(InDOpendent) Fußball und Satire haben nichts miteinander zu tun? Falsch, dachte sich der Dortmunder Oliver Kubanek und gründete im November 2003 Schwalbe: Deutschlands erstes Fußball-Satiremagazin. Nach einem Jahr ist das Projekt etwas flügellahm.
Am Anfang stand die Idee im Freundeskreis. Ein Magazin, das Fußball und Satire vereint, „so was fehlte einfach auf dem Markt, das hätte ich selber gekauft“. Oliver Kubanek, Herausgeber der Schwalbe, spricht mit Überzeugung in der Stimme von seinem Produkt. Die Idee habe er auch noch nach zwei-, dreimal darüber schlafen und intensiven Gesprächen gut gefunden.
Auf WM-Tauglichkeit getestet
Seit einem Jahr bringt der 33-Jährige seine Idee in Magazinform. 60 Stunden in der Woche arbeitet er an der Schwalbe, damit sie alle zwei Monate erscheinen kann. Themen seien kein Problem, sagt Kubanek.
Zum Beispiel testen Redaktionsmitglieder Dortmund auf seine WM-Tauglichkeit – mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Oder sie untersuchen in einer Fußballsoziologie die intellektuelle Kapazität von Bundesligaspielern. Oder aber sie verleihen die Ehrenschwalbe für unfähige Vereinsfunktionäre wie Roland Schmider vom KSC. Begründung der Auszeichnung: Schmider habe „langfristig den Grundstein dazu gelegt, dass man beim KSC in den nächsten 20 Jahren das Geld nicht mehr falsch ausgeben kann – weil nämlich keines mehr da ist“. Bei Schwalbe steht das Kürzel KSC übrigens nicht für Karlsruher Sportclub, sondern für Kaiser Sonnenkönig Cäsar.
„Mehr Zeit als Geld“
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Der Schwalben-König |
Im Gegensatz zu Inhalten sind Büroarbeiten für Kubanek ein Problem. „Ich habe das am Anfang unterschätzt, das ist extrem aufwändig.“ Als Chefredakteur und Herausgeber in Personalunion sei er Mädchen für alles, doch anders gehe es nicht: „Ich habe mehr Zeit als Geld.“
Denn der Schwalbe fehlen Anzeigenkunden. In der aktuellen Ausgabe ist gar keine Werbung. Das Magazin lebt vom Kapital seines Herausgebers. „Heute würde ich vor der Gründung zwei oder drei Leute suchen, die finanziell mitmachen“, sagt Kubanek. Langfristig brauche er fünf bis sechs Seiten Werbung, damit sich das Magazin trägt. Und damit es sich lohnt? „Das Doppelte.“
Käuferschreck Satire?
Kubaneks Vermutung zu den Finanzproblemen der Schwalbe: „Sobald Satire draufsteht, wird man als links wahrgenommen.“ Das schrecke Werbekunden ab – und vielleicht auch Käufer.
Trotz aller Probleme ist er optimistisch. „Ich habe keine schlaflosen Nächte wegen der finanziellen Situation.“ Mindestens zwei weitere Schwalbe-Ausgaben seien gesichert. Vieles macht ihm Mut, etwa die täglich über 1000 Besucher auf der Homepage des Magazins. Auch bei neuen Lesern seien die Rückmeldungen positiv, besonders von Kulturinteressierten.
Fußballsatire für Kulturliebhaber
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Überall und zu jeder Zeit - die Schwalbe |
"Das hatte ich nicht erwartet“, sagt Kubanek, „dass nicht so sehr Fußballinteressierte, sondern Kulturinteressierte mit Sportbezug die Schwalbe kaufen.“ Allerdings nicht genug: „Ich hatte mit mehr Leuten gerechnet. Und die, die es sich kaufen würden, haben nicht das Geld.“ Ein Exemplar kostet 2 Euro 50.
Noch immer glaubt Kubanek an sein Konzept. Aber nur 3000 verkaufte Exemplare machen ihn nachdenklich. Er weiß, „dass von drei Zeitschriften, die neu auf den Markt kommen, nur eine überlebt“. Satire sei den Leuten vielleicht zu anstrengend, fürchtet Kubanek, besonders wenn des Deutschen liebstes Hobby durch den Kakao gezogen werde. Würde Kubanek noch einmal die Schwalbe gründen? „Ja, aber ich würde es anders machen.“ Rein wirtschaftlich, wohlgemerkt – „von der Grundstruktur und der Tendenz her immer noch so wie jetzt“.
Fotos: Benjamin Schulz / Schwalbe-Magazin