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"Das Fernsehen wird individueller"

Vor einem gewaltigen Umbruch steht die gesamte Medienwelt. Nicht nur die der Fernsehsender müssen sich auf neue Techniken und vor allem Konkurenten einstellen, sondern auch die Mediennutzer, sollten die Prognosen von Prof. Markus Schächter Wahrheit werden. Der Intendant des ZDF war prominenter Gastreferent bei den 3. Dortmunder Medientagen, zu der das Institut für Journalistik der Uni Dortmund ins Erich-Brost-Haus eingeladen hatte. Sollte alles so kommen, wie der 56-Jährige vorher sagt, wird bereits in zehn Jahren nichts mehr so sein wie es heute ist.

 

In zehn Thesen packte der Medienmanager die Zukunft, die Mediennutzer wie Medienmacher erwartet. Da wäre zum ersten die fortschreitende Digitaltechnik, bei der ein Blick nach Asien lohne, wo ein Teil der Technik "zehn Jahre voraus ist", sagte Schächter. Olympia 2008 in Peking und die Weltausstellung 2010 in Shanghai werden im Hinblick auf digitale Sendetechniken und Formate Meilensteine werden. Eine Technik, so lautet eine weitere These, die noch brilliantere Bilder liefern wird. Die Technik der Endgeräte (beispielsweise die High-Definition-Technik - HD) wird nicht nur das klassische Farbfernsehen ablösen, sondern ganz neue Standards setzen und eine riesige Sogkraft auswirken.

 

Markus Schächter zur Digitaltechnik (1,05min/1,0MB)

 

Auch bei der Mobilität der Endgeräte und der Nutzer. Daher lautete seine dritte These folgerichtig: Das TV der Zukunft ist mobil. Wenn wie geplant 2010 das analoge TV abgeschaltet wird, wird sich die Mediennutzung stark verändern. Das Publikum wird noch weiter fragmentiert, prognostiziert der ZDF-Intendant, der im Janaur 2004 eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg erhielt. Das junge Publikum wird auf mobiles TV über das Internet (IP-TV) oder anderen Mobilstandards setzen, die älteren Zuschauer dem klassischen Fernsehen treu bleiben. Tendenziell, so Schächters dritte These, wird Fernsehen mehr Pay-TV, weniger Free-TV sein – und damit unter dem Strich teurer, aber auch individueller. Die Satellitenbetreiber planen, schon sehr bald Geld zu verlangen für die Ausstrahlung der Programme. Im Gespräch sind fünf Euro pro Monat. Bei 12 Millionen Haushalten mit Satellitenanschluss wären das 60 Millionen Euro pro Monat.

 

 Markus Schächter zur Zukunft des Fernsehens (1,6MB)

 

Der Vorteil: "Durch die neue digitale Technik wird der einzelne Zuschauer adressierbar", weiß Schächter, der 2002 nach einer steilen internen Karriere zum Intendanten gewählt wurde. Und wer die Vorlieben des Zuschauers kennt, kann ein für den Einzelnen zugeschnittenes Programm senden. Daraus folgert Schächters vierte These: Das Fernsehen der Zukunft wird Abruf-Fernsehen sein. Mit Video-on-demand, vorbestellte Sendungen und Filme zu einer gewünschten Uhrzeit, wird der Zuschauer zum Programmplaner. Die klassischen Rituale beim Nachrichtenkonsum werde es bald nicht mehr geben. Das betreffe Fernsehsender wie Zeitungsverlage gleichermaßen. Den Mediennutzer im Internet abzuholen und sich dessen Usergewohnheiten zu nutze machen - bei dieser Entwicklung will das ZDF vorne dabei sein.

 

Der ZDF-Intendant zur Zukunft der Heute-Nachrichten (1,19min/1,2MB)

 

Drei neue große Konkurrenten für das TV

 

Nicht mehr nur klassische Medienbetriebe wie das ZDF, eines der größten Medienbetriebe in Europa, werden um die Gunst der Konsumenten buhlen, so seine fünfte These. Zwei große Konkurrenzen tun sich auf: Die "Googles dieser Welt", wie Markus Schächter sie nennt. Unternehmen, die im Internet groß geworden sind und sich stark darum bemühen, bewegte Bilder im Netz anzubieten. Zum anderen "die Telekoms dieser Welt", die das Telefon, Fernsehen und Internet zusammen bringen wollen. Möglich sind Angebote wie: Wer für Inhalte wie Fernsehsendungen bezahlt, bekommt das Telefonieren gratis dazu.

 

 

 Mahnende Worte am Rednerput: ZDF-Intendant Markus Schächter.

Neu im Konzert der Konkurrenten: Die Blogger, Individualisten, die aktuelle Themen aufgreifen und ins Internet stellen, oft schneller als es jeder Medienbetrieb leisten kann. So waren beispielsweise Bilder und Videos von den Anschlägen in London im Jahr 2005 zuerst in Bloggs zu sehen – der modernen Handytechnik sei dank. "Hier wächst ein ganz neuer Journalismus heran", glaubt der ZDF-Intendant.

 

 

 Markus Schächter über Blogger im Internet (3,2MB)

 

Inhalte müssen gut sein

 

Egal, welche der "Player" sich durchsetzen will, der angebotene Inhalt muss einen Mehrwert darstellen für den Konsumenten, so Schächter. Qualität, die nur Spezialisten herstellen können. Immer wichtiger wird in diesem Zusammenhang die Publizistik – eine beruhigende Nachricht für Journalisten. "IP-TV oder Handy-TV können nur mit guten Inhalten funktionieren", sagte der 56-Jährige und fügte das Beispiel UMTS an, für deren Lizenzen die Mobilfunkfirmen 100 Milliarden zahlten. Da kaum Inhalte und Endgeräte verfügbar waren, setzte sich die Technik nicht durch.

 

Für Journalisten wird es in Zukunft unabdingbar sein, über eine multimediale Ausbildung zu verfügen. Dabei sei Onlinejournalismus sei, zumindest in der "Basisversion", zumindest die Fähigkeit, den gesendeten Beitrag für das Internet aufzubereiten und online verfügbar zu machen.

 

Markus Schächter zum Onlinejournalismus (26s/415kb)

 

Fotos: Julia Seifert (InDOpendent)

Audiodateien: Daniel Gonzales

Videodateien: Thomas Majchrzak (do1)

VON DANIEL GONZALES

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