciennes State, einem minimal möglichen Bewusstsein. Der Zustand des Patienten wird über eine Skala — Glasgow-Coma-Scale — eingestuft. Nach und nach reagiert der Patient auf seine Umgebung mit zunehmend differenzierten Verhalten. Anfangs ist es vielleicht nur das Hochziehen einer Augenbraue, aber nach und nach reichen die Fähigkeiten von Lautäußerungen auf Fragen über gezieltere motorische Fähigkeiten bis zur fast vollkommenen Gesundung.
Rehabilitation und Pflege
Die Rehabilitation eines Wachkomapatienten ist zeit- und kostenintensiv, doch sie lohnt sich immer, denn zirka 80 Prozent der Patienten werden geheilt oder erfahren eine wesentliche Besserung und können so wieder in ihren Familien leben. Dazu ist eine umfassende Therapie notwendig und diese beinhaltet neben dem ergotherapeutischen und logopädischen Ansatz auch die Biografiearbeit. Sie ist eine der wichtigsten Säulen in der Therapie, weil sie den Ausgangspunkt bildet, um den Patienten wieder ins Leben zurück zu locken. Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt immer noch ein großes Missverhältnis zwischen der Anzahl von Wachkomapatienten und Rehabilitationsbetten. Viele der Betroffenen werden in Alten- und Pflegeeinrichtungen verwahrt und um ihre reelle Chance gebracht, ein halbwegs normales Leben zu führen.
Wohn- und Pflegezentrum St. Josef
Das Wohn- und Pflegezentrum Sankt Josef in Dortmund besitzt Modellcharakter und hat die Zahl seiner Rehabilitationsbetten Anfang dieses Jahres auf insgesamt 32 erhöhen können. Neben einer umfassenden Therapie werden die Angehörigen intensiv mit in die Pflege einbezogen. Das ist für die Rehabilitation auch wesentlich, da sie einen großen Beitrag zur Biografiearbeit und zum Wohlbefinden des Patienten leisten kann.
Der Zusammenhalt untereinander und das Engagement aller Beteiligten lassen alle den schwierigen Alltag besser durchstehen und scheinbar Unmögliches wahr werden. Im Spätsommer dieses Jahres haben die Angehörigen, Patienten und das Pflegepersonal einen gemeinsamen Urlaub an der Nordsee verbracht.
Fotos: Sabine Timte
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