| Verträumte Maschinenmusik | ||||
(InDOpendent) Er studiert Jura in Bochum. Er legt in drei Dortmunder Clubs auf. Philipp Bückle ist an vielen Orten zu Hause. Das Zentrum ist seine Musik.
Das dreigeschossige Haus liegt in einem hübschen Jugendstilviertel. Die Parallelstraße säumen große Bäume, deren üppig grünende Kronen ein Dach über der Fahrbahn bilden. Fast könnte man vergessen, dass man mitten in Dortmund ist. Aus einer Wohnung im zweiten Stock des cremefarbenen Hauses in der Kuhlmannstraße dringen durch das geöffnete Fenster merkwürdige Töne. Softe elektronische Musik, psychedelisch angehaucht; schwebende Klänge, wie aus den unendlichen Weiten des Kosmos.
Auch heute, am Pfingstmontag, hat Philipp Bückle eine Arbeitssession angesetzt. Hier, im Ess-, Wohn- und Arbeitszimmer von Nils Quak, brüten die beiden Musiker über ihrem neuesten Projekt. Der Raum ist eher karg: Weiße Wände, am Fenster zwei avantgardistische Bilder mit geometrischen Formen, lange Vorhänge. Rechts ein Sofa, ein niedriger Tisch, ein Sessel. Links ein weißer Schrank aus Sperrholz. 700 Vinylplatten füllen die Regale, darunter - unvermutet zwischen elektronischer Musik - Bachs vier Orchestersuiten.
Letzter Schliff: Klangabmischung
Auf dem Schreibtisch am Fenster steht das Equipment. Ein kleines Mischpult, ein Computer mit Bildschirm, Maus und Tastatur. Mit der Maus bedient Nils die Regler an einem zweiten, einem virtuellen Mischpult auf dem Bildschirm. Regler rauf: Aus dem Off steigen wummernde Bässe auf, mischen sich in die Sphärenklänge. Regler runter: Das Wummern versinkt wieder in den Tiefen des Alls.
Die neue Platte ist fast fertig. Jetzt geht es um die Feinabmischung. Nils und Philipp arbeiten seit Jahren zusammen. Sie haben schon eine gemeinsame Platte produziert. Ihre Sessions dauern normalerweise zwischen zwei und acht Stunden. Als Team haben sie sich gut aufeinander abgestimmt und wissen sich gegenseitig zu schätzen. Philipp produziert am Mini-Keyboard Melodien und Klänge. Nils ist für "Krach und Akademisches" zuständig, will heißen: Abmischung und Technik.
Bekanntschaft aus dem Internet
Kennen gelernt haben sich die beiden über das Internet, wie Nils lachend erzählt. "Wir legen beide als DJs auf Partys auf. Irgendwann brauchte ich für ein Projekt einen Helfer. Da hab ich Philipp eine Mail geschickt." - "Und?", fragt Philipp. "Bin ich gekommen?" - "Nein. Du hattest keine Lust." Die kleine Anekdote ist typisch für Philipp.
Er studiert Jura, steht kurz vor dem ersten Staatsexamen. Die Woche über büffelt er für die Klausuren. Am Wochenende legt er in drei Dortmunder Clubs Platten auf und organisiert Partys. Die Werbeplakate in der Stadt hängt er zwischendurch auf, wenn er rausgeht oder mal Zeit hat. "Wenn man keine Plakate klebt, kommen weniger Leute zu den Partys." Heißt: Weniger Geld für ihn.
Was nach dem Examen kommen soll, weiß Philipp noch nicht. Jedenfalls nicht das Referendariat, der zweite, der praktische Teil der Juristenausbildung. Vielleicht ein Bürojob, wenn die Musik nicht mehr genug Geld abwirft. Erstmal zieht Nils in wenigen Wochen nach München - ob es dann mit den gemeinsamen Projekten weitergeht? "Mal sehen. Das ist eigentlich alles noch völlig offen."
Hier geht's zum Interview mit Philipp: Seine Musik, seine Stadt und seine Pläne
FOTOS: Daniel Gehrmann | ||||
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VON DANIEL GEHRMANN |
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