| Frau kickt voll durch | ||
(InDOpendent) Lange galt Fußball als reiner Männersport. Doch die Frauen sind auf dem Vormarsch: Immer mehr Frauen spielen Fußball im Verein. Spiele der Frauennationalmannschaft bekommen gar attraktive Sendeplätze.
?Die Leute schauen nicht mehr so entsetzt, wenn ich sage, dass ich Fußball spiele.? sagt Sarah Bültel. Die 23-Jährige studiert Architektur an der Universität Dortmund und kickt im Verein. Frauen und Fußball scheinen also kein Paradox mehr zu sein. Spätestens nachdem die deutschen Fußballfrauen 2003 den Weltmeistertitel in den USA gewonnen haben, ist dieser Sport auch bei der Damenwelt hier zu Lande populär geworden.
Der Trend zeigt sich an den steigenden Mitgliederzahlen beim Deutschen Fußballbund (DFB). So spielen heute rund 24.000 Frauen und Mädchen mehr Fußball als noch im Jahr 2000. Insgesamt sind es über 850.000 gemeldete weibliche Akteure, Tendenz weiter steigend.
Sechs Millionen Zuschauer sahen die WM
?Durch die WM ist ein Schub gekommen?, berichtet Sarah. In ihrer Heimatstadt Rheine hatten Herrenteams aus den niedrigsten Klassen vor der WM mehr Platz in der Zeitung als die Bundesligadamen des FFC Heike Rheine. ?Inzwischen waren die Damen sogar schon auf der ersten Seite im Lokalsport?, sagt Sarah. Und erst kürzlich wurde das EM-Qualifikationsspiel der Frauennationalmannschaft gegen Portugal von Donnerstagnachmittag auf Samstagabend verlegt, um mehr Zuschauer vor den Fernsehern zu erreichen. Rund sechs Millionen sahen das 13:0 - genauso viele wie sonst die ?Sportschau?.
Ein reiner Frauenverein in Rheine
Dennoch nehmen männliche Fußballer ihre Kicker-Kolleginnen häufig nicht ernst. So hat es auch Sarah in ihrer Heimatstadt Rheine erlebt. ?Die Frauen waren dort im Verein eine totale Randgruppe, wurden nicht akzeptiert?, schildert die 23-Jährige ihre Erfahrungen. Sie hätten nicht das Gefühl gehabt, ein Verein zu sein. Deshalb löste sich die Frauenfußballabteilung 1998 vom Stammverein und gründete den FFC Heike Rheine, einen reinen Frauenverein. Der spielt heute erfolgreich in der Damenbundesliga. Im Kader stehen unter anderem die Weltmeisterinnen Kerstin Garefrekes und Kerstin Stegemann.
?Bei meinem jetzigen Verein, dem SC Dorstfeld ist der Kontakt zu den Herren zum Glück anders?, sagt Sarah, ?wir werden total akzeptiert. Man kennt und grüßt sich untereinander.? Schließlich gibt es keinen Unterschied zum Pensum einer gleichklassigen Herrenmannschaft. Die 25 Damen im Dorstfelder Bezirksliga-Kader haben zweimal wöchentlich Training und sonntags ein Spiel.
Vorurteile bleiben
Trotz der wachsenden Akzeptanz für die sportlichen Leistungen haben vor allem viele Männer ein sehr klischeehaftes Bild davon, wie eine Fußballerin aussieht. ?Klar, es gibt schon Frauen, die genau in das Bild passen, aber nicht so viele, wie einige glauben.?
Sarah ist ein Beweis dafür, dass an dem Klischee von kurzen Haaren und männlicher Statur ebenso wenig dran ist, wie an den meisten anderen Vorurteilen. ?Du bist ja gar kein Mannsweib? oder ?Du siehst gar nicht wie eine Fußballspielerin aus? sind häufige Reaktionen auf ihr Aussehen. Dabei hat sie nur lange dunkelblonde Haare und kein Kreuz wie ein Schrank, wirkt ansonsten aber sehr sportlich. Sie ist schlank und dynamisch. ?Ich fasse solche Sprüche immer als Kompliment auf?, sagt sie.
Geballte Frauenpower beim SC Dorstfeld 09
Dem Frauenfußball ist durch den WM-Sieg der Anschlusstreffer an die Herren geglückt. Die Präsenz in der Öffentlichkeit, die Akzeptanz bei Männern und die Mitgliederzahlen in den Vereinen steigen.
Nur ein kurzfristiger Effekt oder eine langfristige Entwicklung? - Eine Antwort auf diese Frage könnte das Jahr nach der WM geben.
Frauen kicken anders. Die InDOpendent-Mitarbeiterin Julia Seifert hat's probiert.
Bilder: Tobias Schweigmann | ||
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