Unter dem Titel "DADA MEETS FREE JAZZ" geht es den Künstlern um den Austausch von Energien. Die drei Dortmunder Jazz-Musiker und der Lautpoet aus Wuppertal lernten sich bei einer Free-Jazz-Konzertreihe näher kennen. Jetzt schaffen sie als "Neighbourhood4" ein Bühnenklima der Sonderklasse.
Zur Musik von Richard Ortmann (Saxophon), Django Kroll (Bass) und Klaus Wallmeier (Drums) verbiegt der in Wuppertal geborene Mitch Heinrich seine Stimme zu rasanten Dichteigenarten. Mal stöhnend, grunzend, quakend, wimmernd süuckt der Performer immer neue Lautgetüme aus. Getrieben vom Free Jazz schraubt sich Heinrich in poetische Höhen.
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Konzentriert bei der Kostprobe. |
Dabei sind die Themen keineswegs immer hochtrabend. So bekommt unter anderem auch die Wuppertaler Schwebebahn in Dada-Manier ein Ständchen. Für den Sprachartisten Heinrich ganz selbstverständlich: "Ideen kommen mir überall, im Zug, am Flughafen, auf dem Bahnsteig. Das ist etwas, das sich nicht verhindern lässt. Dann schreibe ich sie auf und mache was daraus", erklärt er als sei Dichtung die leichteste Nebensache der Welt.
Wie wenig nebensächlich "Das Ding Dichtung" jedoch für den Wuppertaler ist, lässt sich anhand seines 2004 im Schweizer Verlag "Das fünfte Tier" erschienenen Buches mit dem gleichlautenden Titel mutmaßen. Im Domizil stellt der Autor sein Werk mit einer Erstauflage von 500 Exemplaren vor, in dem sich visuelle und klassisch lesbare Gedichte aus den Jahren 1984 bis 2004 finden. Und tatsächlich scheint Poesie für Heinrich dann doch eher Passion als Nebensache, Kunst beinahe ein Zwang:"Ich denke ich kann für uns alle Vier sprechen: Wir müssen einfach weitermachen, können nicht aufhören." Auch wenn die Bühnen klein und der Erfolg manchmal noch dünn gesät ist: "Man macht trotzdem weiter, es geht garnicht anders."
Schwebebahn-Solo (30s/704kB)
Die Freunde kennen sich seit rund vier Jahren und spielen regelmäßig zusammen. Für die aktuelle Performance haben die Künstler zweimal geprobt, "um durch die Interaktion miteinander ein Feeling füreinander zu finden". Auf der Bühne könne dann natürlich alles ganz anders werden, ein "1:1 von Probe und Auftritt" gebe es nicht, konstatiert der 1964 geborene Soundpoet und Ex-Buchhändler, doch auch Improvisation wolle geübt sein.
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Die Interaktion ist der Schlüssel. |
Sich was trauen
Innerhalb von über 20 Jahren Wortakrobatik ist dem Lautpoeten eins gewahr geworden: "Stimme beinhaltet viel, heißt zum Beispiel Gedicht und Gesang." Es geht darum sich "mehr zu trauen, einen Gedanken zu nehmen und los zu singen". Diese Vielschichtigkeit auch im Zusammenspiel mit der Jazzmusik (Heinrich: "Free Jazz ist einfach mal reinhauen.") entgeht bei der Bühnenpräsenz der "Neighbourhood4" tatsächlich niemandem. Neben der Sucht, ein guter Grund weiter zu machen, "eine Eintagsfliege bleibt der Auftritt im Domizil sicher nicht", betont Heinrich: "Der Blick um das Ohr unserer neighbourhood ist für uns four gleichermaßen Programm."
DADA wird dabei zunächst eindrucksvoller Teil des Programms bleiben. Den Ursprung in seiner Ablehnung der bürgelichen Kultur habend, sucht diese Kunstform, der Dadaismus, nach neuen Ausdrucksformen und stellt mit skurrilen und scheinbar absurden Aktionen die Bedeutung von Sinn und Unsinn grundsätzlich in Frage. Die Happening- und Fluxus-Bewegungen nahmen Elemente des Dadaismus auf und entwickelten sie eigenständig weiter. So ist auch Heinrichs "DADA" ein eigenständiges Lautkunstwerk, das er mit Besonnenheit und rhythmischem Gehör mit der improvisierten Jazzmusik zu verbinden versteht.
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