| Flüstertöne am Ort der geistigen Befruchtung | ||||||
(do1) Wenn Sie demnächst zu später Stunde im Auto unterwegs sind und bunte Halbkreise am Straßenrand sehen, handelt es sich dabei möglicherweise um eine Erfindung Martin Herrmanns: Ein spezieller Nagellack für Frauen in Aktiv-Leuchtfarbe, mit dem sie Männer auch bei Dunkelheit auf eine Panne ihres Wägelchens aufmerksam machen können.
Diese und andere "Orientierungshilfen" im komplizierten Gefüge zwischen Mann und Frau gab der bayerische Kabarettist am Samstagabend dem Publikum im Theater Fletch Bizzel mit auf den Weg. In seinem Programm "Frauenflüsterer" nimmt Herrmann Geschlechterkampf, Beziehungsalltag und weibliche Eigenarten aufs Korn. Als Frauenversteher will er aber nicht gelten, "das klingt zu harmlos. Flüsterer hat etwas Bösartiges, Manipulierendes." Tatsächlich spart Herrmann nicht an satirisch-bissigen Bemerkungen, etwa zu Spezialitäten der Damenmode.
Doch auch die Herren der Schöpfung bekommen ihr Fett weg. "Wenn der Mann mal wieder schnarcht, weiß die Frau: "Er ist da, aber er richtet keinen Schaden an!" Oder: "Männer glauben, es sei romantisch, wenn sie das Licht ausmachen und der Frau zum Spülen eine Kerze in die Küche stellen!" Ohne Klischees geht es also auch bei Herrmann nicht.
Dass der ausgebildete Biologie- und Sportlehrer bei allen Spitzen dennoch charmant auf sein Publikum wirkt, dürfte neben seinem süddeutschen Dialekt am Aufbau des knapp zweistündigen Programms liegen: Herrmann kombiniert Stand-Up-Comedy mit kurzweiligen Liedern, die sich natürlich ebenso um "das Eine" drehen.
"Mit den Liedern erreiche ich die Gefühle der Zuschauer, im Stand-Up hingegen kann ich Dinge viel zugespitzter zum Ausdruck bringen", beschreibt Herrmann die Vorzüge dieses Wechselspiels. Auch inhaltlich legt der Kabarettist Wert auf Abwechslung. Die Mann-Frau-Beziehungen bilden zwar den roten Faden. Immer wieder begibt sich Herrmann aber auf Nebenstränge, auf denen er zum Beispiel die Feminisierung in der Politik zur Sprache bringt. "Also beim optischen Eindruck unserer Kanzlerin muss man sagen: Die hat sich nicht nach oben geschlafen - das ist Qualität!".
Seine Ideen entstünden vor allem aus eigenen Erfahrungen sowie im Austausch mit Bekannten und Kollegen, erzählt Herrmann. Besonders inspirierend für den gebürtigen Augsburger sei seine Zeit in Dortmund gewesen, das er als "Ort der geistigen Befruchtung" preist. "Die klare und direkte Sprache der Leute im Ruhrgebiet hat mich dazu ermuntert, selbst frei heraus zu reden", sagt Herrmann, der von 2000 bis 2003 in der Ruhrmetropole gelebt hat.
Wo wir schon bei der direkten Sprache sind: Wer versteht denn nun weniger vom anderen Geschlecht? "Das Problem ist, dass Männer nur auf der informativen Ebene kommunizieren, Frauen dagegen gleichzeitig auch auf der emotionalen", erklärt er. "Aber um ehrlich zu sein, halte ich das Ganze für viel einfacher als es dargestellt wird." Was würde er demnach Männern raten, die Frauen verstehen wollen? "Die sollen erstmal sich selbst verstehen - der Rest kommt dann von alleine." Einfach einem "Frauenflüsterer" zuhören, wird also nicht reichen. Schade eigentlich.
FOTOS/VIDEOS: Hendrik Baumann | ||||||
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