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Verunsicherung und Spekulationen

In einem Zug dieser Linie wurde der Sprengsatz gefunden.

Stundenlange Verspätungen, ein voller und gesperrter Hauptbahnhof, wütende Menschen - Bombenalarm. Grund dafür war ein herrenloser Koffer, den ein Zugbegleiter am Montag in der Fundstelle am Dortmunder Hauptbahnhof abgegeben hatte. Am gleichen Tag tauchte auch in Koblenz ein ähnlich gebauter herrenloser Koffer auf.

 

Vier Tage nach den Bombenfunden in Koblenz und Dortmund erhärtet sich der Terrorverdacht. In beiden Koffern befand sich eine ähnliche Konstruktion: eine handelsübliche Propangasflasche zusammen mit drei mit Benzin gefüllten Taschen und einer Zündvorrichtung, verpackt in einem Trolley. Die Polizei bestätigte, dass im Falle einer Explosion unter den Zugfahrern mit schwersten Verletzungen hätte zu rechnen sein müssen. Außerdem befanden sich in dem Dortmunder Koffer Spuren von Speisestärke. Wäre der Sprengsatz detoniert, hätte sich das Pulver weit verteilt und einen chemisch-biologischen Anschlag vorgetäuscht. Das geht aus bisher allerdings unbestätigten Medienberichten hervor.

 

Köln Hauptbahnhof: hier könnten die
explosiven Koffer herkommen.

Wie die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch berichtete, führt die Spur in den Nahen Osten. In beiden Koffern seien Tüten mit arabischen Schriftzeichen gefunden worden. Inzwischen hat sich nun auch die Bundesanwaltschaft eingeschaltet. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte ein Sprecher. Zu einem etwaigen terroristischen Hintergrund

wollte er allerdings nicht Stellung nehmen. 

 

Interessant aber ist, dass die beiden Züge, in denen die Bomben gefunden wurden, auch in Köln halten. In Medien wird deshalb vermutet, dass die Täter eventuell die Koffer an diesem Schnittpunkt in die Waggons gebracht haben.

 

Zugfahrt mit gemischen Gefühlen

 

Viele Fahrgäste sehen ihrer nächsten Zugfahrt nun mit gemischten Gefühlen entgegen. Die einen machen sich wenig Sorgen um ihre Sicherheit, andere sind misstrauischer geworden, jedoch auf die Bahn angewiesen.

 

Gemischte Gefühle: Fahrgäste im RE1,
der zwischen Aachen und Hamm pendelt.

Fahrgäste im RE1 auf die Frage "Fühlen Sie sich sicher" (39s/312KB)

 

Auch die Bahn ist alarmiert und will dazu beitragen, das Zugfahren künftig sicherer zu machen. Zwar wird laut Volker Knauer, Leiter der Konzernpressestelle der Deutschen Bahn, kein zusätzliches Sicherheitspersonal eingestellt. Aber dafür "ist jeder Mitarbeiter der DB dazu aufgerufen richtig hinzugucken. Vor allem betrifft es die Mitarbeiter in den Zügen, die Mitarbeiter an den Bahnhöfen, unser Sicherheitspersonal, aber natürlich auch die Reinigungskräfte und die Kollegen von der Bundespolizei", so Knauer weiter.



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Die präparierte Propangasflasche wurde in einem Koffer der Marke "e-go" (siehe Foto) untergebracht. Die Polizei Dortmund sucht Zeugen, die diesen Koffer im Regionalexpress I (auch NRW-Express genannt) am Montag in der Zeit von 04:16 bis ca. 15 Uhr gesehen haben. Hinweise werden unter der Rufnummer 02 31 -

13 27 72 3 oder 0800- 01 30 110 (Bundeskriminalamt) entgegengenommen.

 

Bahn-Sprecher Knauer zur Sicherheitsschulung der Mitarbeiter (21s/172KB)

 

Experte: Indizien deuten auf Erpressungsversuch

 

Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft dauern derzeit noch an. Rolf Tophoven vom Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik in Essen schließt eine politisch motivierte Tat jedoch aus; viele Indizien deuteten vielmehr auf einen Erpressungsversuch gegenüber der Deutschen Bahn hin.

 

Experte Rolf Tophoven vermutet einen Erpressungsversuch (50s/395KB)

 

Terrorismusexperte Tophoven warnt jedoch vor allgemeiner Panik. Dennoch sollten die Fahrgäste aufmerksam gegenüber herrenlosen Gepäckstücken sein. Denn die beiden gefundenen Koffer pendelten knapp einen halben Tag in den Zügen.

 

Tophoven warnt vor Panik, rät aber zur Wachsamkeit (39s/310KB)

 

In solch einem Koffer der Marke "e-go"
wurde der Sprengsatz verstaut.

Inzwischen ist auch eine politische Debatte zur Sicherheit in den Zügen entbrannt. Die Unionspolitiker Stephan Mayer und Clemens Binniger fordern verschärftere Videoüberwachung an Bahnhöfen. Der CSU-Abgeordnete Norbert Gleis erwägt sogar Sicherheitsvorkehrungen wie an Flughäfen. Uniosfraktions-Vize Wolfgang Bosbach hält das jedoch für nicht durchführbar. Gegenüber dem Nachrichtensender N24 erklärte er, dass die Bahn täglich 4,3 Millionen Reisende befördere - etwa so viele, wie die Lufthansa in einem Jahr. 

 

FOTOS: Martin Barwitzki/Polizei

AUDIOS: Sven Schiefelbein/Martin Barwitzki

VON SVEN SCHIEFELBEIN UND MARTIN BARWITZKI

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