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Kosmetik des Bösen

Hört nicht auf zu reden: der Holländer Textor Texel

Das Datum der Premiere am Freitag den 13. hätte besser nicht gewählt sein können. Denn für den Protagonisten Jérome Angust scheint es durchaus ein rabenschwarzer Tag gewesen zu sein.

 

Nicht nur, daß sein Flugzeug Verspätung hat, und er auf dem Flughafen festsitzt; muß er dort ausgerechnet auf den geschwätzigen Holländer Textor Texel treffen, der ihn nicht mehr in Ruhe lassen will. "Textor Texel, das kommt von Text", stellt sich dieser bei dem Franzosen vor. Und eigentlich hätte er mit diesem Namen Schriftsteller werden sollen, findet er. "Textor Textel, Textor Texel, Textor Texel", wiederholt der Holländer refrainartig. Nach einer Weile würde der Name gar nicht mehr so besonders klingen, bezeugt er.

 

Dabei hätten die beiden Figuren unterschiedlicher kaum sein können. Der eher brave und ordentliche Geschäftsmann Jérome Angust (Dominik Freiberger) und der leicht verrückt wirkende Texel (Michael Kamp) scheinen jedoch von Beginn an weder mit noch ohne einander zu können. Texel ist von Jérome fasziniert, und obwohl der Franzose zunächst von ihm abrückt, kann er sich seinerseits den Ausführungen des Anderen nicht entziehen, ganz gleich ob es um Frikandeln, Liebe oder Vergewaltigung geht.

 

Schnelle Wechsel und langsame Worte

 

 

Kampf um Liebe und
Zerstörung

Auch die Dritte im Bunde, Isabelle (Carolin Mader), wird in einer inneren Zerrissenheit portraitiert. Mal ist sie die schnellsprechende Naive, die in jäher Vergangenheit von Texel mißbraucht wurde, und dann wieder die langsam nachdenkende und trübsinnige Ehefrau. Besonders konträr zu dem flinken und wortgewandten Holländer fällt sie an der Stelle auf, in der sie allein in betont langsamen Worten von ihrem Leben erzählt, in dem sie sich einst nach "so etwas wie Spießigkeit" gesehnt hat, wie zum Beispiel einem "E h e m a n n,  m i t   b e f r e u n d e t e n  P ä r c h e n             E s s e n  g e h e n,  S p i e l e a b e n d". Wie Janus steht sie in dieser Szene im Raum, die eine Hälfte des Gesichts hell erleuchtet, die andere in tiefe Schatten gehüllt, ganz so, wie sie selbst zwei Gesichter zu haben scheint.

 

Während des ganzen Stückes gibt es einen stetigen Wechsel zwischen schnellen und zum Teil lauten Szenen mit ruhigen, in denen zunächst gar nichts zu passieren scheint. Die beiden Männer bieten sich immer wieder einen rasanten verbalen Schlagabtausch, um dann kurze Zeit später in Schweigen zu verfallen. Mit einer Mischung aus schnellen Dialogen und ruhigen Szenen stellt der Regisseur Matthias Heße nicht nur gegensätzliche Charaktere auf die Bühne, sondern schafft es auch so, die unterschiedlichen Abgründe der menschlichen Psyche gekonnt darzustellen.

Die Vorlage zu dem Stück lieferte das gleichnamige Buch der belgischen Autorin Amélie Nothomb, die bereits mit "Die Reinheit des Mörders" (1992) und "Metaphysik der Röhren" (2000) große Erfolge erzielt hat.

 

Im tiefsten Dunkel

 

 

 Wenn seelische Qualen sich manifestieren

Der gewählte Aufführungsort in der kleinen Unterbühne ist dabei absolut treffend. Unterhalb der Drehbühne sitzt der kleine Kreis von bis zu 30 Zuschauern eng beieinander im Dunkeln, ist umgeben von Kabeln und schwarzen Steinwänden, und kann der psychischen "Kosmetik des Bösen" beiwohnen, die nicht nur zu verschönern und entfremden sucht, sondern am Ende auch ihre "kosmische Ordnung" erkennen läßt, die die Seelen der Betroffenen erfasst hat.

Nach der Aufführung dann schließlich aus den verschlungenen Wegen des Theaters wieder an die Oberfläche zu kommen, ist wie der Aufstieg aus der Tiefe der menschlichen Seele, und es ist ein gutes Gefühl, wieder auf dem Boden der Tatsachen zu stehen.

 

FOTOS: STAGE PICTURE

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VON JULIANE HÖHN

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