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Tour de Ruhr im Dreck

Pottdreckig geht's in die letzte Runde.

Die Schuhe sind von einer dicken Lehmschicht umhüllt, das Gesicht ist schwarz, der Schlamm läuft aus Nase und Ohren. Die engen Trikots kleben noch mehr am Körper, der Regen klatscht den Fahrern ins Gesicht. Schweiß und Dreck vermischen sich, die Bikes sind schwer wie Blei. Wo sich jeder andere in die warme Wanne wünscht, laufen einige Mountainbiker erst zu Hochtouren auf.

 

Sie gilt als beste "Schlechtwetter-Radlerin" im Mountainbike-Sport. Irina Kalentieva liebt Regen und schlammige Bodenbeläge. Ihren ersten großen Sieg konnte sie bei regelrechtem Sauwetter verbuchen. Die Studentin aus Russland hat sich im Mountainbike-Sport einen Namen gemacht, gehört zur Elite und bei den Weltmeisterschaften im September zu den Favoritinnen. Beim Ruhrbike Festival in Wetter an der Ruhr konnte die 27-Jährige schon jetzt zeigen was sie drauf hat.

 

 

 

Nina und Irina gehören zur Elite.

Das Festival findet seit drei Jahren auf dem Gelände des Harkortberges statt, doch dieses Jahr wird im Rahmen der Veranstaltung erstmals das Finale der deutschen Bundesligaserie ausgerichtet. Obwohl der Mountainbike-Sport schon 1996 in Atlanta sein Debut bei den olympischen Spielen feierte, gilt er bei vielen noch als Fun-Sport. Doch allein schon die Disziplinen Marathon und Cross Country zeigen, dass es sich dabei um knallharten Leistungssport handelt. Und dabei gibt es für den Sieger des Bundesliga Elite Rennens gerade mal 844 Euro. NRW gehört nicht zu den großen Austragungsorten, der Radsport durch Berg und Tal wird meist in süddeutschen Gefilden betrieben.

 

Das MTB-Wochenende in Wetter kann sich zeigen lassen. Trotz Sauwetter kamen über 4000 Sportbegeisterte an zwei Tagen auf den Harkortberg. Ein Shuttleservice fuhr regelmäßig zur Austragungstrecke. Das zweitägige Programm drehte sich nicht nur um die Austragung der Bundesliga. Highlight bildeten besonders der Marathon sowie das Cross Country Rennen.

 

Wenige Verletzungen auf der beliebten Ruhrstrecke

 

Die Strecken an der Ruhr sind bei Bikern aus ganz Deutschland beliebt. Anspruchsvoll und konditionszehrend so die Kommentare von Olympiateilnehmern und Semi-Profis. Der 45-Kilometer Marathon ist mit seinen insgesamt 1200 Höhenmetern eine technische und konditionsmäßige Herausforderung. Die Cross-Country Strecke bot bei Platzregen einen schlammigen Parcour mit knackigen Anstiegen und rasanten Abfahrten, da mussten selbst die härtesten Fahrer alle Kräfte zusammennehmen. Für manchen bedeute der modrige Untergrund das schnelle aus, Stürze und Verletzungen bleiben bei solch einem Festival nicht aus. Laut Kay Obergfell, Pressesprecher der Stadt Wetter, sei aber nichts Gravierendes passiert.

 

Siebzehnjähriger steht beim MTB-Debut ganz oben auf dem Treppchen

 

Statt negativer Überraschungen bot die MTB Veranstaltung für einige Teilnehmer unvergessliche positive Erlebnisse. Marco Intravaia aus Hagen bekennt sich selbst zum Schönwetter-Fahrer und belegte dennoch beim Marathon und Cross Country den ersten Platz: "Ich mag die Abwechslung. Vor allem berghoch, da quält man sich total."

 

 

 

Nach dem Sieg: Glücklich
und kaputt.

Mit der Konkurrenz werde das zum richtigen Fight, schwärmt der 17-Jährige direkt nach seinem Sieg. Marco fährt für den RSC Tretlager aus Wetter und feierte sein Debut auf dem Harkortberg: "In diesem Jahr mache ich das erste Mal bei einem richtigen Rennen mit.“

 

Was für den einen das erste Mal ist, ist für den anderen eine Überbrückung zu den Weltmeisterschaften. Nina Göhl und Irina Kalentieva nehmen das Festival als Trainigseinheit für die Vorbereitung zur Olympiade. Die beiden hübschen Mountainbikerinnen sind einige der wenigen Frauen in dieser Sportart und gehören zur absoluten Elite. Nina Göhl ist vom Ruhrbike Festival dennoch angetan: "Die Strecke ist technisch und konditionell sehr anspruchsvoll." Sagt die Studentin aus Freiburg. Die 22-Jährige gehört zu den jüngsten der Profis und ist die Hoffnung des deutschen Mountainbikesports. Sie selbst nimmt den Sport sehr ernst, braucht jedoch einen geistigen Ausgleich neben der ganzen körperlichen Anstrengung und studiert deswegen Medizin. Die 27-jährige Irina Kalentieva kommt aus Russland, lebt jedoch seit zwei Jahren in Aalen. Beide Frauen fahren für das Team Multivan Merida. Obwohl sie knallharte Konkurrentinnen sind verstehen sich die beiden sehr gut. Taktik haben sie nicht. "Wir fahren einfach los", sagt Göhl. Sportlicher Zusammenhalt der ein klares Ziel verfolgt: Zu den Besten bei der Weltmeisterschaft gehören.

 

Die Freundinnen halten nicht nur privat zusammen auch im Rennen zeigt sich, dass sie voneinander profitieren: Mit nur wenigen Metern Abstand fahren sie weit vor der Drittplatzierten ins Ziel. Nina Göhl (1:28.02 Stunden) belegte in der Bundesliga Elite den zweiten und Irina Kalantieva (1:24.41 Stunden)  nur wenige Sekunden schneller den ersten Platz.      

   

 

Fotos: Sabrina Krähling/Irmo Keizer

 

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VON SABRINA KRÄHLING

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