| Er kam als Fremder und ging als Freund | ||||||||
Das Ergebnis interessierte am Sonntagabend eigentlich keinen der rund 35.000 Zuschauer im weiten Rund des Westfalenstadions. "Julio and Friends" hatten zwar 5:2 gegen das BVB Champions-League Team von 1997 gewonnen, doch eigentlich war alles nur eine einzige große Party zu Ehren von Julio César.
Und fast alle Eingeladenen huldigten dem ehemaligen Abwehrrecken. "Ich bin über 20 Jahre Fußball-Profi gewesen und habe in dieser Zeit mit allen großen Namen der Welt gespielt", sagte César im Vorfeld. Einige der angekündigten großen Namen tauchten aber letztenendes nicht auf: Romario, Bebeto, Del Piero - auf der Eintrittskarte standen sie noch, bei der Mannschaftsaufstellung fehlten sie dann aber gänzlich. Die kurzfristigste Absage mussten die Veranstalter von Diego Armando Maradona einstecken.
Die "Hand Gottes" sagte laut Organisatoren acht Minuten vor dem Einchecken in sein Flugzeug ab, weil seine unglaublichen Gagenwünsche von 200.000 US-Dollar nicht erfüllt wurden. Die Fans reagierten mit einem gellenden Pfeifkonzert.
Dafür sprang kurzfristig mit dem "weißen Brasilianer" Ansgar Brinkmann ein deutscher Paradiesvogel des Fußballs ein. Auch auf der Trainerbank gab's noch einen schnellen Wechsel: Thomas Schaaf, Coach von Werder Bremen, ersetzte seinen Kollegen Giovanni Trappatoni vom VfB Stuttgart. Dennoch: Die Teamaufstellungen lasen sich wie das Who-is-who des internationalen Fußballs. In Julios-Freunde-Truppe gaben sich Carlos Dunga, Jorginho, Paolo Sergio und Careca (alle Brasilien) die Ehre, zu ihnen gesellten sich mit Bernd Schuster, Andi Herzog, Paolo Sousa und Roger Milla weitere Größen des Fußballs.
Ein Tänzchen an der Eckfahne
Dass sie das gepflegte Kicken allesamt nicht verlernt haben, bewiesen sie in den folgenden 80 Minuten (die letzten zehn Minuten gehörten Julios Ehrenrunde). Eine Wonne, Jorginho noch einmal die rechte Außenbahn rauf und runter flitzen zu sehen. Okay, etwas Kraft sparender als zu aktiven Zeiten spielte er schon, aber den Ball behandelte er mindestens genauso elegant und zärtlich. Im Sturm schob Roger Milla nicht nur eine ruhige Kugel, sondern in Bauchhöhe auch eine solche vor sich her. Was ihn aber nicht davon abhielt, nach seinem sehenswertem Lupfer über Teddy de Beer, sein berühmtes Tänzchen an der Eckfahne im Duett mit Giovane Elber aufzuführen. Erinnerungen an die WM 1990 wurden wach.
Und Julio César? Ganz Gastgeber und Gentleman gab er sich zurückhaltend, trug sein Trikot mit der Nummer 5 spazieren, lief wenig bis gar nicht, ließ aber auch in der Abwehr nichts anbrennen. Es schien fast so, als würde er es genießen, den ehemaligen Kollegen beim launigen Spielchen zuzuschauen. Gefeiert wurde aber nicht nur der 42-Jährige - auch den Männern, denen der BVB den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu verdanken hat, schenkte das Publikum frenetischen Applaus. Kalle Riedle, Stephan "Chappi" Chapuisat, Michael "Susi" Zorc, Jürgen "Fußballgott" Kohler und Stefan Reuter, um nur ein paar zu nennen, schnürten noch einmal die Fußballschuhe. Ein Tor blieb ihnen allen versagt, dafür glänzte Heiko Herrlich mit einem Kopfball-Treffer wie in besten Zeiten.
Tränen der Rührung
Nur Ailton verzeihten die Fans sein Jahr auf Schalke und seine Äußerungen über das Ruhrgebiet nicht und pfiffen ihn gnadenlos aus. Allerdings hielt sich unter den Zuschauern hartnäckig das Gerücht, dass sie den bei Besiktas Istanbul ausgemusterten Kugelblitz vielleicht bald im schwarz-gelben Dress wieder sehen werden.
Doch für den Abend waren derlei Spekulationen den Fans relativ egal. Mit Julio César-Sprechchören und Transparenten wie "Du kamst als Fremder und gingst als Freund und Borusse" rührten sie lieber den hünenhaften Abräumer zu Tränen. Sarah Brightmans "Time to say goodbye" lief beinahe in Dauerschleife, so kostete der Rückkehrer seine Verabschiedung aus. Der Gesprächigste war Julio César ja bekanntlich nie, dennoch ließ er es sich nicht nehmen, sich bei den Fans und seinen Kollegen auf deutsch zu bedanken. Und die Kollegen fielen ein in die Lobeshymnen zu einem tollen Abend, der noch lange nicht beendet war. Jorginho: "Die Stimmung war wunderbar. Man muss sich mal ins Gedächtnis rufen, dass Julio schon lange nicht mehr in Dortmund spielt - aber er ist immer noch so beliebt. Wir gehen jetzt erstmal schön zusammen Essen."
Fotos: Christoph Witte, Simon Bückle
| ||||||||
|
||||||||
|
|
||||||||



