| Tränenreicher Führungswechsel beim BvB | ||||||||
Die Mitglieder von Borussia Dortmund haben auf der Jahreshauptversammlung am 14. November in der Westfalenhalle einen neuen Präsidenten gewählt. Dr. Reinhard Rauball leitet ab sofort wieder die Geschicke des Fußball-Bundesligisten. Der 57-jährige Jurist ist gleichzeitig Vorgänger und Nachfolger von Dr. Gerd Niebaum, der sein Präsidentenamt zur Verfügung stellte, um einem Neuanfang nicht im Wege zu stehen. Am Rande wurde bekannt, dass Nationalspieler und BvB-Kapitän Christoph Metzelder seinen Vertrag bis 2007 verlängert hat.
Die Versammlung begann nach der bitteren 0:1-Pleite der Profis am Vortag in Kaiserslautern unerwartet ruhig. Aus den Lautsprechern der Westfalenhalle plätscherte leise meditative Musik, als die Mitglieder ihre Plätze einnahmen. Doch der Frust über das Finanzchaos und die katastrophale sportliche Situation sitzt tief.
Meier: Kirch-Pleite und Bosman-Urteil Schuld an der Finanzkrise
Manager Meier bestätigte in seinem Vorstandsbericht noch einmal die BvB-Verbindlichkeiten in Höhe von rund 119 Millionen Euro. "Wir haben eine risikoreiche Politik betrieben. (…) Für das Risiko, das wir gegangen sind, sind wir nicht belohnt worden", so sein Kommentar. Als Gründe für das Finanzloch nannte Meier die Millionenverluste durch die Kirch-Pleite und die Veränderungen auf dem Transfermarkt nach dem Bosman-Urteil. "Das war für uns so nicht vorhersehbar", sagte der Manager. Viele Mitglieder reagierten mit Buh-Rufen und stellten immer wieder Zwischenfragen. Bei Meier lagen die Nerven offensichtlich blank. "Sie können mir glauben, dass es nicht leicht ist diese Situation zu bestehen – auch persönlich", erklärte er, bevor seine tränenerstickte Stimme für einen Moment wegbrach. Die Rücktrittsforderungen einiger Mitglieder wies Meier zurück.
Konsolidierungsprogramm sorgt für Kopfschütteln
Auch das noch einmal vorgestellte Konsolidierungsprogramm ließ bei den Mitgliedern erhebliche Zweifel aufkommen. Laut Plan soll der BvB im Jahr 2006 erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben und das, nachdem allein das vergangene Geschäftsjahr mit einem Minus von 67 Millionen Euro abgeschlossen wurde. Um das Ziel zu erreichen sollen unter anderem Spieler des Bundesliga-Kaders abgegeben und Personalkosten gesenkt werden. Dazu kommen geplante Anleihen.
"Mehr als zurücktreten kann ich nicht."
Nach der Entlastung des Vorstandes machte Gerd Niebaum seine Ankündigung wahr und trat mit einer emotionalen Abschiedsrede als BvB-Präsident zurück. Er verdrückte einige Tränen und räumte auch Fehler ein. "Ich übernehme die Verantwortung für die Situation. Mehr als zurücktreten kann ich aber nicht. (…) Wir haben den Verein – die Strukturen – auf eine Teilnahme im internationalen Wettbewerb ausgerichtet. Das ist aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen", erklärte Niebaum und versprach als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA mitzuhelfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Auf Gehalt werde er dabei verzichten.
Mit Herz und Engagement aus der Krise
Als Niebaum-Nachfolger wählten die 1745 anwesenden BvB-Mitglieder erwartungsgemäß Dr. Reinhard Rauball, der nun schon zum dritten Mal nach 1979 bis 1982 und 1984 bis 1986 Präsident bei Borussia Dortmund ist. Das Votum fiel deutlich aus – schon die erste Abstimmung per Handzeichen brachte ein klares Ergebnis zugunsten von Rauball. Anders als sein Vorgänger hat er den Ruf mehr Realist als Visionär zu sein. "Es wird kein einfacher Weg, aber wir werden Stein auf Stein wegräumen", sagte der Jurist nach seiner Wahl. Die Mannschaft, die mit Pfiffen in der Westfalenhalle empfangen worden war, forderte Rauball auf, wieder mehr Herz und Engagement auf dem Platz zu zeigen.
Applaus für Metzelders Vertragsverlängerung
Mithelfen die sportliche Talfahrt zu stoppen soll bald auch wieder der lange verletzte Nationalspieler Christoph Metzelder. Der Kapitän verlängerte in dieser für den Verein schwierigen Zeit seinen auslaufenden Vertrag bis 2007 und bekam dafür großen Applaus von den Mitgliedern. Über sechs Stunden dauerte die Jahreshauptversammlung in diesem Jahr und sie ging so ruhig zuende, wie sie begonnen hatte. Zwar ohne sphärische Klänge, dafür aber passend zur aktuellen Situation mit westfälischem Erbseneintopf, statt mit Lachs und Häppchen. | ||||||||
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